King without a Crown (Knig ohne Krone), drama The screenplay, based upon the book of the same title, tells the story of Albert Knig culminating in the horrible act of violation and murder of a 16-year-old girl. On three consecutive days before his suicide in prison, Albert, an 18-year-old boy whose father has often mistreated him, tells a therapist the story of his painful life. Looking for director and/or producer Mistwater (Saat des Bsen), thriller/mystery Cathy wakes up one morning finding a message on her mailbox that her boyfriend Pat never wants to see her again. Cathy, totally upset, travels to Mistwater, Pats small hometown, where he had gone 3 days ago for a funeral. She finds no trace of Pat and his father does not even want to talk to her, but she has an interesting encounter with a parson who is suspicious about the sudden death of his predecessor. Cathy also makes the acquaintance of a private investigator looking for a mothers lost son and a young man who, after the suicide of a close friend, suffers from scary visions from the past. Soon it becomes evident that Pat has taken a far too deep insight into some of Mistwaters evil secrets. For all these people are linked by a series of murders. Looking for producer (TV series) Strange Country (Das fremde Land), fantasy After a suicide attempt, 15-year-old Gernot finds himself in the middle of a medieval dungeon whose prisoners, surprisingly, make him the leader of a prisoners rebellion due to which he can escape. This is the beginning of an epoch-making fight against the forces of evil, led by the sinister Lord Cypher and the unscrupulous prison chief Eisselgaard. A fight, during which Gernot, whose name in this strange country is Notger, will meet his great love Anastasia and at the end of which he will find the final truth about himself. Looking for producer (TV series) Falling Angels (Fallende Engel), drama/romance (based on the tragedy Love and Intrigue by F. Schiller) Freddy, a mad car driver, is madly in love with Lisa, the beautiful daughter of a very simple, but upright family. Their misfortune: Freddys father is a criminal businessman who wants his son to marry another woman to strengthen his influence on an important mafia godfather. By lies and intrigues he finally succeeds in obscuring the relationship between Freddy and Lisa. Believing that his love betrayed him Freddy tries to kill her and himself in a car crash Looking for director and/or producer Puzzle, thriller Tim goes out with his dog Cano one morning and discovers some human bones in a forest. He starts investigating soon causing the death of a jeweler, whom he asked about a medal found close by. Tim finds out who the dead was, and meets with her sister. They fall in love with each other although she does not seem to trust him. Surprisingly, shortly after Tim started to investigate, two of his best friends, whom he had not seen for years, show up in his life again. One of them commits suicide after Tim visited him. When he starts putting together more and more parts of the puzzle, someone tries to kill Tim Looking for director and/or producer M I S T W A T E R Romanexpos (c) 2004 by Didier Personen Katharina Huttener, 20, genannt Kathi, Studentin Pfarrvikar Jim Reynolds, 35 Theresa Eliot, Mitte 50, Sekretrin im Kirchenbro Dr. William Fredericks, Anfang 50, angesehener Landarzt Patrick Fredericks, 24, sein Sohn, genannt Blacky, Student, Freund von Kathi Charles Matthews, 19, arbeitslos, Patricks Cousin Robert Finlay, 23, Patricks frherer Freund Theo Ecclestone, 20, Patricks Freund Erna Bayer, 80, verlor in der Nazi-Diktatur ihre Schwester Emmi Hilda Moewig, 90, Witwe von Dr. Eberhard Moewig Phil Cutler, 16, Opfer eines Baumhausbrandes Ernie Clark, 16, Opfer eines Baumhausbrandes Zeittafel 1901: Geburt von Alexander Albert Theodor Friedrichs 1919: Geburt von Margaret Wyler, spter verehel. Fredericks 1925: Geburt von Erna Bayer 1937: Tod der kleinen Emmi Bayer 1947: Alexander Friedrichs wandert als Verlobter von Margaret Wyler nach Mistwater aus, wo er den Namen Fredericks annimmt und Margaret heiratet 1948: Geburt des einzigen Sohnes William Stephen Fredericks 1971: Ermordung von Dr. Eberhard Moewig 1980: William S. Fredericks heiratet Betty McIntyre 1982: Sohn Patrick Stephen Fredericks wird geboren 1985: Tod von Margaret Fredericks 1987: Tod von Alexander Fredericks 2000: Scheidung der Ehe von William und Betty Fredericks 2000: Tod Betty Fredericks 2003: Studienbeginn fr Patrick Fredericks an der Universitt Hamburg Kurzinhalt: Mistwater erzhlt eigentlich zwei Geschichten: die der deutschen Studentin Kathi, die ihren in seiner englischen Heimatstadt Mistwater verschwundenen Freund sucht und dabei die dstere Nazi-Vergangenheit seines Vaters aufdeckt, sowie die des elfjhrigen Ottiwell, der zwei Jugendliche in ein Baumhaus gelockt und darin verbrennen lassen hat, weil sie ihn fortwhrend drangsaliert und schikaniert haben. Beide Geschichten sind verwoben durch Kathis Freund Patrick, der, nachdem er erfahren hat, was Kathi erst mhsam herausfindet, in eine Art inneres Exil geflohen ist und sich nach einer Hinwendung zu Gott fr ein soziales Hilfsprojekt engagiert. In zwei Prologen werden die Tode von Eberhard Moewig, der 1971 in einem Wald erdrosselt wird, sowie der beiden Jugendlichen Phil und Ernie geschildert, die in einem Baumhaus verbrennen. Es erwischt Katharina Huttener, genannt Kathi, eiskalt, als sie eines Morgens im Mrz nach einer wilden Studentenparty mit schwerem Kopf ihren Anrufbeantworter abhrt und ihr Freund Patrick ihr in dnnen Worten erffnet, dass er sie nicht wiedersehen knne. Ohne lange zu berlegen packt Kathi ihre Koffer um Patrick, der zusammen mit ihr an der Hamburger Universitt studiert, jedoch britischer Staatsbrger ist, nachzureisen. Anlsslich der Beerdigung des mit ihm eng befreundeten Pastors Williamson war Patrick vor einigen Tagen in seinen Heimatort, die 4000-Seelen-Gemeinde Mistwater in Lancastershire, zurckgefahren. In Mistwater angekommen fllt Kathi sofort die bedrckende Atmosphre auf, die in dem Ort herrscht. Die Menschen begegnen ihr mit Misstrauen und Ablehnung. Ein Grund dafr: Mistwater steht unter Schock: Zwei Jugendliche sind ums Leben gekommen, nachdem in dem Baumhaus, in dem sie sich aufhielten, ein Feuer ausgebrochen war. Das erfhrt sie von ihrer landlady Mrs. Frost, bei der sie zu Bed-und-Breakfast-Kondidtionen logiert. Kathis Weg fhrt sie zu Patricks Vater Dr. William Fredericks, einem Witwer, dessen Vater nach dem Krieg die Schwester eines in Deutschland stationierten englischen Soldaten geheiratet hatte und mit ihr nach Mistwater gegangen war. Doch der angesehene Arzt legt keinerlei Wert darauf, die Bekanntschaft der Freundin seines Sohnes zu machen und verweigert auch sonst jede Auskunft. Er wisse nicht, wo Patrick hingegangen sei. Enttuscht sucht Kathi Robert Finlay, einen Freund aus Patricks Kindertagen auf, von dem er ihr in Deutschland erzhlt hat. Von Robert erfhrt Kathi, dass Patrick seit seinem letzten Besuch in Mistwater zu Weihnachten vllig durch den Wind sei. Auch mit seinem Vater habe er sich offenbar berworfen. Nur zu dem verstorbenen Pastor Williamson habe er am Schluss noch Vertrauen gehabt. Sein pltzlicher Tod durch Herzversagen habe ihm in irgendeiner Art und Weise den Rest gegeben. Er habe das Leben empfunden wie tausend Jahre Regenwetter, das sei seine eigene Formulierung gewesen. Da Roberts Draht zu Patrick schon seit einiger Zeit nur noch oberflchlich sei, knne er ihr nur Informationen vom Hrensagen weitergeben. Patrick habe sich zuletzt mehr mit Freunden abgegeben, die sich leider zum Schlechten entwickelt htten, darunter auch Patricks Cousin Charles Matthews, der sich mit den Anhngern einer faschistoiden Gruppierung herumtreibt und deren Anfhrer ist. Szenetreff ist die Musikbar Fire Mouth, zugleich die einzige richtige Kneipe in Mistwater. Zum Dunstkreis der Leute, die sich dort treffen, haben, so erfhrt Kathi weiter, auch die beiden Opfer des Brandes im Baumhaus gehrt, der jetzt alle so tief erschttert. Vor ein paar Tagen ist Patrick noch im Fire Mouth gesichtet worden. Er hat dort einen furchtbaren Streit mit Charles gehabt. Die beiden sind sich fast gegenseitig an die Gurgel gegangen. Patrick sei danach, so Robert weiter, in einer frchterlichen Verfassung gewesen. Er habe sein ganzes Leben verflucht und alles hinschmeien wollen. Danach hat ihn niemand mehr gesehen. Kathi nimmt diesen Bericht mit groer Besorgnis zur Kenntnis und erinnert sich daran, dass Patrick in den letzten Wochen in Hamburg ungewhnlich oft die Sinnfrage und Fragen nach Schuld und Gerechtigkeit gestellt hat. Schlielich erzhlt Robert ihr noch von Williamsons kommissarischem Nachfolger Reynolds, der ganz o.k. sei. Vielleicht solle sie einfach mal mit ihm reden. Kathis Gesprch mit dem Vikar endet ganz schnell, denn Reynolds kennt keinen Patrick. Reynolds ist zuvor, whrend er sich immer noch provisorisch im Haus des Vorgngers einzurichten bemht ist, allerdings auf eine merkwrdige Notiz gestoen, die offenbar in die Ritze eines Brosessels gefallen war. Der alte Pfarrer hat sich offenbar nach einem vertraulichen Beichtgesprch auf einem Gebetszettel, wie er sie regelmig benutzte, Notizen gemacht. Ihr Inhalt: Beichtgesprch B.: Entscheidung ber Kinder, dann ein Pfeil und dann: Euth.- 5. Herr, hilf! Gesprch mit F. am 15. 3. Mehr lsst sich nicht entziffern. Bestrzt stellt der junge Vikar fest, dass der 14.3. Williamsons Todestag war. Frau Eliot, die Sekretrin erinnert sich, dass ihr alter Chef in ziemlicher Aufregung war wegen dieses Gesprchs. Sie wisse aber nicht, um wen es sich gehandelt haben knnte. Entsetzt sucht Kathi noch einmal Patricks Vater auf. Sie teilt ihm mit, sie vermute, Patrick wolle sich das Leben nehmen oder habe das schon getan und liege vielleicht irgendwo herum. Dr. Fredericks lsst das unbeeindruckt. Kathi gert auer sich vor Angst und Sorge. Wtend verlsst sie das Haus. Bei einem Spaziergang stt sie zufllig auf den Ort mit dem abgebrannten Baumhaus. Zufllig entdeckt sie dabei so eine Art Anstecknadel, deren Prgung noch erkennbar ist: Batman. Auf der Strae begegnet ihr spter ein fremder Junge: Charles, ein jovialer Aufreiertyp, wie es Kathi erscheint, will sie schon mal irgendwo gesehen haben auf einem Foto, das sein Cousin Blacky ihm mal gezeigt habe. Sie sei Blackys Freundin. Blacky? Kathi kann dem Jungen nur einen Vogel zeigen. Einen Blacky kenne sie nicht. Doch rasch stellt sich heraus, dass Blacky der Spitzname von Patrick ist. Alle Freunde, mit denen er sich zuletzt abgegeben habe, meint Charles, im Dorf und in der Bar Fire Mouth, htten ihn eigentlich nur unter diesem Namen gekannt. Kathi ndert ihre Haltung und bittet Charles ihr alles zu berichten, was sie von Blacky alias Patrick wisse. Auerdem solle es einen Streit zwischen den beiden Cousins gegeben haben. Das leugnet Charles. Er und Blacky seien von Kindesbeinen auf die besten Freunde gewesen. Auch glaubt er nicht, dass Blacky etwas zugestoen sein knnte. Blacky sei zwar manchmal bersensibel und etwas sentimental, aber trotzdem unverwstlich. Ansonsten kann Charles wenig Neues berichten. Blacky sei seit letzten Weihnachten auf einem frommen Trip gewesen, habe sich oft mit dem alten Pfarrer ausgetauscht. Dessen Tod habe ihn dann vollends aus der Bahn geworfen. An eine gewisse religise Neuorientierung ihres Freundes in den vergangenen Monaten kann sich auch Kathi erinnern. Nach der Beerdigung habe Charles seinen Cousin nicht mehr gesehen. Bestimmt sei er ins Kloster oder so gegangen, scherzt der Junge. Von einem Streit Blackys mit seinem Vater, wie Robert ihn Kathi gegenber erwhnt hatte, wei Charles indes nichts. Schlielich ldt Charles Kathi fr den Abend ins Fire Mouth ein. Kathi nimmt an, macht aber unmissverstndlich klar, dass sie vergeben ist. Williamsons Gebetszettel lsst dem jungen Vikar Reynolds keine Ruhe. Zusammen mit Frau Eliot errtert er zunchst die Frage, ob er bei fragmentarisch festgehaltenen Beichtnotizen seines verstorbenen Vorgngers an das Beichtgeheimnis gebunden sei. Frau Eliot ist das zu hypothetisch. Er zeigt ihr also den Papierfetzen. Frau Eliot erinnert sich, dass Pastor Williamson ein paar Wochen vor seinem Tode einmal von einem Gesprch mit einem Jungen berichtet hat, der tief in Schwierigkeiten und Depressionen gesteckt habe. Alles weitere sei jedoch unter die Schweigepflicht gefallen. Den Namen habe er ihr nicht sagen drfen. Mit B fllt ihr kein passender Name ein. Zum Buchstaben F. fallen ihr dagegen gleich mehrere Namen ein, z. B. Dr. Fredericks. Der Fredericks sei ihr, so Frau Eliot, nie ganz geheuer gewesen , weil dem nichts heilig sei. Vor allem die Art und Weise, wie er damals seine Frau abserviert habe, vor mehr als zehn Jahren, habe ihr missfallen und fr viel Klatsch und Tratsch in Mistwater gesorgt, zumal seine Frau, wie spter der Zeitung zu entnehmen war, wenige Wochen nach der Trennung starb. Man munkelte damals, sie habe Selbstmord begangen. Sie wrde lieber zu einem weiter entfernt wohnenden Arzt gehen, wenn sie einmal krank wre. Kathi sitzt mit Charles an der Theke des Fire Mouth und bekundet, dass ihr die Kneipe angesichts der vielen dmonischen Bilder ein wenig unheimlich vorkommt. An einer Wand hngt ein groes Bild mit einer schwarzen Teufelsfratze auf rotem Grund. Als Charles auf dem WC verschwindet, spricht ein fremder Junge sie an, der sich als Theo, ein Freund von Blacky, vorstellt. Robert habe ihm von ihren Nachforschungen berichtet und in Mistwater sprchen sich Neuigkeiten rasch herum. Da man sich in Mistwater ja nicht aussuchen knne, wo man abends hingehe um Spa zu haben, habe er sich gedacht, er wrde Kathi wohl hier antreffen. Theo wei zu berichten, Blacky habe in Mistwater einen neuen Freund gefunden, den elfjhrigen Ottiwell. Charles, offenbar eiferschtig, nhert sich zornig und provoziert eine Rangelei. Als Kathi Theo verteidigen will, fllt die Maske: Charles grapscht die Studentin an und gibt auf einmal unfltige uerungen von sich. Zwei Freunde treten an seine Seite und reden wirres Zeug. Sie beschimpfen Blacky als Verrter, der seinem Namen keine Ehre mehr mache. Kathi bringt Charles und seine Freunde durch eine Ohrfeige zum Schweigen. Unter wsten Beschimpfungen und Drohungen verlsst sie zusammen mit Theo das Lokal. Kathi geht in ihre Pension und ruft von ihrem Mobiltelefon aus ihren Anrufbeantworter in Hamburg an. Doch es gibt nicht die erhoffte Nachricht von Patrick, sondern nur die von einer Frau Moewig, die einen Termin mit Patrick haben mchte. Am nchsten Morgen besucht Kathi erneut den Vikar Reynolds. Kathi fragt Reynolds jetzt, ob er, wenn er denn schon keinen Patrick kenne, vielleicht wenigstens ber einen gewissen Blacky etwas zu sagen wisse und siehe da! diesmal fllt ihre Anfrage auf fruchtbaren Boden. Nicht, weil der Name Blacky Reynolds mehr sagen wrde, aber Frau Eliot sagt er etwas. Sie erinnert sich nmlich sofort an den jugendlichen Freund des alten Pastors. Und dieser Name, wird Reynolds klar, muss es auch sein, der sich hinter der Abkrzung auf dem Schmierzettel verbirgt! Das kann der Vikar Kathi zwar nicht sagen, weil es unter die Schweigepflicht fllt, aber Kathi merkt, dass Reynolds etwas wei. Sie setzt auf die Devise Vertrauen gegen Vertrauen. Sie wolle wissen, was aus ihrem Freund geworden sei, und Reynolds habe offenbar auch das Gefhl, dass in Mistwater einiges nicht mit rechten Dingen zugehe. Wenn man an einem Strang ziehe, knne man vielleicht gemeinsam davon profitieren: Kathi findet ihren Freund wieder und Reynolds kann das zu Ende bringen, was seinem Vorgnger wegen seines pltzlichen Todes verwehrt blieb. Kathi bittet den Pfarrer gleich noch einmal um Hilfe. In der Gemeindekartei fnden sich doch alle Namen und Adressen von Kirchenmitgliedern. Sie wrde gern wissen, ob es eine Familie mit einem Sohn namens Ottiwell gebe. Der Name ist nicht besonders hufig und mit Frau Eliots Hilfe ist die Familie im Nu gefunden. Bei ihrem Besuch gelingt es Kathi anfangs nicht Ottiwells Vertrauen zu gewinnen. Das ndert sich schlagartig, als sich Kathi als Patricks Freundin vorstellt. Der Junge schwrmt frmlich von Patrick. Kennen gelernt haben sich beide dadurch, wei der Junge zu berichten, dass Patrick ihm einmal geholfen hat, als zwei Jugendliche Geld von ihm erpressen wollten. Sie htten gedroht ihn zu verprgeln, aber Patrick, der die beiden zu kennen schien, hat sie verjagt, so der Junge. Die beiden Jungen htten ihn schikaniert, seit er mit seiner Mutter nach Mistwater gezogen sei. Sie habe sich von seinem Vater scheiden lassen. Auf die Frage, warum so etwas geschehe, warum es so viel Unrecht gebe, wei Kathi keine Antwort, aber der Junge berrascht sie mit seinem wachen Verstand und seinen kritischen Fragen. Er spricht von einer besseren Gerechtigkeit als der, die es auf der Welt gebe. Darber habe er auch mit Patrick viel diskutiert. Ottiwell wei auerdem ein Geheimnis, aber er hat Patrick vesprochen mit niemandem darber zu sprechen. Kathi bringt es nicht fertig den Jungen zum Reden zu bringen. Sie erfhrt nur, dass Patrick in Deutschland eine alte Frau namens Bayer gefunden hat, die der Schlssel zu diesem Geheimnis ist. Kathi erinnert sich an einen Tag, da Patrick einen wichtigen Besuch zu machen behauptet hatte und einfach verschwunden war. Er hatte ihr nur erzhlt, dass er in den Norden Hamburgs reisen wolle. Ottiwell wei auch nicht genau, wohin Patrick gegangen sein knnte, aber er habe davon gesprochen sich irgendwie ntzlich zu machen und ein neues Leben zu fhren. Es habe mit Jesus zu tun gehabt, so Ottiwell. Ein Satz ist dem Jungen besonders im Gedchtnis haften geblieben: Und wenn deine Hnde auch rot von Blut sind, sollen sie doch schneewei werden. Das habe Patrick zu ihm gesagt. Warum er denn so einen Satz gesagt habe, will Kathi wissen, aber da hllt sich der Junge in Schweigen. Dafr erinnert er sich an den Namen Jerusalem. Ja, Patrick hat immer davon gesprochen an einem Ort namens Jerusalem Dienst zu tun. Als Kathi nach Hause gehen will, trifft sie Angela, eine Klassenkameradin von Ottiwell, die gerade auf dem Weg zu ihm ist. Kathi stellt sich kurz vor und entlockt dem Mdchen rasch, dass es ein bisschen in Patrick verliebt ist. Kathi erinnert sich auch daran, das Mdchen schon einmal gesehen zu haben, und zwar als sie zufllig auf die Brandstelle stie. Dann telefoniert Kathi mit der unbekannten Frau Moewig, die auf der Mailbox eine Nachricht hinterlassen hat. Frau Moewig behauptet, Patrick habe mit ihr Kontakt aufgenommen, weil er angeblich etwas ber den Tod ihres vor vielen Jahren erhngt in einem Waldstck in Schleswig-Holstein aufgefundenen Vaters gewusst habe. Kathi lsst sich von der Frau einen Zeitungsausschnitt faxen. Eine Frau Bayer kennt Frau Moewig nicht. Reynolds und Kathi fragen sich, was die beiden Frauen miteinander zu tun haben. Kathi fllt ein, dass Patrick alte Fahrscheine in der Regel auf dem Schreibtisch liegen lsst und nicht wegwirft. Telefonisch bittet sie ihre Vermieterin, auf dem Schreibtisch nachzusehen ob sie ein Nahverkehrszug-Ticket vom Anfang des Monats finden knne. Whrend sie auf den Rckruf ihrer Hamburger Vermieterin wartet, geht Kathi spazieren. Charles kommt auf seinem Motorrad angebraust und belstigt sie frech. Wtend faucht sie ihn an, er und seinesgleichen sollten mal lieber aufhren stndig mit dem Feuer zu spielen. Wie alle wssten, knne man sie dabei ganz schnell die Finger verbrennen und auch mehr... Charles verschlgt es vllig die Sprache ob dieser Anspielung auf den Brandunfall der beiden Cliquenmitglieder Phil und Ernie. Was sie denn damit sagen wolle. Kathi hllt sich in Schweigen, aber als Charles sich entfernt hat, holt sie noch einmal die halb verkohlte Batman-Anstecknadel hervor und spricht leise vor sich hin: eine bessere Gerechtigkeit! Kurz darauf ist die Vermieterin tatschlich fndig geworden. Die Reise, die Patrick Anfang des Monats gemacht hat, fhrte ins schleswig-holsteinische Kaltenkirchen. Weitere Recherchen ergeben, dass dort eine fast neunzig Jahre alte Rentnerin namens Erna Bayer lebt. Kathi ruft sie sofort an. Die alte Dame kann besttigen, dass Patrick sie Anfang Mrz besucht hat. Er habe ihr berichtet, im Rahmen seines Geschichtsstudiums habe er Nachforschungen ber Opfer aus der Nazi-Zeit anstellen mssen. Frau Bayer erzhlt, den Trnen nah, vom Schicksal ihrer Schwester Emmi, die 1936 mit vier Jahren wegen einer geringfgigen geistigen Behinderung von der Familienfrsorge in die Alsterdorfer Anstalten eingewiesen wurde. Kurz vor Kriegsende dann die Nachricht, dass Emmi nach einer lebensgefhrlichen Erkrankung in der Kinderklinik Hamburg-Rothenburgsort gestorben sei. Unter Trnen fgt Frau Bayer hinzu: Ermordet von den Nazis per Giftspritze. Kathi kann sich nun auch die rtselhafte 5. auf dem Papierfetzen des Pastors erklren: Mglicherweise steht sie fr das fnfte Gebot, das hier massiv verletzt wurde. Die Abkrzung Euth. auf dem Schnipsel knnte demnach fr Euthanasie stehen. Doch es bleibt die Frage: Was mag Patrick bewogen haben in der Vergangenheit herumzuwhlen? Frau Bayer liest weitere Details aus dem ihr damals ausgehndigten Dokument vor: Die berweisung von Alsterdorf nach Rothenburgsort und damit Emmis Todesurteil hat ein gewisser Dr. Alexander Fredericks unterzeichnet, Patricks inzwischen verstorbener Grovater. Komischerweise habe Patrick, der davon nicht berrascht schien, jedoch immer nach einem anderen Arzt gefragt, einem Doktor Moewig. Und den kennt auch Frau Bayer nicht. Abends im Pub erfhrt Kathi, dass die beiden Toten aus dem Baumhausbrand sich ein bisschen Geld dazuverdient htten, indem sie Schler erpressten. Jetzt drngt es Kathi noch einmal mit dem kleinen Ottiwell zu sprechen. Ihr Verdacht: Patrick hat um den Jungen zu schtzen vielleicht das Baumhaus in Brand gesteckt und wollte dabei die beiden Getteten vielleicht nur erschrecken. Etwas knnte dann schief gelaufen und Patrick zur Flucht veranlasst haben. Kathi fragt, was Patrick Ottiwells Ansicht nach bewogen habe sich pltzlich ntzlich machen zu wollen. Sei es nicht vielmehr eine Flucht gewesen? Ottiwell erwidert: Patrick habe gesagt: Wenn es Gott gebe, dann drfe man nicht so tun, als sei er ein unbeteiligter Zuschauer unseres Lebens. Ottiwell findet dagegen, dass Gott aber oft so handle, als sei er genau dies. Gott habe nichts getan, als die beiden A---lcher, die ihn immer belstigt haben, seinen besten Freund, den Teddy Balthasar, auseinandergepflckt haben, weil er sie nicht bezahlen wollte. Solche Leute glaubten gar nicht an Gott, sondern machten sich lieber ihre eigene Gerechtigkeit, aber diese Gerechtigkeit tauge nichts! Und deswegen msse eben jeder Mensch seine Gegen-Gerechtigkeit haben. Anscheinend habe aber Gott die beiden beltter jetzt doch bestraft, provoziert Kathi den Jungen. Denn, was er ihr bisher verschwiegen habe, die beiden bsen Jungen seien ja in dem Baumhaus umgekommen. Vielleicht habe es in diesem Fall aber auch eine Art Batman gegeben, der fr Recht und Ordnung gesorgt habe. Damit trifft sie ins Schwarze. Als Ottiwell sich nmlich als groer Fan des Superhelden outet, holt Kathi die Anstecknadel hervor, die sie am Ort des Brandes gefunden hat. Kathi kann sich leicht zusammenreimen, dass das Baumhaus, das abgebrannt ist, sein und Angelas Baumhaus gewesen sein muss. Ottiwell gibt es zu. Er gibt auch zu, dass er mit Patrick ber Phil und Ernie gesprochen hat, die ihn immer bedroht und schikaniert htten. Das nhrt Kathis Verdacht, auch wenn Patrick noch einmal betont, die Sache mit dem Baumhaus sei ein Unfall gewesen. Von Angela erfhrt sie spter, dass Patrick in eine ganz schwere Krise geraten sei, nachdem er wegen einer Prgelei mit Phil und Ernie Streit mit seiner Mutter gehabt hatte. Als Kathi morgens zum Pastorat kommt, sieht sie, dass jemand hssliche Drohparolen an die Fassaden geschmiert hat. Reynolds hat keine Ahnung, wer dahinter stecken knnte. Er und Kathi recherchieren im Internet und erfahren auf den Seiten der Simon-Wiesenthal-Stiftung einiges Neues: Dr. Moewig wurde 1971 in einem Waldgebiet im Segeberger Forst ermordet aufgefunden. Da Moewig als Assistenzarzt im Dritten Reich an Euthanasie-Programmen beteiligt war und mit der Ermordung von Kindern in Hamburg-Rothenburgsort in Verbindung gebracht wurde (das ergaben Ermittlungen nach seinem Tod), lag die Vermutung nahe, Moewig habe sich aus Reue das Leben genommen Informationen, die Frau Moewig aus verstndlichen Grnden fr sich behalten hat. Die polizeilichen Ermittlungen wurden rasch eingestellt. Endlich gibt es eine Verbindung Moewig - Fredericks. Kathi hingegen hat nur ein Ziel: Patrick zu finden. Wie es aussehe, msse sie dafr allerdings nach Jerusalem reisen. Mit Hilfe der Informationen, die Kathi auerdem ber Patricks Plne hat, kann Reynolds das Rtsel jedoch bald lsen. Mglicherweise habe Patrick nicht die Stadt Jerusalem, sondern das Caf Jerusalem gemeint, das in Lancaster als diakonische Anlaufstelle fr Obdachlose betrieben werde. Kathi mche sofort nach Lancaster reisen. Reynolds hlt ein Gesprch mit Dr. Fredericks fr unausweichlich. Fredericks begrt den Pastor hflich, doch kalt. Sie gehen in den Salon, dessen linke Seite komplett mit Bchern in endlosen Regalen voll gestellt ist. Reynolds wirft eher zufllig einen Blick darauf. Er findet Bcher, die blicherweise in rechtsextremen Kreisen kursieren. Beide nehmen Platz. Im Gesprch ber Gott und die Welt prallen Welten aufeinander, denn Fredericks glaubt nicht an Gott. Reynolds sprt eine gewisse Feindseligkeit, die sich noch verstrkt, als er Fragen zum Verbleib von Patrick stellt, Fredericks einzigem Sohn. Als Reynolds dann auch noch den Namen Bayer fallen lsst, verliert sein Gegenber die Geduld: Fredericks hat pltzlich keine Zeit mehr. Mit einer Einladung zum bevorstehenden Oster-Gottesdienst verlsst Reynolds das vornehme Anwesen. Als Reynolds einige Zeit spter zu Hause vom Fahrrad steigen will, strzen sich Schatten aus dem Dunkel auf ihn und schlagen auf ihn ein. Bei dem Lrm wird es hell im Anbau, dem Domizil von Frau Eliot. Mit einem Regenschirm bewaffnet kommt Frau Eliot herbeigerannt und schlgt wild auf die maskierten Angreifer ein, die berrascht die Flucht ergreifen. Der Regenschirm ist blutverschmiert. Auf Frau Eliot gesttzt, gelangt Reynolds in sein Wohnzimmer. Sie verarztet ihn. Dabei kommt es zu folgendem Dialog: Frau Eliot, Sie sind eine sehr mutige Frau. Aber kennen sie nicht das Wort unseres Herrn: Wer dich auf die linke Wange schlgt, dem halte auch die rechte hin? Na, meine Wange wars ja nicht, Herr Pfarrvikar! Ostergottesdienst in der Kirchengemeinde: Reynolds predigt ber Schuld und Shne und den Sieg Christi ber die Mchte der Finsternis. Dabei macht er einige Anspielungen, die bei Fredericks seinem Mienenspiel zufolge einigen Verdruss auslsen. Als der Gottesdienst zu Ende ist, faucht Fredericks ihn am Ausgang an: Lehnen Sie sich nur nicht zu weit aus dem Fenster, Reynolds, sonst sorg' ich dafr, dass Sie strzen! Ich bin schon gestrzt, Herr Dr. Fredericks, sieht man das nicht? Aber ich bin wieder hochgekommen! Sehen Sie, besser knnte man ja die Botschaft von Ostern gar nicht auf den Punkt bringen. berraschend schlgt Fredericks dann ein Gesprch mit dem Vikar vor. Sie verabreden sich fr 14 Uhr. Auch Kathi ist zum Gottesdienst gekommen. Sie berichtet, dass sie sich bisher nicht hat durchringen knnen nach Lancaster zu fahren. Sie hat Angst vor dem Zusammentreffen mit Patrick und den Konsequenzen. Der Vikar ermutigt sie jetzt nicht so kurz vor dem Ziel aufzugeben. Nachmittags betritt Kathi mit gemischten Gefhlen das Caf Jerusalem. berraschend steht sie pltzlich Patrick gegenber, der gerade einem Obdachlosen Tee serviert. Spontan umarmt sie ihn. Doch Patrick reagiert zurckhaltend. Kathi vermutet, das hnge mit der Baumhaus-Geschichte zusammen, an der sich Patrick womglich schuldig fhlt und erklrt, dass sie zu ihm stehen werde, egal, was er angestellt haben mag. Schlielich sei doch Vertrauen die Grundvoraussetzung fr jede Art von Beziehung. Patrick zieht sie also ins Vertrauen und verpflichtet sie gleichzeitig zur Verschwiegenheit: Das Baumhaus habe der elfhrige Ottiwell in Brand gesteckt. Und nur er, Patrick, und jetzt sie, Kathi, kennten die Wahrheit: Ottiwell hat sein eigenes Baumhaus mit Benzin getrnkt, die beiden Mrder seines Teddys Balthasar hereingelockt, ist durch die Dachluke oben hinaus, hat dann, ehe die beiden es bemerkten, unten die Luke geschlossen und dann durch ein kleines Loch ein Streichholz hineingeworfen. Kathi ist sprachlos. Kathi erfhrt auch die Wahrheit ber den Streit mit seinem Vater: Dr. Moewig, ein Kollege von Patricks Grovater, der wie dieser unentdeckt geblieben war, wollte, von Gewissensbissen geplagt, viele Jahre nach dem Krieg auf einmal alles aufdecken und wurde von Dr. Alexander Fredericks (A. F. auf dem Papierfetzen), ermordet. Patricks Grovater kehrte dazu 1971 mit der neuen Identitt als Dr. Fredericks zusammen mit Patricks Vater fr ein paar Tage nach Deutschland zurck, lockte Moewig zu einem vertraulichen Gesprch in ein idyllisches Waldstck, berwltigte ihn mit Hilfe seines Sohnes, der dort auf der Lauer lag, und erhngte ihn. William Fredericks hat sich also als Mittter schuldig gemacht. Patrick hatte schon lange eine Ahnung hinsichtlich der Nazi-Vergangenheit des Grovaters und nicht zuletzt dies war der Grund ausgerechnet in Hamburg ein Geschichtsstudium aufzunehmen. Eine Seminararbeit fhrte dann zu den Alsterdorfer Anstalten und bald hatte er Gewissheit, dass sein Grovater besagter Dr. Friedrichs war, der Kinder in den Tod schickte. Whrend des Weihnachtsurlaubs hatte er dann im unter Verschluss gehaltenen alten Rollschrank seines Grovaters einen Hinweis auf ein Wiedersehen mit Moewig gefunden und seinen Vater, nachdem er durch die Kontaktaufnahme mit Frau Moewig genug wusste, damit konfrontiert. (An die Deutschlandreise von Vater und Grovater erinnerte eine Postkarte, die ebenfalls zu den im Rollschrank gefundenen Dokumenten gehrte.) Als dieser nicht einwilligen wollte, die Sache ans Licht zu bringen oder wenigstens beim Pfarrer zu beichten, entschied Patrick, stellvertretend fr seinen Vater zur Beichte zu gehen. Sein Vater konnte ihn nicht davon abhalten. Was Patrick jedoch erst jetzt erfhrt: Es war noch ein Gesprch zwischen seinem Vater und dem alten Pastor avisiert: kurz vor dessen Todestag. Patrick fllt aus allen Wolken. Sollte der alter Pastor Opfer eines weiteren Mordes geworden sein? Klar ist Patrick schon seit langem, dass es irgendwelche dunklen Verbindungen zwischen seinem Vater und der rechtsextremen Szene rund um Charles gibt, denn zum Schein hatte er sich eine Zeitlang in diese Szene hineinbegeben. So erklren sich die Angriffe auf den Pastor und das beschmierte Pfarrhaus. Da Kathi wei, dass sich Reynolds zu dieser Zeit mit Fredericks treffen wollte, befrchten sie nun einen Anschlag auf das Leben des Vikars und brechen sofort nach Mistwater auf. Parallel zur Aussprache zwischen Patrick und Kathi findet ein Gesprch zwischen Fredericks und Reynolds statt. Der gibt sich zunchst betont freundlich und lsst Reynolds Platz nehmen. Dann serviert er ein Glas Wein. Seine Haushlterin habe heute ihren freien Tag. Reynolds konfrontiert den Doktor schonungslos mit einer Reihe von Vorwrfen. Er spricht ihn auf die merkwrdigen Bcher an, die ihm schon bei seinem letzten Besuch aufgefallen waren. Provokant erklrt Reynolds, wenn sein Gegenber Zeitung gelesen habe, dann wisse er ja, dass das Spiel mit dem Teufel selten gut ausgehe, denn die verstorbenen Jugendlichen hatten ja auch Verbindungen zu der Gruppierung rund um Charles. Dann spricht er ihn auf die vertuschte Verbrecher-Vergangenheit seiner Familie in der Nazi-Zeit an, als sich Dr. Alexander Fredericks, sein Vater, mit unlauteren Gutachten, die unschuldige Kinder in einen gewissenlosen Euthanasie-Tod trieb, bei den Nazis hochdiente. Vorwurf Nummer drei: Gemeinsam mit seinem Vater, Dr. Alexander Fredericks, habe er 1971 den reuigen Dr. Moewig kaltbltig aus dem Weg gerumt, als dieser mit seiner Nazi-Vergangenheit aufrumen wollte und damit den Ruf der Familie Fredericks gefhrdete. Lchelnd streitet Fredericks nichts von allem ab nachdem Reynolds eingewilligt hat, die Ausfhrungen als vertrauliches Beichtgesprch zu behandeln, fr das man ja in unserer Zeit nicht die altmodische Einrichtung eines Beichtstuhls mehr bentige. Reynolds durchschaut sofort, dass sein Gegenber sich durch diesen Schachzug nur gegen polizeiliche Nachforschungen schtzen will, bei denen Reynolds nicht mehr als Zeuge dienen knnte, doch er gibt ihm auch zu vestehen, dass Fredericks ihn missverstehe, wenn er glaube, dass er als Detektiv und nicht als Seelsorger hier sei. Auf das auffllige Todesdatum des Pastors Williamson angesprochen erklrt Fredericks, er wisse zwar, worauf Reynolds hinauswolle, aber er sei auf dem Holzweg: Man knne eine Exhumierung veranlassen und werde nichts finden. Der Pfarrer sei tatschlich eines natrlichen Todes gestorben. Gott selbst scheint Ironie des Schicksals im Gegensatz zu vielen Menschen kein Interesse daran gehabt zu haben, dass diese schlafenden Hunde geweckt wrden. Das eigentlich Erschtternde an dem ganzen Fall, schliet Reynolds, sei, dass ihm, Fredericks, durch seinen eigenen Sohn der Ausweg aus der ganzen Misere eigentlich sperrangelweit offen stehe: der Weg von Bue und Vergebung. Nicht das Theater, das er ihm jetzt vorspiele, sondern eine echte Bue, eine Abkehr von dem Bsen, das sich in seinem und seines Vaters Leben breit gemacht habe. So aber bedrfe es keiner Polizei und keines Richters um Fredericks zu richten. Das Verbrechen berge ja den Keim der Zerstrung und Zersetzung des Lebens in sich und Fredericks habe sich durch seinen glaubenslosen Lebensentwurf selbst auf ewig von Seelenfrieden und gttlichem Segen abgeschottet, die die Grundvoraussetzung fr ein gelingendes Leben seien. Das habe gewiss auch sein Vorgnger ihm vorschlagen wollen. Jesus, so Reynolds, stt nie jemanden hinaus, der zu ihm kommt, auch nicht, wenn seine Hnde von Blut triefen. Denn nur so knne der Teufelskreis des Bsen durchbrochen werden. Fredericks und sein Vater aber htten sich selbst hinausgestoen ins Verderben. Und so habe das Bse immer wieder Bses gezeugt bis hin zum bitteren Ende. Kathi und Patrick kommen schlielich besorgt in Mistwater an, stellen aber erleichtert fest, dass es Reynolds gut geht. Dann suchen sie Ottiwell auf, der weinen muss, weil die Mtter der beiden Getteten mit Bildern in der Zeitung gestanden htten. Kathi und Patrick gehen am Dorfrand spazieren und berdenken ihre Beziehung. Patrick ist entschlossen den mit Gott neu begonnenen Lebensweg konsequent fortzusetzen und mindestens ein Jahr im Caf Jerusalem zu bleiben. Er kann sich selbst im Hinblick auf die Beziehung, die sie bisher miteinander hatten, den Vorwurf nicht ersparen, dass vieles von seiner Seite her egoistisch und unaufrichtig gewesen sei. Er empfinde es heute beispielsweise als verlogen, dass er mit ihr zusammengelebt habe, aber nicht einen Gedanken daran gehabt htte sie zu heiraten. Er sei ihre Beziehung berstrzt und ohne den ntigen Ernst eingegangen und er schulde ihr mehr als das. Irgendwann werde Jesus aus ihm, so hoffe er, einen Menschen gemacht haben, der es verdiene, von ihr geliebt zu werden, und dann werde er sich freuen ihr ganz neu begegnen zu drfen. Kathi bekommt eine Ahnung von dem, was es heit durch den Glauben zu einem anderen Menschen zu werden. Sie muss weinen. Mit einer Umarmung nehmen sie Abschied voneinander. Als Kathi im Flugzeug nach Hamburg sitzt, hat sie zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefhl etwas zu verstehen von dem, was Patrick meinte, als er sprach von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes... Mistwater Kapitel 10 Das Caf lag vllig unscheinbar in einer Strae, die vom Bahnhof aus bequem zu Fu erreicht werden konnte. Es wirkte, klein und eingeschossig, wie eingezwngt zwischen den greren und neueren Husern links und rechts. Die weie Farbe der Fassade war stellenweise abgeblttert, das Haus konnte den Zahn der Zeit, der an ihm nagte, nicht verleugnen. Durch ein groes Fenster konnte man einen brtigen jungen Mann in einem blauen Pullover sehen, der an seinem Tisch eine Zigarette rauchte und gleichgltig aus dem Fenster sah. ber der Tr links davon prangte in Metallbuchstaben und Schreibschrift Caf Jerusalem. Kathi war am Ziel und ihr Herz schlug schneller. Sie blieb vor der Tr stehen und schien unschlssig. Dann gab sie sich einen Ruck und trat ein. Im Hintergrund des langen Saales, der in freundliche, helle Farben getaucht war und wesentlich neuer wirkte als die Fassade, sah sie die Theke, hinter der eine Frau in einem langen, fleckigen Kittel Glser splte. Rechts standen sechs Tischgruppen, nur vereinzelt saen an ihnen Gste. Auffllig war, dass es weit und breit keinen Alkohol gab. Tee, Kaffee und Limonaden prgten das Bild. Aus einem unsichtbaren Lautsprecher erklang in unaufdringlicher Lautstrke ein franzsisches Lied: Tu mas donn le courage, sang eine Frau mit leichtem Soul-Einschlag. Kathi wusste nicht, ob sie enttuscht oder erleichtert war, dass sie Patrick nicht sogleich erblickt hatte. Vielleicht war er nicht da. Vielleicht war es besser so. Als sie sich weiter vortastete und dabei umsah, blieb ihr Blick an einer Gemldekopie hngen, die ber den Tischen rechts hing. Ein alter, kahlkpfiger Mann stand, die Hnde auf dem Rcken gefaltet, in seinem unwirtlichen Verlies und sah wie in Meditation versunken nach drauen. Die Helligkeit des Tages, die durch die am linken Bildrand nur angedeutete ffnung in den Raum fiel, tauchte seinen Leib in strahlendes Licht. Hinter ihm und um ihn herum im Schatten, geduckt, verunsichert, wie von einem unsichtbaren Dompteur im Zaume gehalten und von dem Mann keines Blickes gewrdigt, schlichen vier Lwinnen. Es war Daniel, Daniel in der Lwengrube. Ruhe strahlte er aus und Frieden. Warum konnte sie nicht das, was kommen wrde, mit der gleichen inneren Haltung erwarten wie jener Mann? Warum nahm man sein eigenes Leben eigentlich immer so wichtig? War es nicht nur eine Geschichte von vielen und war sie nicht auch dann unterhaltsam, wenn sie schlecht ausging? Warum konnte man sich nicht einfach neben seine eigene Geschichte stellen, sich in aller Ruhe anschauen, wie es ausging, und sich von den spannenden Stellen, so gut es eben ging, unterhalten lassen? War man wirklich so wichtig, dass man jetzt mit weichen Knien und einem beengenden Gefhl im Brustkorb hier stehen und angstvoll abwarten musste, was geschehen wrde, was geschehen musste? Denn eines war sicher: Das Drehbuch zu dem Film, der hier ablief, war doch lngst geschrieben. Und sie war die Letzte, die daran noch etwas drehen konnte. Mich beeindruckt es auch immer wieder, vernahm sie pltzlich neben sich eine Stimme. Gleichzeitig sprte sie eine Berhrung an ihrer Schulter. Sie erkannte seine Stimme sofort. Auf einmal stand er neben ihr. Er war von links gekommen, vielleicht von der Toilette. Jetzt stand er neben ihr und beide standen vor Daniel in der Lwengrube. Sie liebte ihn. Er lchelte verlegen, sprachlos. Seine weien Zhne, die dunkelblonden Locken, die weit in die Stirn hineinhingen, die hellblauen Augen alles war sofort wieder da, ganz und gar er. Sie liebte ihn. Sie brauchte nur dem Impuls zu folgen, der ber jede Zelle in ihrem Krper die Kontrolle bernommen hatte, und umarmte ihn. Aber Kathi merkte sofort, dass jetzt nicht der groe Vershnungstag mit Alles-wieder-gut-Effekt gekommen war. Das ganze Problem lag tiefer, lie sich nicht mit einer Umarmung aus der Welt schaffen. Patrick war reserviert, fast khl. Er hielt sie nicht in den Armen wie sonst und er war ngstlich darum bemht es nicht zum Kuss kommen zu lassen. Seine Reaktion verletzte sie und eine Mischung aus Wut und Enttuschung machte sich in ihr breit. Es war Zeit ihn endlich zur Rede zu stellen. Sie setzten sich an den nchstgelegenen Tisch. Mchtest du was trinken? Er fragte wie beim ersten Rendezvous. Eigentlich bruchte ich jan doppelten Bacardi, aber so was werden die in dem Laden hier wohl nicht haben, oder?, spottete sie. Cola? Wie du meinst. Du bist wtend auf mich. Wie konntest du so was machen? Wie konntest du? Dieser Anruf, das war, das war ne bodenlose Sauerei! Um Kathis Fassung war es geschehen. Ihr letzter Satz ging in einem Schluchzen unter, das sie schon lnger, vielleicht seit Tagen, in sich gesprt hatte und das jetzt wie ein Sturzbach alle Dmme durchbrach. So behandelt man vielleicht irgendne hergelaufene Tussi, die einem scheiegal ist, aber... Er nahm ihre Hand. Es tat so gut seine Nhe zu spren. Es tut mir Leid, Kathi, ich wollte dich nicht verletzen. Es ist einfach so viel auf mich eingestrzt die letzten Tage... Ja, und ich war der letzte Mensch auf dieser Welt, mit dem du drber sprechen wolltest. Vielen Dank! Es war... Vertrauen ist doch das Wichtigste in einer Beziehung, Paddi! Das sind doch deine Worte! Allmhlich hatte sie sich wieder in der Gewalt. Sie schnuzte sich und wischte sich die Trnen aus dem Gesicht. Es war... Was war es? Mord? Patrick wurde blass. Wie bitte? Was...? Hast du sie umgebracht? Wovon redest du? Seine Fassungslosigkeit machte ihr Spa. Ja, was glaubst du, was ich die letzten drei Tage gemacht habe, Dumchen gedreht? Ich kenn die ganze Geschichte. Ich kenne Charles, deinen Vater und Grovater, Frau Bayer und Frau Moewig, natrlich auch Mr. Reynolds, den Nachfolger deines Freundes Williamson, und ich kenne auch den kleinen Ottiwell und die beiden Taugenichtse, die bei diesem mysterisen Feuer ums Leben gekommen sind. Hast du das Baumhaus abgefackelt? Ich? Sie drckte seine Hand fester. Und bist dann abgehauen? Du kannst mir alles sagen, Paddi, ich renn bestimmt nicht zur Polizei und zeig dich an. Vertrau mir doch bitte! Ihre Stimme nahm einen drngenden Ton an. Patrick sah aus, als wrde er soeben Zeuge eines furchtbaren Unglcks. Du glaubst, das Baumhaus hat jemand angezndet? Ich wei nicht, es ist doch ein merkwrdiger Zufall, dass... Du hast Recht, unterbrach er sie. Dann schwieg er. Also? Patrick sah sich hilfesuchend um. Schlielich sagte er: Weit du was? Ich brauch bisschen frische Luft. Lass uns doch ne Runde spazieren gehen und dann erklr ich dir alles. Nehmen Sie Platz. Dr. Fredericks bot dem jungen Vikar einen Platz in seinem gerumigen und auerordentlich stilvoll eingerichteten Wohnzimmer an. Meine Haushaltshilfe hat leider heute frei. Osterfeiertag, Sie verstehen schon. Darf ich Ihnen einen Wein anbieten? Aber selbstverstndlich, gern. Als endlich auch Dr. Fredericks mit einem Glas Wein vor sich Platz genommen hatte, setzte er eine berbetont sorgenvolle Miene auf und sagte: Ja, Herr Vikar, ich wei gar nicht, wo ich anfangen soll. Beginnen Sie einfach beim Anfang, versuchte sich Reynolds in einem Scherz. Vielleicht ist es einfacher, wenn Sie beginnen. Ich hatte heute im Gottesdienst die ganze Zeit ber so ein Gefhl, als wollten Sie mir gern etwas ganz Bestimmtes mitteilen und als fehle ihnen nur die Intimitt privater Gemcher um, sagen wir, klarere Worte zu finden als die von Ihnen bemhten schwlstigen Begriffsantiquitten aus der Bibel. Der Vikar seufzte und setzte eine berbetont sorgenvolle Miene auf. In der Tat, Dr. Fredericks, ich habe Sorgen, bekannte er schlielich. Ach. Als htte ichs nicht geahnt! Und Sie sind der Grund dafr. Sie meinen doch nicht meine kleine sagen wir Entgleisung nach Ihrem alles in allem wirklich eindrucksvollen Gottesdienst heute? Wenns nur das wre, wr ich ja froh, Dr. Fredericks. Ihre ganze Lage macht mir Sorge: Ihr Sohn, der spurlos verschwunden ist, Ihr Neffe Charles, von dem mir besorgniserregende Dinge berichtet werden. Der ist so ein bisschen in den Rechtsextremismus abgerutscht. War Ihnen das bekannt? Ach, wer erzhlt denn so was? Unvermittelt erhob sich Reynolds und stellte sich unter den fragenden Blicken seines Gastgebers vor eines der Bcherborde. Er fand rasch, wonach er suchte, nahm das Buch heraus und sagte, whrend er auf seinen Platz zurckschritt und dabei in dem Buch bltterte: Sie selbst machen mir auch Sorgen, Dr. Fredericks. Dieses Buch hier zum Beispiel, das ist mir schon bei meinem letzten Besuch aufgefallen. Sie haben keine Vorstellung davon, wie gefhrlich so was ist. Dr. Fredericks lchelte. Sie belieben zu scherzen. Reynolds wurde ernst: So lustig ist das nicht, Dr. Fredericks. Ich glaube, dass es hier in Mistwater eine rechtsradikale Gruppierung gibt, die ihre Glaubensstze wohl unter dem Eindruck akademischer Phrasendrescherei noch um ein paar satanistische Verhaltensregeln aus dem Buch von Crowley angereichert hat, und es erscheint mir ganz und gar nicht abwegig, dass das hier Reynolds lie seine Hand durch den Raum kreisen die Brutsttte all dieser kruden Lehren ist. Denn Charles so viel Offenheit sei mir gestattet macht auf mich beim besten Willen nicht den Eindruck, als wrde er sich solche Dinge selbst anlesen. Herausgekommen ist dabei am Ende ein merkwrdiger Mix aus verstaubter Nazi-Ideologie und den Lehren des Urvaters der Satanismus-Bewegung. Dass aber auch nicht frher jemand darauf gekommen ist, die beiden Sachen zusammenzubringen! Die passen ja schlielich zusammen wie Pat und Patachon. Crowley sagt: Tue, was du willst! und Hitler exerziert durch, wie das praktisch aussieht. Es gibt nicht wenige, die glauben, dass Hitler besessen war, wissen Sie das? Besessen nicht etwa von Machtgier oder Hass oder Wahnsinn, das gabs lediglich, sozusagen als Nebenprodukt, noch gratis dazu, sondern besessen ganz praktisch und real: vom Teufel, von Dmonen. Wo wollen Sie mit mir hin, Mr. Reynolds, ins Mittelalter? Ach! Da sind wir doch lngst angekommen, Dr. Fredericks! Oder sind die Hexensabbate, bei denen man Charles als Anfhrer ausgemacht hat, vielleicht Aufklrung? Die Verklrung Hitlers zu einem Ritter ohne Furcht und Tadel, nennen Sie das modernes Denken? Wo ich mit Ihnen hin will? Ich kann es Ihnen sagen, Dr. Fredericks: in die Zeit, da die Ihren sich noch Friedrichs nannten, in die Zeit, da ein gewisser Dr. Alexander Friedrichs eine hchst zweifelhafte Karriere begann. Na, lieber Mr. Reynolds, bei Ihnen geht ja so einiges durcheinander. Hexen, Hitler... Haben Sie noch was mit H? Vielleicht Haschmich? Sicher kommen Sie mir gleich wieder mit dieser Frau Bayer, mit der Sie mich schon beim letzten Mal in Atem gehalten haben. Dass Theologen von Berufs wegen mit einem berma an kreativer Fantasie ausgestattet sein mssen, die einem hilft widersprchliche Aussagen zusammenzubringen, war mir zwar immer schon klar, aber Ihr heutiger Anschauungsunterricht berbietet wirklich jede Theorie! Zum Glck gab es bei den Nachforschungen zu Ihrer Familiengeschichte nicht so viel Widersprchliches zusammenzubringen. Es fgte sich alles wunderbar in eins! Und jetzt hat die Vergangenheit Sie offensichtlich eingeholt. Du hast Recht, sagte Patrick. Das Baumhaus wurde angezndet. Sie befanden sich, einen Steinwurf vom Caf entfernt, auf dem Gelnde der St.-Matthew-Church. Hinter dem backsteinroten Gemuer lag eine kleine Parkanlage, durch die ein Gehweg fhrte. Aber nicht von mir. Von wem dann? Von Ottiwell. Wie bitte? Und es war auch kein Unfall. Ottiwell ist nicht der Prgelknabe vom Dienst, der kleine Idiot, mit dem man machen kann, was man will. Das wirst du ja auch gemerkt haben, wenn du mit ihm gesprochen hast. Er ist nicht der Typ Junge, der sich prgeln und demtigen und am Gngelband fhren lsst. Er hat seinen Stolz und er ist clever, furchtbar clever. Und das haben die beiden Typen zu spren bekommen. Sie htten die Finger von Balthasar lassen sollen. Balthasar war Ottiwells Teddy. Ich wei. Aber eigentlich war Balthasar mehr so etwas wie ein Haustier. Dinge knnen einem ans Herz wachsen, weit du... Balthasar vor seinen Augen zu zerfleddern, das war seelische Grausamkeit ohne Not, ohne Sinn und Verstand. Ottiwell schlich in sein Baumhaus zurck, hat geweint aber mehr vor Wut als vor Trauer und als er sich beruhigt hatte, wurde aus seinem heien Zorn kalter Hass. Kalter Hass ist gefhrlich. Denn wenn du dich innerlich beruhigt, aber immer noch diese Hassgefhle in dir hast, dann gesellt sich zu ihnen die nchterne berlegung und der klare Verstand. Ottiwell hat beschlossen, dass die beiden aus seinem Leben verschwinden werden, ein fr allemal. Und er hat gegrbelt, wie das ginge. Seine Mutter war ihm keine Hilfe. Polizei? Was hatten die beiden denn schon gemacht auer Sachbeschdigung? Konnte die Polizei verstehen, dass Balthasar mehr war als eine Sache? Auerdem wenn er Ernie und Phil rger machte, musste er das beim nchsten Mal doppelt ausbaden. Dass man das Bse bekmpfen, ausrotten muss, das war ihm schon immer klar. Und in seinen Batman-Comics ging das auch immer kurz und schmerzlos ber die Bhne. Und wenn Batmans berlegene Intelligenz ihn ber seine Widersacher triumphieren lie, so wusste Ottiwell, dass ihm dasselbe auch mglich war. Er brauchte nur in Ruhe zu berlegen. Und das hat er gemacht bis ihm ihm eine Idee kam, die ebenso grausam wie effektiv war: Er musste die Jungs in sein Baumhaus locken, von dem nur er wusste, er musste dafr sorgen, dass sie beide allein darin waren und er musste dafr sorgen, dass sie darin starben ohne dass es aussah wie Mord. Er hat also das Baumhaus mit Benzin getrnkt, mit Benzin, das er extra ber die Lieferantenzufahrt von der nchsten Autobahntankstelle besorgt hatte, damit es aussah, als wrde irgendeiner von Millionen Autofahrern seinen Sohn den Reservekanister fllen lassen. Dann hat er die Beute angelockt: Er hat den beiden, als sie ihn das nchste Mal bedrngten, erzhlt, dass er in seinem Baumhaus Geld versteckt htte, und wohl auch wirklich etwas darin versteckt die beiden habens gierig geschluckt , ist vorgegangen, hat, als beide drin waren, das Baumhaus durch die Oberluke verlassen und, ehe die beiden rafften, was los war, die Htte oben und unten verriegelt. Ein Streichholz fiel durch eine Ritze und pfoff! die Htte stand in Flammen. Das ist ja furchtbar. Es geht noch weiter: Zu Hause vergngte sich seine Mutter gerade mit ihrem neuen Lover und hatte Ottiwell Stubenarrest erteilt. Whrend die dachte, er habe sich beleidigt eingeschlossen, hat er seinen CD-Player auf Repeat all laufen lassen, das Zimmer von auen abgeschlossen und sich rausgeschlichen. Dann ist er so nach Hause gekommen, dass ihn niemand gesehen oder erkannt hat, wieder in sein Zimmer gegangen und dann brauchte er nur noch einmal von innen abzuschlieen und hatte zu allem auch noch ein Alibi. Mal ganz davon abgesehen, dass ja sowieso alle glaubten, dass die beiden geraucht htten und dabei eingeschlafen seien. Auf Ottiwell fiel nicht der geringste Verdacht. Das glaub ich einfach nicht. Aber es ist nun mal eine Sache so was sauber und gewissenhaft durchzufhren... Du meinst wohl, sauber und gewissenlos!, protestierte Kathi. Also gut, so etwas sauber und gewissenlos durchzufhren und danach ruhig schlafen zu knnen. Ich glaube, er hat sich keinerlei Gedanken ber die Konsequenzen gemacht. Als ich mit ihm sprach, war er total aufgelst. Dass man im Regional-Fernsehen die Bilder der verzweifelten Mtter sieht und nachts von feurigen Alptrumen geplagt wird, das kam in seinem Batman-Universum nicht vor. Da werden die Bsen platt gemacht und die Welt ist besser. Das hat er dir alles erzhlt? Ich bin fr ihn Vater und groer Bruder gleichzeitig. Als ich ihn kennen lernte, war er ein Huflein Elend: Seine Mutter hatte nie Zeit, die musste sich um ihren neuen Job kmmern und zusehen, dass abends was auf den Tisch kam, und sein Vater lie sich am Telefon immer verleugnen. Ich hab ihn mit dem Fahrrad angefahren, als ich im Winter hier war. Es war glatt und ich bin weggerutscht, genau in ihn rein, der am Brgersteig stand. Dann hab ich mich um ihn gekmmert und irgendwie sind wir ins Gesprch gekommen ber Vter. Er hatte so seine liebe Not mit seinem und ich na, du hast meinen Daddy ja kennen gelernt, nicht? Kathi nickte. Seitdem ich wei auch nicht. Ich fhlte mich fr ihn verantwortlich. Ich wusste als einziger auch von dem Baumhaus, von Balthasar, Batman und den anderen, die fr Ottiwell wichtig waren. Deswegen war mir auch gleich klar, dass er mit diesem Unfall zu tun haben musste. Aber muss man denn nicht der Polizei...? ... alles sagen? Ich hab mich das natrlich auch gefragt, aber machen wir uns nichts vor, Kathi: Wen macht das froher? Ich wei nicht, aber... Es ist natrlich Snde, schwere Schuld, die er auf sich geladen hat und das ist es, finde ich, wo was geschehen muss. Der Hass muss weg. Aber ich glaube, seit er die weinenden Mtter auf dem Bildschirm gesehen hat, ist er das schon. Trotzdem. Man kann das doch nicht auf sich beruhen lassen. Und dann auch die Geschichte mit deinem Vater. Das ist es doch, wovor du eigentlich davongelaufen bist, oder? Ich staune ber dich, Kathi, du bist groartig. Wie hast du in so kurzer Zeit herausgefunden, wofr ich Monate, ach was, Jahre brauchte? Naja, ich brauchte ja nur deinen Spuren zu folgen. Du hast ja die ganze Vorarbeit geleistet. Mit Bayer, Moewig und so weiter, ja. Das ist wirklich eine heie Geschichte, absolut filmreif. Im Grunde liegt der Grund fr alles schon in meiner frhesten Jugend. Deutschland was ja eindeutig die Wurzel meiner Familie, zumindest vterlicherseits, ist, wurde tot geschwiegen. Wann immer ich eine Frage zu Deutschland hatte, zu unserer Familiengeschichte, zu den Vorfahren nichts. Ein rotes Tuch. Das hat mich natrlich erst recht neugierig gemacht. Irgendwann fand ich dann diese Karte in Omas altem Nachttisch. Kinder sind eben neugierig. Opa schickte Oma eine heitere Ansichtskarte aus Hamburg, datiert vom November 1971. Mir gefiel die Stadt, ich hngte sie mir ins Zimmer und es gab prompt rger mit Dad. Ich solle doch mehr Respekt vor Opas Habseligkeiten haben und so weiter. Hatte ich natrlich berhaupt kein Verstndnis fr. Eine totale berreaktion. Und wie das bei Kindern so ist jetzt war Hamburg fr mich erst recht interessant. Viele Jahre spter stie ich in einem alten Taschenkalender von 1971, aus Opas Rollschrank, auf einen Eintrag ber Moewig. Moewig wieder aufgetaucht, stand da oder so hnlich und noch einiges mehr, was ich irgendwie geheimnisvoll fand. Dad danach zu fragen, traute ich mich zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr. Und besonders wichtig war das ja auch nicht. Nichts Weltbewegendes. Meine Fantasie, die Fantasie eines Vierzehnjhrigen, der langsam anfngt mehr von der Welt zu begreifen, war zwar angeregt, aber ich sah noch gar nicht die Verbindung zu der Hamburg-Postkarte. Und ich hab diese Sache nachher auch fast wieder vergessen. Oder wollen Sie mir weismachen, Ihr Vater wre auf Distanz zu seiner Nazi-Vergangenheit gegangen und htte in irgendeiner Form Reue gezeigt, Bue getan? Keine Spur. Statt dessen hat er den ganzen Nazi-Abfall weiter mit sich rumgeschleppt und auch noch an Sie vererbt. Und Sie fanden, nachdem sich Ihr eigener Sohn als untauglich erwiesen hatten, einen weiteren treuen Erben in Ihrem Neffen Charles, den Sie wahrscheinlich rcksichtslos manipuliert haben. Ist es nicht so, dass Charles nach der Scheidung Ihres Schwagers von Ihrer Schwgerin fr Sie so eine Art Ziehsohn geworden ist, der aufblickte zu dem gebildeten Mediziner und willig nachplapperte, was Sie ihm eintrichterten? Dr. Fredericks schenkte sich Wein nach. Lieber Mr. Reynolds, ich bin Ihnen wohl kaum Rechenschaft ber meine Familienangelegenheiten schuldig. Nur so viel: Mein Schwager war ein totaler Versager und wenn aus dem Jungen noch was Anstndiges wird, ist es sicher nicht sein Verdienst oder das meiner Schwgerin. Und Ihr Vater? Mortuis nil nisi bene, Mr. Reynolds. Oder kommt der Satz in Ihrem Kirchenlatein nicht vor? Womit Sie also zugeben, dass er im Hinblick auf seine zweifelhafte Karriere unter den Nazis keinerlei Reue empfand. Als wir dann den Zweiten Weltkrieg in der Schule durchnahmen, knirschte es zu Hause mchtig im Geblk. Einige Ansichten meines Vaters stieen bei mir zunehmend auf Unverstndnis. Hitler msse man ganz anders sehen, als er in den Geschichtsbchern dargestellt werde, und so. Ich wusste berhaupt nicht, was ich davon halten sollte. Nach der Schule schlielich die fixe Idee in Deutschland zu studieren. Alles kam mit aller Gewalt wieder hoch und es gab mchtig Stress. Aber ich bekam die Zulassung fr Hamburg. Und dann war es nur noch ein Katzensprung bis ins Seminar von Professor Herhaus zu Euthanasieprogrammen der Nazis. Auf einmal war ich wieder mittendrin in diesem Kapitel. Inzwischen gab es das Internet, eine Entwicklung, die niemand voraussehen konnte und die fr Leute mit finsterer Vergangenheit nicht gerade von Vorteil war, und jetzt gingen meine Recherchen erst richtig los. Alles, was ich wusste, war, dass Grovater in Hamburg ttig gewesen war, aber ich fand bald heraus, dass er Anfang der Dreiiger bereits eine leitende Funktion in den Alsterdorfer Anstalten innehatte und dort die Verfgungen zur Deportation von behinderten Kindern unterschrieb. Einige kamen nach sterreich in die Klinik Am Spiegelgrund, andere nach Hamburg-Rothenburgsort, aber das Schicksal, das sie erwartete, war das gleiche. Fr Behinderte war in der Nazi-Ideologie kein Platz. Der Zufall wollte es, dass ich die Bekanntschaft von Erna Bayer machte, die sich um einen Grabstein fr ihre Schwester Emmi bemhte und die aus diesem Grunde in einer hnlichen Recherchearbeit steckte wie ich. Was sie mir erzhlte, lie keinen Zweifel an der Schuld meines Grovaters. Dann fielen mir auf einmal Opas Taschenkalender und die Geschichte von 1971 wieder ein. Als ich Weihnachten zu Hause war, whlte ich noch einmal wie wild nach dem alten Ding und tatschlich Nostalgie sei Dank der Kalender war noch da, der Name Moewig auch. Mit Hilfe des Internets hatte ich bald die Besttigung fr meine Vermutung, dass Moewig als junger Assistenzarzt zur gleichen Zeit in den Alsterdorfer Anstalten ttig war wie mein Grovaters, ein Kollege also. Vermutlich weit du auch schon... Aber ein anderer hat Reue empfunden, nicht wahr? Und der kam Ihnen eines Tages mchtig ins Gehege. Dr. Fredericks sah berrascht auf. Er brachte nur ein schwaches: So? hervor. Ist Ihnen jemals der Name Moewig begegnet? Der Arzt gab sich alle Mhe unbeeindruckt zu wirken. Fahren Sie fort, ich bin schon sehr gespannt, was Sie sich als nchstes zusammenfabulieren. Ein gewisser Dr. Moewig wurde im November 1971 erhngt im Segeberger Forst, einem Waldstck nrdlich von Hamburg, aufgefunden. Alles sprach fr einen Selbstmord, aber Sie und ich wissen, dass Dr. Moewig in Wirklichkeit ganz anders zu Tode kam, nicht wahr? Kathi nickte. Nach dem, was du wusstest, kam dir Selbstmord natrlich nicht mehr sonderlich plausibel vor. Ich sprach dann auch mit der Witwe Moewig ber den Tod ihres Mannes, aber alles, was sie wusste oder erzhlen wollte, war, dass ihr Mann von einer geschftlichen Besprechung in Schleswig-Holstein nicht zurckgekehrt war. An die Selbstmord-Theorie wollte sie nie glauben, allerdings auch nichts davon wissen, dass ihr Mann in Euthanasie-Verbrechen verwickelt gewesen sein knnte. Ich versprach ihr sie spter wieder anzurufen, wenn ich die Gewissheit htte, dass ihr Mann nicht Selbstmord begangen hat. Und um das herauszufinden stellte ich Dad zur Rede. Denn fr mich war das Ma voll. Fr mich war klar, dass Opa in seinem Alter unfhig gewesen sein musste Moewig alleine umzubringen. Dad, damals Anfang zwanzig, musste ihm tatkrftig zur Seite gestanden habe. Es war furchtbar. Immer wieder malte ich mir aus, was fr eine Rolle er dabei gespielt hat: Ist er von hinten gekommen, whrend Opa diesen Moewig ablenkte, und hat ihn erwrgt? Oder haben sie ihn zusammen berfallen, aufgeknpft und in den Baum gehngt? Immer wieder hatte ich diese finstere Szene vor Augen, wie sie Moewig gemeinsam ermorden und dann kaltbltig ihre Spuren verwischen. Ich bekam Alptrume! Der Krach war vorprogrammiert. Dad wollte von der ganzen Geschichte nichts wissen. Meine Fantasie sei mit mir durchgegangen, meinte er. Ich musste die ganze Geschichte loswerden und ging zu Williamson, der mir versprach das alles vertraulich zu behandeln. Trotzdem gab es einen Zeugen, eine Gebetsnotiz, die Pastor Reynolds zufllig gefunden hat und die uns half der ganzen Geschichte auf die Spur zu kommen. Wie bitte? Sonst wren wir ja der ganzen Sache gar nicht auf die Spur gekommen, erklrte Kathi. Sie blhte richtig auf, als sie merke, dass sie mehr wusste als Patrick. Und besonders interessant daran ist, dass diese Notiz einen Hinweis darauf enthlt, dass Williamson anschlieend noch ein Gesprch mit deinem Vater hatte. Wie bitte? Ich hatte keine Ahnung... Wo ist der Vikar jetzt? Kann man ihn erreichen? Ich glaube, er wollte sich heute Nachmittag... mit deinem Vater treffen. Was? Aber dann wre es ja mglich, dass er... dass sein Tod... Kathi, wir mssen sofort nach Mistwater! Patrick beschleunigte seinen Schritt, so dass sie kaum folgen konnte, und eilte auf den Ausgang des kleinen Parks zu. Wie denn?, rief sie ihm nach. Das Caf hat einen eigenen Transporter. Den mssen wir mal schnell ausleihen dringender Notfall! Dr. Fredericks hob die Beaujolais-Flasche hoch und winkte dem Vikar damit zu. Nehmen Sie doch noch einen Schluck Wein, Herr Vikar, das beruhigt die Nerven. Hab noch, danke. Aber Sie haben ja kaum was getrunken, stellte der Doktor mit einem prfenden Blick auf das Glas des Vikars fest. Also Ihr Herr Jesus hat dem Wein aber mehr zugesprochen! Es gibt da noch eine Sache, die mir keine Ruhe lsst, kam Reynolds zum Thema zurck. Am 15. Mrz hatten Sie eine private Unterredung mit Pfarrer Williamson. Wenige Stunden spter ist der gute Mann tot... Gott hab ihn selig. Geben Sie zu, dass Sie mit meinem Vorgnger ein solches Gesprch hatten? Aber warum sollte ich denn so eine Banalitt leugnen? Wei sonst noch jemand von diesem Gesprch? Es handelte sich um eine private und vertrauliche Unterredung. Wer sollte also davon erfahren haben? Zumal niemand danach gefragt hat. Wollen Sie nicht wissen, woher ich davon wei? Ist mir ganz egal. Vielleicht hat seine Sekretrin, diese Miss... Eliot. Danke. Ja, vielleicht von der. Aber ich sehe nicht, worauf Sie hinaus wollen. Der Doktor hatte seine volle Souvernitt wiedererlangt und wirkte zu Reynolds berraschung fast vergngt. Er nahm sein Weinglas in die Hand und schien dem Vikar zuprosten zu wollen. Der lehnte mit einer Handbewegung ab. Ich habe das dumpfe Gefhl, dass ich mich bei Ihrem Wein nicht so ganz wohl fhle. Vielleicht liegt es daran, dass ich die ganze Zeit meinen Vorgnger vor mir sehe, wie er ebenfalls mit Ihnen an einem Tisch sitzt und sich von Ihnen ein paar Glser vom eigens mitgebrachten Wein einschenken und sich arglos zum Wohl zuprosten lsst. Und dann sehe ich, wie ihm nach den vielen Zum Wohls auf einmal furchtbar unwohl wird und wie er tot umfllt. Und ich sage mir: Fr einen so versierten Mediziner wie Dr. Reynolds, Arzt in der dritten Generation, wre es doch ein Kinderspiel so einen alten, unbequemen Mann mit Hilfe eines schwer nachweisbaren Mittels etwas verfrht in die Ewigkeit zu befrdern. Patrick sa am Steuer des alten Ford-Transit, der zum Caf gehrte, und neben ihm sa Kathi. Zuvor hatten sie noch Ollie, den Caf-Hausmeister, aus dem Schlaf klingeln mssen, der die Schlssel fr den Wagen wieder mal nicht ordnungsgem am Tresen hinterlegt hatte. Es fllt mir einfach schwer zu glauben, dass du all dein kritisches Denken von heute auf morgen ber Bord wirfst und so ein entschuldige komischer Heiliger geworden sein sollst. Ich hab zu tief in die Fratze des Bsen geschaut, Kathi, ich hab zu nah am Abgrund gestanden und was ich da unten in der Tiefe gesehen hab, das hat mich so erschreckt! Hast du schon mal so lange in den Spiegel geschaut, dass dir das, was du gesehen hast, irgendwann fremd wurde? Und du hast dich gefragt: Wer ist das? Bin ich das? Manchmal wird einem dabei richtig unheimlich. So gings mir, als ich mich mit diesem Fall beschftigt habe und mit Ottiwells Fall. Ich konnte sie pltzlich verstehen. Ich wrde es vielleicht trotzdem anders machen, aber, verstehst du, mir wurde klar, warum sie das gekonnt haben. Ich konnte mich in ihre Lage versetzen und es wurde mir auf einmal so normal, wie sie gehandelt haben. Das hat mich so erschreckt! Wenn du in solche Abgrnde schaust, die die Abgrnde deiner eigenen Seele sind, kannst du nicht weitermachen wie bisher. Viele Leute behaupten, sie knnen nicht glauben. Ich glaube, das ist Quatsch. Ich glaube, das gibt es berhaupt nicht. Weil das Glaubenknnen per se zum Menschsein dazugehrt. Das wohnt uns allen inne und zwar als Gabe des Schpfers an sein Geschpf. Glauben heit ja nichts anderes als in einer bestimmten Situation, sozusagen auf Verdacht und ohne letzte Gewissheit zu haben, davon auszugehen, dass eine bestimmte Sache wahr ist oder eintreten wird. Glaube erfordert also eine Entscheidung. Aus dem Grunde bin ich berzeugt, dass Glauben und Glaubenwollen ein und dasselbe sind. In der Bibel gibt es einen Mann, der genau das gleiche Problem hat wie du und wie ich es bis vor kurzem auch hatte. Er kann nicht glauben. Aber er will seinem Sohn helfen, der anscheinend von epileptischen Anfllen geplagt wird. Er hat gehrt, dass Jesus Kranke heilen kann. Also will er es ausprobieren. Was kanns schaden? Dann trifft er Jesus, fleht ihn an seinem Sohn zu helfen und bekennt: Ich glaube; hilf meinem Unglauben. Es ist vllig klar, dass ich glaube hier das gleiche bedeutet wie: Ich will glauben. Denn sonst wrde es ja keinen Sinn machen, dass der Mann gleichzeitig darum bittet seinem Unglauben abzuhelfen. Und damit ist klar: Die Bibel setzt Glauben und Glaubenwollen gleich. Wir lernen zwei Dinge: Erstens, Glaube wird uns von Gott geschenkt. Zweitens, aber wir mssen es wollen. Also: Ich will glauben. Bitte hilf mir. Das sind die beiden Voraussetzungen um dem Ich-kann-nicht-glauben-Dilemma zu entkommen. Man entscheidet, dass man das jetzt will. Glauben zu knnen ist dem Menschen genauso in die Wiege gelegt wie atmen knnen oder schlafen knnen. Warum nimmt die Mutter ihrem Sohn die windige Begrndung dafr ab, dass er viel zu spt nach Hause kommt? Wieso glaubt ein Richter dem Angeklagten seine abstruse Version des Tathergangs? Wieso glaubst du, dass alles gut wird, wenn du mich nur hier in England wiederfindest? In all diesen Fllen gibt es nichts Nachprfbares, keine unwiderlegbaren Beweise, keine Sicherheit. Die Wahrheit liegt im Verborgenen. Die Mutter wei nicht, was wirklich vorgefallen ist, der Richter hat Indizien und ein unbestimmtes Gefhl, aber keine Beweise. Und du? Woran klammerst du dich? Es gibt also nichts, was in all diesen Fllen zwingt an einen bestimmten Sachverhalt zu glauben. Hchstens ein paar vage Gefhle. Nun also die Frage: Warum entscheiden sich Mutter und Richter und Kathi so und nicht anders? Aus gutem Willen? Aus Mitleid? Aus dem Bauch heraus? Aufgrund irgendeiner emotionalen Regung? Natrlich steckt immer irgendein Interesse, eine Betroffenheit, ein Wunsch, eine Angst dahinter. Aber letztlich spielt es gar keine Rolle, warum. Die Menschen entscheiden sich zu glauben, weil sie es knnen. Fertig, aus. Aber sie knnen irren. Glauben schliet die Mglichkeit des Irrtums per se mit ein. Das liegt in der Natur der Sache. Entscheidend ist aber nur, dass der Weg der Wahrheitsfindung durch Nachprfung versperrt, fr alle Zeit versperrt ist. Glauben heit also: Ich entscheide mich und das wars? So sehe ichs. Jedenfalls glaube ich nicht die Bohne an den Satz: Ich kann das nicht glauben. Ich habe gesehen, gehrt, miterlebt, was Menschen alles glauben knnen, Kathi! Es ist der Horror. Ich habe meinen Augen und Ohren nicht getraut, als mir Charles irgendwann seine Theorien ber Hitler und Auschwitz und was wei ich nicht alles vorgestellt hat: Auschwitz sei ein Schwindel, alles Fake, auf Zelluloid gebannte Inszenierungen der Amerikaner, wahrscheinlich der Juden unter den Amerikanern. Hitler sei vllig falsch, einseitig und verzerrt, dargestellt worden. brigens ist auch die ganze EU-Chose eine einzige Verschwrung, deren hinterhltige Drahtzieher skrupellose Zionisten in geheimer Undercover-Kooperation mit dem Weltjudentum sind. Alle fhrenden EU-Politiker verstndigen sich in einer geheimen Zeichensprache, die nur von wenigen Eingeweihten verstanden wird. Ach, das wusstest du nicht? Red mal mit meinem Cousin Charlie! Der kann dir zig irrwitzige Verschwrungstheorien erzhlen, eine abgefahrener als die andere und sie alle verbindet das eine: dass sie Ausdruck einer totalen ideologischen Verblendung und Verirrung sind. Aber der glaubt das! Es ist kaum zu glauben, aber der glaubt das! Und das ist lngst noch nicht alles! Ich habe Menschen kennen gelernt, die glauben, dass die Verbrechensquote in einer durchschnittlichen Stadt sofort gegen Null geht, wenn sich eine bestimmte Gruppe von Menschen am geometrischen Mittelpunkt der Stadt zur gemeinsamen ZEN-Meditation trifft. Menschen glauben, dass sie zu einem bestimmten Termin auf Teneriffa von einem UFO abgeholt werden und in die ewige Seligkeit reisen. Menschen glauben, dass Lemberg nie eine polnische und Breslau nie eine deutsche Stadt war Geschichte hin oder her! Die kann man doch ann Nagel hngen, wenn sie einem nicht passt! Menschen glauben, dass Stalin oder Mao oder Pol Pot tolle Typen waren, die der Menschheit nur Gutes gebracht haben. Ich finde, da habe ichs mit Jesus doch noch ganz gut getroffen! Menschen glauben, dass am 20.11.2011 die Erde untergeht und dass sie zu den wenigen Auserwhlten gehren, die das berleben werden. Menschen glauben, dass etwas Schlimmes passieren wird, weil ein Spiegel zerbrach oder eine Katze am Freitag, dem 13., vor ihnen ber die Strae lief oder ein Hochzeitskleid am Morgen vor der Trauung mit Schwarzkirschmarmelade bekleckert wird. Mit anderen Worten: Menschen glauben jeden Schei, vllig unabhngig davon, ob das plausibel oder rational einsehbar ist oder auch nur der geringste Erfahrungswert dafr spricht oder nicht. Weil sie es wollen! Aber was vielleicht der schlimmste Irrglaube von allem ist, liebe Kathi: Menschen glauben, dass Wissenschaft und technologischer Fortschritt irgendwann alle Probleme der Menschheit lsen werden und am Ende alles gut wird. Das Vertrauen in den menschlichen Verstand und das menschliche Urteilsvermgen ist grenzenlos, aber es ist vor allem grenzenlos naiv und grenzenlos atheistisch, weil man davon ausgeht, dass das das Nonplusultra ist, dass dahinter nichts kommt, darber nichts steht. Wir konstruieren und dekonstruieren und immer regiert die Vernunft, der menschliche Geist, das einzige Instrument, dessen wir uns zu all diesen Dingen bedienen knnen. Man geht also davon aus, Dinge auf dieser Welt nur erreichen, verbessern, ndern, schaffen, lsen zu knnen durch den eigenen Verstand und dass dieser Verstand nicht geschaffen wurde, sondern sich per Phylogenese gewissermaen von selbst entwickelt hat. Oder besser gesagt: Man glaubt es. Und warum glaubt man das? Weil so viel dafr spricht, weil es so plausibel ist, weil es fr die Brillianz des menschlichen Intellekts so klare Indizien wie Hiroshima, Tschernobyl und Klonschaf Dolly gibt? Und auf jedem Kontinent eine Handvoll Genozide? Nein, man glaubt es einzig und allein aus dem einen einzigen Grund: weil man es glauben will. Ich glaube! Hilf meinem Unglauben! Das ist der paradoxe Hilfeschrei des postmodernen Agnostikers, der sich an die menschliche Vernunft klammert, weil ihm sonst nichts geblieben ist! Aber Wissenschaft und die verdanken wir nun mal der menschlichen Vernunft ist nicht nur negativ!, protestierte Kathi. Du kannst nicht alles schlechtreden, was die Moderne fr uns errungen, manchmal auch mit harten Bandagen erstritten hat: medizinischen Fortschritt, Gleichberechtigung, Abschaffung der Sklaverei, soziale Gerechtigkeit... Den Kampf gegen soziales Unrecht hat Jesus schon ein paar Generationen vor den Freiheitskmpfern aufgenommen, an die du wahrscheinlich denkst. Um zu erkennen, was gut und was bse ist, brauche ich doch keine neuen, ausgeklgelten Ideologien, schon gar nicht, wenn sie mit so fatalen Systemfehlern auftreten wie bei Marx oder Robespierre. Nicht Fortschritt htte da die Parole sein sollen, sondern Rckbesinnung. Postlewaite hat gesagt: Die Autonomie des Menschen ist der grte Mythos der Aufklrung. Seit der Aufklrung befindet sich die Menschheit im freien Fall und irgendwann schlgt sie auf, es gibt einen gewaltigen Knall und aus ists! Wann das sein wird? Ich glaube natrlich ist das nur eine Annahme , wenn Wissenschaft und Technik so weit gediehen sind, dass sie Gott nicht nur wegrationalisiert haben, sondern auch all das zu leisten vermgen im schpferischen Bereich, was ursprnglich Gott vorbehalten war: die knstliche wir sagen knstlich und meinen damit unsere menschliche Kunst im Gegensatz zu dem immer noch unerreichten Knnen Gottes , also, die knstliche Erschaffung von Leben, von Intelligenz, von Materie (man denke an die Alchimisten!), verbunden mit der technologischen Herrschaft ber Raum und Zeit, ber Atome und Himmelskrper, ber Leben und Tod mit dem Endziel Unsterblichkeit zu erlangen. Denn das Grundproblem unserer Geschpflichkeit ist in Millionen Menschheitsjahren ungelst geblieben: der Tod. Man muss sich auch heute noch begngen mit der knstlichen Verlngerung des Lebens. Die Bandbreite reicht von einfachen Herzpillen bis hin zum legendren Klteschlaf. Nebenbei fngt man an zu verfgen, welches Leben lebens-, schtzens-, erhaltenswert ist und welches nicht. Und damit sind wir beim biblischen Baum der Erkenntnis. Was ist richtig, was ist falsch? Was ist gut, was bse? Fr mich ist es beklemmend zu sehen, dass wir an all dem irgendwie dran sind. Und wenn irgendein kritischer Punkt berschritten ist, dann wird er, der Ewige, sich in seiner Macht und Herrlichkeit offenbaren und ihnen zeigen, dass nichts, nicht ein Gramm, von dem, was sie erreicht haben, ber das Niveau von Stckwerk hinausreicht. Denn was ist der Turm zu Babel im Vergleich zum Himmelszelt? Und er wird wie damals einfordern, was wir als Geschpfe schuldig geblieben sind. Dann wird vielleicht das Ende gekommen sein. Glaubst du. Man knnte es auch so sagen: Alles reine Spekulation, eine Theorie von vielen. Herr Vikar, Sie machen einen Scherz. Dr. Fredericks sah ganz ernst aus. Dann brach er pltzlich in lautes Gelchter aus. Sie machen keinen Scherz! Was... entschuldigen Sie, aber was wollen Sie machen? Eine Exhumierung veranlassen? Reynolds zuckte nun seinerseits mit den Schultern. Dr. Fredericks kamen unterdessen vor lauter Heiterkeit fast die Trnen. Sie wrden nichts finden, lieber Herr Vikar! Gar nichts, glauben Sie mir. Und Sie knnen in aller Ruhe Ihren Wein austrinken. Ihre Fantasie ist mit Ihnen durchgegangen. Ich sags ja: Wenn man als Pfarrer all den Humbug glauben will, der da in Ihrem Buch der Bcher drin steht, da muss man schon Fantasie haben. Aber da wir uns ja hier in einem vertraulichen Gesprch befinden, in einem Beichtgesprch ohne Beichtstuhl sozusagen... Es ist doch so, nicht wahr? Sie geruhen mich an meine Schweigepflicht zu erinnern, sehe ich das richtig? Sie sagen sich: Wenn das hier ein Beichtgesprch ist, dann kann ich alles offen sagen. Er wird es nicht gegen mich verwenden drfen. Er wird sozusagen als Zeuge fr alle Ewigkeit mundtot gemacht sein. Ist das Ihre berlegung? Das Lcheln des Doktors gefror. Da er die Antwort schuldig blieb, fuhr Reynolds fort: Ich mchte eines klarstellen, Dr. Fredericks: Ich bin Vikar und kein Detektiv. Und ich bin hier in meiner Eigenschaft als Seelsorger und als nichts anderes. Ich hatte Ihnen ja eingangs schon gesagt, dass ich mir ernsthaft Sorgen mache um Ihre Seele. Es sind unheilvolle Mchte, mit denen Sie sich eingelassen haben. Ich bekomme gleich eine Gnsehaut. Also, da wir das geklrt haben und da Sie ja so immens seelsorgerlich um mich besorgt sind, will ich Ihnen reinen Wein einschenken. Sie erlauben doch die in diesem Fall etwas sagen wir prekre Formulierung. Ich erlaube. Legen wir einfach mal zugrunde, dass Ihr Gott existiert und Sie mit allem Recht haben, was Sie ber meine Familie zu glauben wissen! Legen wir das also ungeprft zugrunde, so bleibt eigentlich nur die Schlussfolgerung fr Sie ist das vermutlich Ironie des Schicksals , dass Ihr Gott selbst, im Gegensatz zu so vielen Menschen, nicht das geringste Interesse daran hat, dass all diese schlafenden Hunde geweckt werden. Also, tun wir einfach mal so, als ob: als ob dieser Moewig die Unschuld vom Lande gewesen wre und, wie Sie unterstellen, aus reiner Reue und nicht etwa aus weniger edlen Motiven heraus das von Ihnen projizierte Gesprch gesucht htte... Weniger edle Motive? Sie sind doch der Experte fr Todsnden, Herr Vikar! Nehmen wir mal Habgier, vielleicht gepaart mit Erpressung, vielleicht auch gepaart mit Rachsucht. Aber was tut das zur Sache? Wir fabulieren ja ohnehin nur ins Blaue hinein. Fabulieren wir also weiter: Ja, es gab dieses Gesprch mit Pfarrer Williamson. Ja, es war eine verdammt lstige Angelegenheit, ja es kommt zu einer, sagen wir mal, Auseinandersetzung zwischen uns. Ja, vielleicht gab es sogar Wein zu trinken, damit die Zungen nicht so schwer werden! Und dann will der arme Mann ratlos und schwer geprft abends ins Bett gehen und es trifft ihn der Schlag. Ihr Gott hchstpersnlich greift ein und lscht sein Leben aus! Er will wohl, dass der alte Mann seinen Frieden hat und die alte Geschichte ruht! Oder dass der alte Mann ruht und die Geschichte ihren Frieden hat? Wie auch immer, Ihr Gott nimmt ihm die Last ab, die er mit sich herumtrug. Und mir nimmt er gleich auch noch eine Last ab. So schn kann das Leben sein! Ich hab ja selbst meinen Ohren nicht getraut, als ich am nchsten Morgen davon hrte. Und Gott! es fiel mir so schwer die passende Miene aufzusetzen, betroffen zu wirken. Ich meine, ich war zwar von diesem Todesfall betroffen, aber ja doch nicht in der Weise, wie es... na, Sie verstehen schon! Was bleibt? Ich meine: Was bleibt fr Menschen wie Sie? Nur das eine: Gott hat den Vorhang zugezogen, der vermeintlich Bse lacht... Aber was heit schon bse! So ist das Leben! Und nun sollte man die ganze Geschichte in Gottes Namen vergessen, begraben und ein paar Blmelein drauf pflanzen! Weit du, was fr mich das absolut genialste und wahrste Stck Literatur auf der Welt ist?, fuhr Patrick fort, als htte er Kathis Einwand nicht gehrt. Sie zuckte mit den Schultern. Es ist der Schpfungsbericht, der so genannte zweite Schpfungsbericht: Adam und Eva im Paradies. Ich habe nie etwas Wahreres ber den Menschen gelesen als in diesem Kapitel am Anfang der Bibel. Dem modernen Menschen, der mit Adam und Eva nicht mehr anzufangen wei als mit Ken und Barbie, der sich hchstens noch ber Feigenblatt und sprechende Schlange lustig machen kann, entgeht nmlich vllig, dass alles, alles drin vorkommt, was Menschen zu schlechten Menschen macht. Ich will jetzt gar nicht ausdiskutieren, ob Gott existiert oder nicht. Das lassen wir einfach mal beiseite. Aber vier Dinge sind allemal wahr und sie sind alle in diesem uralten Text enthalten: Erstens: sein wollen wie Gott der Mensch will sich nicht vorschreiben lassen, wie er zu handeln hat, er will selbst entscheiden. Zweitens: die Folge von eins: Erkenntnis von Gut und Bse beides muss nmlich jetzt neu, das heit erstmals, definiert werden, nachdem Gott als hchste Autoritt entthront wurde. Bse ist ab sofort, was mir schadet, und gut, was mir ntzt. Und erst dadurch, dass ich auf der falschen Seite stehe, entsteht das so genannte Bse. Es ist das, was zwar einem anderen ntzt, mir aber schadet. Zuvor, im ungetrbten Vertrauen darauf, dass Gott keine Fehler macht und niemanden zu kurz kommen lsst, war dieses Empfinden eine unbekannte, gleichsam verborgene Gre. Drittens: Unterdrckung des schlechten Gewissens Adam und Eva verbergen sich. Sie beschleicht eine dstere Ahnung, die jeder Mensch kennt: Vielleicht war es doch nicht ganz richtig, was ich getan habe? Losgesagt von Gott sind wir dazu verdammt, Recht zu haben mit unserem Verhalten. Wer wird uns sonst rechtfertigen? Ergo: Was uns verdammt, auch in uns selbst, muss zum Schweigen gebracht werden. Adam und Eva schmen und verstecken sich. Und schlielich viertens: Leugnung von Schuld und Versagen. Wenn was schief luft, haben immer die andern Schuld. Ausflchte statt Umkehr. War doch Evas Idee. Die Schlange! Die Schlange wars! Und hier stehen wir nun am Anfang des 21. Jahrhunderts. Wir haben viel erreicht als unsere eigenen Herren und Gtter und wir haben eine Menge Schei angestellt. Was wir versuchen, wenn wir selbst Gott sein wollen, ist so aussichtslos wie der Versuch von Sysiphos seinen Felsbrocken den Berg hinaufzurollen. Und schlielich beantwortet der Schpfungsbericht auch noch die Frage nach all dem, was uns so schmerzlich abgeht: nach Vollkommenheit und Ewigkeit. Beides werden wir nur bei unserem Schpfer finden und nirgendwo sonst. Und wie soll das deiner Meinung nach gehen? Gibt es irgendein Ritual zu befolgen oder wie muss ich mir das vorstellen? Du erinnerst dich vielleicht an die Szene aus der Passionsgeschichte, antwortete Patrick nach einem Moment des Nachdenkens, in der Pilatus seine Hnde wscht vor den Augen des versammelten, des schreienden versammelten Volkes. Und man fragt sich: Warum macht der das? Alle denken, er will dem Volk zeigen es ist symbolisch : Schaut her, ich bin unschuldig an seinem Blut. Ich mach mir nicht die Hnde schmutzig. Daher kommt ja auch die Redewendung seine Hnde in Unschuld waschen. Aber wozu, habe ich mich gefragt, diese Geste? Wieso hat Pilatus das ntig? Es reicht doch, wenn er es sagt. Und muss er sich vielleicht rechtfertigen, noch dazu mit einer Geste, die nicht etwa rmischen Ursprungs ist, sondern aus dem jdischen Gesetz stammt? Er kann doch machen, was er will. Er ist der Statthalter. Er hat die Macht. Statt dessen lsst er extra Wasser kommen? Er steht da vorne vor dem Volk und lsst extra mit theatralischen Gehabe Wasser kommen und wscht sich wirklich die Hnde? Mit echtem Wasser? Was soll das? Das leuchtete mir nicht ein. Und irgendwann, Kathi, irgendwann ist es mir pltzlich klar gewesen: Er macht das zwar vor dem Volk, aber es steht nirgends, dass er das fr das Volk macht. Er macht das fr sich! Und warum macht er das? Dafr gibt es nur einen vernnftigen Grund: Es war wirklich Blut an seinen Hnden. Pilatus fhlte wirklich, dass Blut an seinen Hnden klebte. Aber nicht das Blut, das in diesem konkreten Fall vergossen werden sollte, das war nur Pars-pro-toto, ein Teil fr das Ganze. Pilatus sprte, dass es das Blut dieser und von zigtausend anderen Entscheidungen war, die er kraft seines Amtes gefllt hatte, das er loswerden musste eine Art existentielle Universalschuld oder universelle Existenzschuld. Ihm war auf einmal klar, dass es gar nicht anders ging, dass sein ganzes Leben so verlaufen war, dass er sich mit Blut befleckte. Und die Begegnung mit dem Opferlamm Gottes gerade hatte er ihm noch Aug in Auge gegenbergestanden , die hatte es ihm schlagartig klar gemacht: Sein ganzes Leben war ein einziges Blutvergieen, er konnte nicht morgens aufstehen, ohne dass abends seinetwegen Blut vergossen war. Und dieses eine Mal, wo er vesucht gegenanzugehen, wo er sich weigern will, dass schon wieder Blut an seine Hnde kommt, weil doch dieser Jesus so offensichtlich unschuldig ist, da muss er seine universelle Ohnmacht erkennen. Es geht nicht! Er will ja nicht, aber es, man, die Umstnde, die Welt zwingen ihn. Und so versucht er in einer vllig hilflosen, ja kindischen Geste diese Schuld loszuwerden durch Wasser. Es ist doch dies nicht die staatsmnnische Geste eines rmischen Potentaten! Schon deswegen nicht, weil sie aus dem jdischen Gesetz stammt. Ich habe nachgeforscht: Diese Geste war von Mose verordnet worden fr den Fall, dass ein von unbekannter Hand Getteter in der Stadt aufgefunden wird. Aber das ist es ja nicht! So wird man doch seine Schuld nicht los so wenig wie physisch Blut an seinen Hnden ist, so wenig wird er es durch diesen physischen Akt des Hndewaschens los. Los kann er es wie jeder Mensch nur dadurch werden, dass jemand, der die Vollmacht, die Autoritt dazu hat, das Wasser zu etwas macht, das wirklich reinigt. Nicht von Weihwasser rede ich, sondern von der Taufe, dem Wasser, das Gott durch sein Wort in Kraft setzt von Schuld reinzuwaschen. Dasselbe meint auch Johannes der Tufer, wenn er von dem spricht, der mit Geist tauft: Dem Wasser, mit dem er, Johannes, getauft hat, fehlte die Legitimation durch den Geist. Denn die Taufe, wenn man sie ernst nimmt, das ist Wasser und Geist! Und im Alten Testament sind sich Mose und die Propheten im Grunde auch alle einig: Durch das Blut von Bcken, Khen und Schafen kann kein Mensch wirklich gereinigt werden. Johannes wusste: So taufen kann nur einer. Einer, der durch Geist und Wort und Tat die Tat am Kreuz fr alles einstand. Erst durch ihn gibt es das unantastbar verbriefte und verbrgte Reinigungsbad, nach dem Pilatus ohne es genau zu wissen quasi in einer ahnungslosen Allegorie die Hnde ausgestreckt hat. Entschuldige, wenn ich jetzt hier anfange dich vollzupredigen. Nein, nein, es ist hochinteressant. Ich bin ganz Ohr! Und dieses Bad ist auch, wie jeder Christ wei, die einzige gltige Antwort auf die Vertreibung aus dem Paradies, der einzige Rckweg in die Vollkommenheit des Reiches Gottes! Ich habe deswegen beschlossen mich noch einmal neu taufen lassen. Wissen Sie, was das eigentlich Erschtternde an dem ganzen Fall ist?, fragte Reynolds sein Gegenber und gab die Antwort gleich selbst: Das eigentlich Erschtternde ist, dass Ihnen durch Ihren eigenen Sohn der Ausweg aus der ganzen Misere eigentlich sperrangelweit offen stand und auch jetzt immer noch steht: der Weg von Bue und Vergebung. Nicht das Theater, das Sie mir hier vorspielen, diese Pseudo-Beichte, sondern eine echte Bue, eine Abkehr von dem Bsen, das sich auch in seinem, in Patricks Leben, breit gemacht hat. Wahrscheinlich konnte er einfach nicht mehr, wollte nicht mehr in diesem Morast von Schuld und Verbrechen herumwaten mssen, deren eitrige Blasen immer wieder aufplatzen und ihren Pestgeruch verbreiten. Wissen Sie was? Ich bin froh, dass ich nicht Polizist oder Richter bin. Es ist ja doch nur Symptombekmpfung, was die betreiben, und ich leide auch nicht darunter, dass es hier auf Erden nicht immer gerecht zugeht. Aber ich bin fest berzeugt, dass Glck so niemals zu finden ist und dass das der entscheidende Grund ist, warum Verbrechen sich nicht lohnt. Das Verbrechen birgt nmlich den Keim der Zerstrung und Zersetzung des Lebens in sich und Sie haben sich durch Ihren glaubenslosen Lebensentwurf selbst auf ewig von der Grundvoraussetzung fr glckliches, gelingendes Leben abgeschottet: dem Segen Gottes, ohne den es, wie schon Augustin bilanzierte, keinen Seelenfrieden geben kann. Oder wollen Sie mir erzhlen, dass Sie glcklich sind? Jetzt hren Sie doch auf mit Ihren Begriffen aus der religisen Mottenkiste! Segen! Seelenfrieden! Damit knnen Sie doch mich nicht kdern. Glck hat, wer kein Pech hat. Den Rest muss man sich erarbeiten. Alles andere ist Geschwtz, mit dem sich von mir aus die Minderbemittelten trsten lassen knnen. Ihr Sohn ist ganz und gar nicht minderbemittelt. Er hat begriffen, was Ihnen fehlt: dass man dem Bsen ganz leicht entfliehen kann. Man muss sich nur auf die Seite eines Strkeren stellen. Ich denke, genau das wollte Ihnen auch Pfarrer Williamson vorschlagen. Jesus stt nie jemanden hinaus, der zu ihm kommt, auch nicht, wenn seine Hnde von Blut triefen. Wenn eure Snde auch blutrot ist, heit es im Buch Jesaja, soll sie doch schneewei werden. Denn nur so kann der Teufelskreis des Bsen durchbrochen werden, des Bsen, das immer wieder neues Bses zeugt bis hin zum bitteren Ende. Ich hab ja verstanden, was Sie meinen, Mr. Reynolds. Ich bin ja nicht begriffsstutzig, das Problem ist nur: Ich halte es fr Kse, ausgemachten Bldsinn. Sie knnen Ihre auswendig gelernten Stze noch so oft gebetsmhlenartig wiederholen daran werden Sie nichts ndern knnen! Wie bitte? Du willst dich noch mal taufen lassen? Du hast ganz richtig gehrt. Das Caf wird von einer freien Gemeinde untersttzt, der ich mich anschlieen mchte. Ich glaube, dass Wasser, Geist und Glaube zusammengehren. Die ersten beiden Dinge sind Gottes Angelegenheit, aber das dritte muss von mir kommen. Wenn ich das von Jesus in Kraft gesetzte Reinigungsbad nicht in einem Akt des Glaubens empfange, ist es meiner Meinung nach so wirkungslos wie bei Pilatus. Es wird zu einem Ritual ohne Sinn und Verstand und vor allem ohne Konsequenzen, frei nach dem Motto: Sie wissen nicht, was sie tun! In der Jerusalemsgemeinde, von der ich sprach, wird das genau so praktiziert. Da wird ein Schwerpunkt darauf gelegt, dass die Reinigung von Schuld sich in einem bewussten Glaubensakt vollzieht. Die Suglingstaufe ist fr die ungltig. Ich wei, dass viele Christen das anders sehen. Aber fr mich persnlich ist der Fall klar. Es geht darum, durch den Glauben, ein unerschtterliches Dafrhalten, ein Festhalten an dem, was man hofft, aber nicht sieht, noch nicht sieht, durch solchen Glauben die Hnde und alles andere reinzubekommen, frei zu werden, eine neue Kreatur zu werden, die sich nicht mehr den alten, sndhaften und egoistischen Zwngen ausgeliefert sieht, sondern die die herrliche Freiheit der Kinder Gottes kennt und zu schtzen wei. Und deswegen muss ich jetzt auch nicht Polizei und Moralapostel oder beides zusammen spielen. Ich kann weiterleben mit der Ungerechtigkeit dieser Welt, weil ich wei, dass sie ja nicht anders sein kann, dass sie ja gefallen ist und dass sie ja ihr Urteil empfangen werden, sie, die sich nicht befreien lassen wollen von Adams Trugschluss, von der Knechtschaft des Bsen, von ihrer eigenen Ohnmacht gegenber Schuld, Versagen und Verfehlung. Ich muss meinen Vater nicht ans Messer liefern, damit er seine gerechte Strafe bekommt, wie es so schn heit. Wieso er und eine Million, ach was, eine Milliarde, sechs Milliarden anderer Verbrecher nicht? Was sagt denn Jesus, wo die Snde anfngt? Es sind ja nicht die Hnde als ausfhrende Organe, es passiert im Kopf, wer seines Nchsten Frau begehrlich anschaut, der hat schon gesndigt! Und irgendwann mssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. Was sind Polizei und Gefngnis dagegen? Ein Fliegenschiss! Und wie wenig Zeit bleibt ihm noch! Ich habe ihm gesagt, worauf es ankommt, jetzt kann ich nur noch beten, dass er sich ffnet fr das Wirken des Geistes Gottes. Ja, ich bete tglich dafr. Genauso Ottiwell: Ich habe viel mit ihm gesprochen. Es hat mir das Herz gebrochen, als er mir unter Trnen erzhlte, was er getan hat. Er konnte nicht mehr. Die haben ihm so zugesetzt, dass am Ende nur noch unnennbarer Hass in ihm war. Gefallene Welt, Kathi! Die Schlange windet sich vor Vergngen und der Teufel tanzt Polka! Ich habe mit ihm gesprochen ber Wahrheit und Gerechtigkeit und Vergebung. Ich glaube, er hat es verstanden. Und ich bete dafr, dass er erkennt, was er tun muss, wenn vielleicht irgendwann Gottes Stunde fr ihn schlgt. Aber jetzt seien wir ehrlich , wrde es irgendwem helfen, wenn man die Wahrheit herausposaunen wrde: dass die beiden solche widerlichen, vom Teufel verdrehten Gestalten waren, dass ein Elfjhriger sich zu ihrem Henker machen lie, damit er sich ihre Seelen vorzeitig sichern konnte? Solche Wahrheiten will doch niemand hren auf dieser Welt! Das hat sich seit damals, als Jesus selbst den Leuten noch die Leviten las, nicht gendert. Also bete ich lieber fr meinen Freund Ottiwell und vor allem fr meinen Dad. Denn der hats am ntigsten. Wissen Sie was? Machen wir doch einfach die Probe aufs Exempel! Als htte ein fremder Geist Besitz von ihm ergriffen, erhob Fredericks sich unvermittelt, stellte sich wie ein Hohepriester in der Mitte des Raumes auf, streckte die Arme in die Hhe und rief laut: O allmchtiger Gott, du hast die Anschuldigungen deines Dieners dort vernommen und ich leugne es nicht, o Ewiger, es ist alles wahr: Ich bin durch und durch bse und verworfen und deswegen bitte ich dich jetzt mich Bsewicht zu strafen, wie ich es verdienet habe. Bitte schicke doch jetzt in deiner vermeintlich so groen Allmacht und Gerechtigkeit wie einen Blitz den Bannstrahl deiner Nemesis auf mich Frevler herab, dass er mich vernichte und mich unwrdiges Geschpf auf ewig vom Erdboden tilge. Andernfalls, o groer Gott, wre ich leider gezwungen deine Existenz nachhaltig in Zweifel zu ziehen und an die groe Leere im Universum zu glauben! Schweigen herrschte im Raume. Dann nahm Fredericks, der eben noch mit groem Pathos gesprochen hatte, in aller Seelenruhe wieder Platz und sagte mit einem spttischen Lcheln: Nanu, nichts passiert? Was soll ich Ihrer Meinung nach aus der bemerkenswerten Passivitt Ihres Herrn und Meisters schlieen, Herr Vikar? Reynolds schwieg und zwang Fredericks damit, sich die Antwort selbst zu geben: Ihr Gott ist eine tote Marionette, die keinen Finger krumm machen kann und nur deswegen nicht lngst in der Mottenkiste der Geschichte verstaubt ist, weil Ihre Kirche sie fr ihr religises Affentheater immer wieder hervorkramt. Reynolds konnte die sarkastische Replik, die ihm auf den Lippen lag, nicht unterdrcken: Affentheater habe ich bislang nur von Ihnen gesehen bei allem Respekt, Dr. Fredericks! Wenn Sie mit diesem Auftritt etwas bewiesen haben, dann nur, dass Sie nichts vom Wesen Gottes begriffen haben. Was Sie als Ohnmacht deuten, ist in Wirklichkeit Langmut. In Wirklichkeit? Von welcher Wirklichkeit reden Sie denn? Das ist doch alles nur ein lngst berholtes metaphysisches Konstrukt. Vielleicht ist das berholte Konstrukt aber auch Ihre These vom berholten Konstrukt, konterte der Vikar. Treten Sie den Gegenbeweis an? Wer legt fest, was berholt ist? Also bleiben wir doch der Einfachheit halber zunchst in dem von mir bevorzugten Modell: In dem hat der Bannstrahl, den Sie eben gerade so wenig wirkungsvoll auf sich heraberbeten haben, lngst einen anderen getroffen. Derjenige, der es eilig hat seine Ansprche zu sichern, der sozusagen seine schwarzen Schfchen mglichst schnell ins Trockene bringen will, steht im andern Lager. Und er lsst Sie meiner Ansicht nach ganz schn zuarbeiten. Sie geben wohl nie auf, was? Gott gibt nie auf. Warum macht ers denn so kompliziert? Wenn er so groartig und allmchtig ist, wie Sie immer behaupten, warum sorgt er nicht einfach mit einem Fingerschnippen dafr, dass Leute wie ich ihm den gebhrenden Respekt zollen? Weil man nicht zwingt, was man liebt. Fredericks war einen Moment berrascht, fasste sich aber gleich wieder. Jetzt muss ich aber gleich laut lachen! Sie verstehen mich im Grunde sehr gut. Ich muss Sie doch wohl nicht daran erinnern, dass noch vor dem Allmchtigen in unserem apostolischen Glaubensbekenntnis der Vater steht. Sie haben doch selbst ein Kind, das Sie lieben. Sie konnten das vielleicht im Laufe Ihres Lebens nicht immer so zeigen, aber Sie lieben ihn doch, nicht wahr, Dr. Fredericks? Eine Weile herrschte angespanntes Schweigen in dem Raum. Dann beugte der Doktor sich vor um sich ein Glas Wein einzuschenken. Als er sich wieder in seinen Sessel zurcklehnte, schttelte er scheinbar erheitert den Kopf und sagte: Sie sind gut, Mr. Reynolds, das muss der Neid Ihnen lassen, wei Gott, Sie verstehen Ihr Handwerk. Aber Sie verschwenden Ihre Zeit. Und Sie haben keine mehr zu verlieren. Ich wusste doch, dass zwei halbwegs vernunftbegabte Menschen wie wir uns irgendwo einig werden knnten. Er erhob sich und reichte Reynolds die Hand. Guten Tag, Mr. Reynolds. Der Doktor geleitete seinen Gast durch die imposante Empfangshalle zur Haustr. Als er sie ffnete, stand sein Sohn vor ihm. ---------------------------------- Du kannst das alles immer noch nicht glauben, oder? Kathi htte es nicht besser ausdrcken knnen, aber sie zgerte. Ich wei nicht. Ich frag mich, wo der Skeptiker, der analytisch exakt vorgehende Patrick geblieben ist, der du sonst immer warst. Wie kannst du das alles auf einmal so vorbehaltlos schlucken, diese ganzen Sachen aus der Bibel, diese Geschichten von annodazumal? Ich meine, das kann man doch nicht wrtlich nehmen: die Schpfung an sieben Tagen... Sechs, berichtigte Patrick. Kathi musste lcheln. Also gut, an sechs. Tut doch nichts zur Sache. Und Jungfrauengeburt, Totenauferstehung, Arche Noah, smtliche Tierarten in einem einzigen Schiff all das... Das sind doch Mythen, Legenden... Und wer wei denn schon, ob Pilatus wirklich seine Hand ins Wasserbad getaucht hat! Wie kannst du das alles auf einmal so kritiklos hinnehmen? Ich habe keine Wahl. Wie bitte? Ich habe doch gar keine andere Wahl. Ich verstehe ja alle Leute, die an der Bibel rumkritteln und das nicht glauben knnen. Mir gings genauso. Aber du hast Recht, wenn du meinst, dass ich analytisch exakt vorgegangen bin. Und das Ergebnis war: Ich habe gar keine andere Wahl. Es ist billig und einfach: Ich kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. Und dass Gott existiert, auch nicht. Nein. Und das brauch ich auch nicht. Vor allem braucht Gott das nicht. Wie meinst du das? Die Sache ist doch die, dass man hinsichtlich der Gottesfrage in einem ganz furchtbaren Dilemma steckt: Gott hat gar nicht ntig, unwiderlegbare Beweise fr seine Existenz zu liefern. Existieren kann er trotzdem. Kann ihn etwa jemand zwingen sich zu beweisen? Die Bibel fegt das mit einem Satz vom Tisch: Wer bist du denn, Mensch, dass du mit Gott debattieren willst? Fakt ist: Man kann nicht einfach voraussetzen, dass Gott nicht existiert. Wenn er nmlich existiert, dann ist es doch denkbar einfach anzunehmen, dass er absichtlich alles genau so eingerichtet hat, wie wir es vorfinden bis hin zu irgendwelchen angeblich wissenschaftlich widerlegten Ereignissen, die die Bibel schildert. Warum hat er es nicht anders gemacht? Wer bist du denn, lieber Mensch, dass du mit Gott debattieren willst? Fakt ist: Die Dinge auf dieser Welt liegen so, dass man an ihn glauben kann oder auch nicht. Immerhin gibt es sie ja: die Bibel mit ihren nicht gerade nebenschlichen Instruktionen und ihre Glubigen. Die glauben: Gott hat diese ganze Geschichte mit Jesus so angelegt, wie die Bibel sie schildert. Er htte zwar auch alles anders machen knnen, aber das tut nichts zur Sache. Ja und? Das zwingt mich doch nicht an die Bibel zu glauben. Ich kann vielmehr sagen: Diese oder jene Ungereimtheit und davon gibt es ja einige ist ein Grund fr mich anzunehmen, dass Menschen sich das alles ausgedacht haben. Natrlich bist zu nicht gezwungen an die Bibel zu glauben. Aber du bist nach den Gesetzen der Logik gezwungen, es nicht ausschlieen zu knnen, dass sie wahr ist. Ich sage damit nur, dass ich mich potentiell falsch entscheide, wenn ich entscheide, dass es Gott nicht gibt, und wenn mein Argument dafr ist, dass die Dinge so liegen, wie sie liegen! Denn sofern Gott existiert, sind sie ja mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gerade deswegen so, weil er es so wollte, weil er es so eingerichtet hat. Alle Argumente, die gegen Gott sprechen, gegen die Bibel, was wei ich was, wenn Gott die alle geschaffen hat? Wunderheilungen, ein Meer, das sich teilt, Totenauferstehung natrlich strubt sich da der menschliche Verstand. Aber wre das fr Gott, wie ihn die Bibel uns vorstellt, ein technisches Problem immer vorausgesetzt, er existiert? Und wer ist eigentlich der Schpfer des menschlichen Verstandes, wenn Gott existiert? So kann es tausendmal hin- und hergehen am Ende werde ich immer die Wahl haben ja oder nein zu sagen. Und wenn ich nein sage, laufe ich Gefahr eines Tages vor dem Richterstuhl Christi zu stehen, von dem ich in der Bibel gelesen habe, und ihm frustriert mitteilen zu mssen: Aus dem und dem und dem Grund habe ich entschieden, dass du nicht existierst sorry. Und er sagt: Auch sorry. Wie du siehst, lagst du falsch. Dabei habe ich gar nicht viel von dir verlangt: Ich wollte nicht, dass du meine Exisenz beweist, ich wollte nur, dass du glaubst. Dafr gab ich dir mein einfaches, in fr Wesen wie dich geeignete Form gebrachtes Wort, das du einfach ignoriert hast. Hinweg mit dir dahin, wo Heulen und Zhneklappern ist. Und ich kann noch nicht mal sagen, dass ich ja von Heulen und Zhneklappern nichts gewusst htte. Mit anderen Worten: Solange ich keinen unwiderlegbaren Beweis fr die Nichtexistenz Gottes habe und den kann es nicht geben, weil ja Gott selbst ihn geschaffen haben knnte wre ich doch schn bld Heulen und Zhneklappern zu riskieren, indem ich gegen das verstoe, was ich ber seinen Willen wei. Und ich finde die Menschen bodenlos leichtsinnig, die so dahinleben ohne sich diese Frage zu stellen. Denn es liegt doch auf der Hand, dass, wenn es Gott gibt, es im ganzen Universum nichts Wichtigeres gibt als dieses Faktum und dass es schon zu viel wre, wenn ich ihm nur das Geringste vorenthielte, wie es mal eine berhmte Atheistin formuliert hat. Wenn Gott aber nicht existiert nchtern-analytisches Vorgehen , was verliere ich schon, wenn ich seinen Geboten gem zu leben versuche? Selbst Atheisten rumen ja ein, dass die einen gewissen sittlichen Nhrwert fr die Menschheit haben. Im schlimmsten Fall ist nach dem Tod alles vorbei, aber ich habe wenigstens das Gefhl etwas Vernnftiges mit der Zeit vorher angefangen zu haben. Beispiel Albert Schweitzer. Der hat ja wei Gott nicht alles in der Bibel kritik- und kommentarlos hingenommen, aber am Ende hat er so gelebt, als ob Jesus morgen wiederkommen wrde und ihn dann bei der Arbeit findend allen Grund htte zu sagen: Gut so, du guter und getreuer Knecht, du bist ber wenigem treu gewesen. Ich will dich ber viel setzen. Das, was ich hier mache, ist mein Versuch ber wenigem treu zu sein und ich sag dir ganz ehrlich: Es befriedigt mich tausendmal mehr als alles, was ich bisher in meinem Leben getan habe. Nein, ich habe wei Gott keine Wahl mehr, Kathi. Kathi sa im Flugzeug zurck nach Hamburg und blickte durchs Fenster hinaus auf das Wolkenmeer, ber dem sie schwebte. Sie wunderte sich darber, wie gelst sie war, wie frhlicher Stimmung; wie schnell sie von dieser heftig brennenden Leidenschaft losgeschmiedet worden war, die ihr noch vor einer Woche eingeredet hatte, sie msse sterben, wenn sie Patrick nie wiedersehen drfe. Wie das geschehen war, wusste sie nicht. Waren es seine nchternen und klaren Worte gewesen? Die vielen anderen Dinge, die sich ereignet und die ihr gezeigt hatten, dass ihr Leid, von einer hheren Warte aus betrachtet, eine Nebenschlichkeit war? Jedenfalls war dieses verzehrende Feuer einer ganz anderen Form von Liebe gewichen, die den Verzicht wie selbstverstndlich mit einschloss. Natrlich liebte sie ihren Paddi noch; er war ein wunderbarer, ein ganz besonderer Mensch, er hatte es gerade erst wieder unter Beweis gestellt. Und sie wnschte sich zutiefst, dass er in ihr Leben zurckfinden wrde. Aber sie fhlte in sich jetzt die innere Freiheit sich nicht mehr an ihn zu klammern, ihn an dem Ort zu belassen, an den er sich jetzt berufen wusste. Sie fhlte sich bereichert und befreit. Vielleicht war es ja das, sagte sie sich, whrend die untergehende Sonne das Wolkenmeer in gleiendes Rot hllte, vielleicht war das, was Paddi gemeint hatte, als er sprach von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Zur gleichen Zeit sa Patrick einem Mann mit langem, braunem Zottelhaar und vllig verfilztem Bart gegenber, den er vorher noch nie im Caf gesehen hatte. Das war auch der Grund dafr, dass er das Gesprch mit ihm suchte. Wissen Sie, dass Jesus fr Sie gestorben ist? Der Fremde sah ihn mit vllig ausdruckslosen Augen an. Jesus ist fr Sie gestorben. Wissen Sie das?, wiederholte Patrick. Weil er Sie liebt. Da huschte ein Lcheln ber das ungepflegte Gesicht des Mannes. Seine Augen nahmen einen eigenartigen feuchten Glanz an und einen Augenblick war Patrick, als se ihm in der Gestalt dieses seines geringsten Bruders der Gekreuzigte selbst gegenber. --- M I S T W A T E R Expos fr einen TV-Spielfilm (c) 2005 by Didier Personen Katharina Huttener, 20, genannt Kathi, Studentin Pfarrvikar Jim Reynolds, 35 Theresa Eliot, Mitte 50, Sekretrin im Kirchenbro Dr. William Fredericks, Anfang 50, angesehener Landarzt Patrick Fredericks, 24, sein Sohn, genannt Blacky, Student, Freund von Kathi Charles Matthews, 19, arbeitslos, Patricks Cousin Robert Finlay, 23, Patricks frherer Freund Theo Ecclestone, 20, Patricks Freund Erna Bayer, 80, verlor in der Nazi-Diktatur ihre Schwester Emmi Hilda Moewig, 90, Witwe von Dr. Eberhard Moewig Phil Cutler, 16, Opfer eines Baumhausbrandes Ernie Clark, 16, Opfer eines Baumhausbrandes Zeittafel 1901: Geburt von Alexander Albert Theodor Friedrichs 1919: Geburt von Margaret Wyler, spter verehel. Fredericks 1925: Geburt von Erna Bayer 1937: Tod der kleinen Emmi Bayer 1947: Alexander Friedrichs wandert als Verlobter von Margaret Wyler nach Mistwater aus, wo er den Namen Fredericks annimmt und Margaret heiratet 1948: Geburt des einzigen Sohnes William Stephen Fredericks 1971: Ermordung von Dr. Eberhard Moewig 1980: William S. Fredericks heiratet Betty McIntyre 1982: Sohn Patrick Stephen Fredericks wird geboren 1985: Tod von Margaret Fredericks 1987: Tod von Alexander Fredericks 2000: Scheidung der Ehe von William und Betty Fredericks 2000: Tod Betty Fredericks 2003: Studienbeginn fr Patrick Fredericks an der Universitt Hamburg Kurzinhalt: Mistwater erzhlt eigentlich zwei Geschichten: die der deutschen Studentin Kathi, die ihren in seiner englischen Heimatstadt Mistwater verschwundenen Freund sucht und dabei die dstere Nazi-Vergangenheit seines Vaters aufdeckt, sowie die des elfjhrigen Ottiwell, der zwei Jugendliche in ein Baumhaus gelockt und darin verbrennen lassen hat, weil sie ihn fortwhrend drangsaliert und schikaniert haben. Beide Geschichten sind verwoben durch Kathis Freund Patrick, der, nachdem er erfahren hat, was Kathi erst mhsam herausfindet, in eine Art inneres Exil geflohen ist und sich nach einer Hinwendung zu Gott fr ein soziales Hilfsprojekt engagiert. In zwei Prologen werden die Tode von Eberhard Moewig, der 1971 in einem Wald erdrosselt wird, sowie der beiden Jugendlichen Phil und Ernie geschildert, die in einem Baumhaus verbrennen. (Danach Titelei.) Es erwischt Katharina Huttener, genannt Kathi, eiskalt, als sie eines Morgens im Mrz nach einer wilden Studentenparty mit schwerem Kopf ihren Anrufbeantworter abhrt und ihr Freund Patrick ihr in dnnen Worten erffnet, dass er sie nicht wiedersehen knne. Ohne lange zu berlegen packt Kathi ihre Koffer um Patrick, der zusammen mit ihr an der Hamburger Universitt studiert, jedoch britischer Staatsbrger ist, nachzureisen. Anlsslich der Beerdigung des mit ihm eng befreundeten Pastors Williamson war Patrick vor einigen Tagen in seinen Heimatort, die 4000-Seelen-Gemeinde Mistwater in Lancastershire, zurckgefahren. In Mistwater angekommen fllt Kathi sofort die bedrckende Atmosphre auf, die in dem Ort herrscht. Die Menschen begegnen ihr mit Misstrauen und Ablehnung. Ein Grund dafr: Mistwater steht unter Schock: Zwei Jugendliche sind ums Leben gekommen, nachdem in dem Baumhaus, in dem sie sich aufhielten, ein Feuer ausgebrochen war. Das erfhrt sie von ihrer landlady Mrs. Frost, bei der sie zu Bed-und-Breakfast-Kondidtionen logiert. Kathis Weg fhrt sie zu Patricks Vater Dr. William Fredericks, einem Witwer, dessen Vater nach dem Krieg die Schwester eines in Deutschland stationierten englischen Soldaten geheiratet hatte und mit ihr nach Mistwater gegangen war. Doch der angesehene Arzt legt keinerlei Wert darauf, die Bekanntschaft der Freundin seines Sohnes zu machen und verweigert auch sonst jede Auskunft. Er wisse nicht, wo Patrick hingegangen sei. Enttuscht sucht Kathi Robert Finlay, einen Freund aus Patricks Kindertagen auf, von dem er ihr in Deutschland erzhlt hat. Von Robert erfhrt Kathi, dass Patrick seit seinem letzten Besuch in Mistwater zu Weihnachten vllig durch den Wind sei. Auch mit seinem Vater habe er sich offenbar berworfen. Nur zu dem verstorbenen Pastor Williamson habe er am Schluss noch Vertrauen gehabt. Sein pltzlicher Tod durch Herzversagen habe ihm in irgendeiner Art und Weise den Rest gegeben. Er habe das Leben empfunden wie tausend Jahre Regenwetter, das sei seine eigene Formulierung gewesen. Da Roberts Draht zu Patrick schon seit einiger Zeit nur noch oberflchlich sei, knne er ihr nur Informationen vom Hrensagen weitergeben. Patrick habe sich zuletzt mehr mit Freunden abgegeben, die sich leider zum Schlechten entwickelt htten, darunter auch Patricks Cousin Charles Matthews, der sich mit den Anhngern einer faschistoiden Gruppierung herumtreibt und deren Anfhrer ist. Szenetreff ist die Musikbar Fire Mouth, zugleich die einzige richtige Kneipe in Mistwater. Zum Dunstkreis der Leute, die sich dort treffen, haben, so erfhrt Kathi weiter, auch die beiden Opfer des Brandes im Baumhaus gehrt, der jetzt alle so tief erschttert. Vor ein paar Tagen ist Patrick noch im Fire Mouth gesichtet worden. Er hat dort einen furchtbaren Streit mit Charles gehabt. Die beiden sind sich fast gegenseitig an die Gurgel gegangen. Patrick sei danach, so Robert weiter, in einer frchterlichen Verfassung gewesen. Er habe sein ganzes Leben verflucht und alles hinschmeien wollen. Danach hat ihn niemand mehr gesehen. Kathi nimmt diesen Bericht mit groer Besorgnis zur Kenntnis und erinnert sich daran, dass Patrick in den letzten Wochen in Hamburg ungewhnlich oft die Sinnfrage und Fragen nach Schuld und Gerechtigkeit gestellt hat. Schlielich erzhlt Robert ihr noch von Williamsons kommissarischem Nachfolger Reynolds, der ganz o.k. sei. Vielleicht solle sie einfach mal mit ihm reden. Kathis Gesprch mit dem Vikar endet ganz schnell, denn Reynolds kennt keinen Patrick. Reynolds ist zuvor, whrend er sich immer noch provisorisch im Haus des Vorgngers einzurichten bemht ist, allerdings auf eine merkwrdige Notiz gestoen, die offenbar in die Ritze eines Brosessels gefallen war. Der alte Pfarrer hat sich offenbar nach einem vertraulichen Beichtgesprch auf einem Gebetszettel, wie er sie regelmig benutzte, Notizen gemacht. Ihr Inhalt: Beichtgesprch B.: Entscheidung ber Kinder, dann ein Pfeil und dann: Euth.- 5. Herr, hilf! Gesprch mit F. am 15. 3. Mehr lsst sich nicht entziffern. Bestrzt stellt der junge Vikar fest, dass der 14.3. Williamsons Todestag war. Frau Eliot, die Sekretrin erinnert sich, dass ihr alter Chef in ziemlicher Aufregung war wegen dieses Gesprchs. Sie wisse aber nicht, um wen es sich gehandelt haben knnte. Entsetzt sucht Kathi noch einmal Patricks Vater auf. Sie teilt ihm mit, sie vermute, Patrick wolle sich das Leben nehmen oder habe das schon getan und liege vielleicht irgendwo herum. Dr. Fredericks lsst das unbeeindruckt. Kathi gert auer sich vor Angst und Sorge. Wtend verlsst sie das Haus. Bei einem Spaziergang stt sie zufllig auf den Ort mit dem abgebrannten Baumhaus. Zufllig entdeckt sie dabei so eine Art Anstecknadel, deren Prgung noch erkennbar ist: Batman. Auf der Strae begegnet ihr spter ein fremder Junge: Charles, ein jovialer Aufreiertyp, wie es Kathi erscheint, will sie schon mal irgendwo gesehen haben auf einem Foto, das sein Cousin Blacky ihm mal gezeigt habe. Sie sei Blackys Freundin. Blacky? Kathi kann dem Jungen nur einen Vogel zeigen. Einen Blacky kenne sie nicht. Doch rasch stellt sich heraus, dass Blacky der Spitzname von Patrick ist. Alle Freunde, mit denen er sich zuletzt abgegeben habe, meint Charles, im Dorf und in der Bar Fire Mouth, htten ihn eigentlich nur unter diesem Namen gekannt. Kathi ndert ihre Haltung und bittet Charles ihr alles zu berichten, was sie von Blacky alias Patrick wisse. Auerdem solle es einen Streit zwischen den beiden Cousins gegeben haben. Das leugnet Charles. Er und Blacky seien von Kindesbeinen auf die besten Freunde gewesen. Auch glaubt er nicht, dass Blacky etwas zugestoen sein knnte. Blacky sei zwar manchmal bersensibel und etwas sentimental, aber trotzdem unverwstlich. Ansonsten kann Charles wenig Neues berichten. Blacky sei seit letzten Weihnachten auf einem frommen Trip gewesen, habe sich oft mit dem alten Pfarrer ausgetauscht. Dessen Tod habe ihn dann vollends aus der Bahn geworfen. An eine gewisse religise Neuorientierung ihres Freundes in den vergangenen Monaten kann sich auch Kathi erinnern. Nach der Beerdigung habe Charles seinen Cousin nicht mehr gesehen. Bestimmt sei er ins Kloster oder so gegangen, scherzt der Junge. Von einem Streit Blackys mit seinem Vater, wie Robert ihn Kathi gegenber erwhnt hatte, wei Charles indes nichts. Schlielich ldt Charles Kathi fr den Abend ins Fire Mouth ein. Kathi nimmt an, macht aber unmissverstndlich klar, dass sie vergeben ist. Williamsons Gebetszettel lsst dem jungen Vikar Reynolds keine Ruhe. Zusammen mit Frau Eliot errtert er zunchst die Frage, ob er bei fragmentarisch festgehaltenen Beichtnotizen seines verstorbenen Vorgngers an das Beichtgeheimnis gebunden sei. Frau Eliot ist das zu hypothetisch. Er zeigt ihr also den Papierfetzen. Frau Eliot erinnert sich, dass Pastor Williamson ein paar Wochen vor seinem Tode einmal von einem Gesprch mit einem Jungen berichtet hat, der tief in Schwierigkeiten und Depressionen gesteckt habe. Alles weitere sei jedoch unter die Schweigepflicht gefallen. Den Namen habe er ihr nicht sagen drfen. Mit B fllt ihr kein passender Name ein. Zum Buchstaben F. fallen ihr dagegen gleich mehrere Namen ein, z. B. Dr. Fredericks. Der Fredericks sei ihr, so Frau Eliot, nie ganz geheuer gewesen , weil dem nichts heilig sei. Vor allem die Art und Weise, wie er damals seine Frau abserviert habe, vor mehr als zehn Jahren, habe ihr missfallen und fr viel Klatsch und Tratsch in Mistwater gesorgt, zumal seine Frau, wie spter der Zeitung zu entnehmen war, wenige Wochen nach der Trennung starb. Man munkelte damals, sie habe Selbstmord begangen. Sie wrde lieber zu einem weiter entfernt wohnenden Arzt gehen, wenn sie einmal krank wre. Kathi sitzt mit Charles an der Theke des Fire Mouth und bekundet, dass ihr die Kneipe angesichts der vielen dmonischen Bilder ein wenig unheimlich vorkommt. An einer Wand hngt ein groes Bild mit einer schwarzen Teufelsfratze auf rotem Grund. Als Charles auf dem WC verschwindet, spricht ein fremder Junge sie an, der sich als Theo, ein Freund von Blacky, vorstellt. Robert habe ihm von ihren Nachforschungen berichtet und in Mistwater sprchen sich Neuigkeiten rasch herum. Da man sich in Mistwater ja nicht aussuchen knne, wo man abends hingehe um Spa zu haben, habe er sich gedacht, er wrde Kathi wohl hier antreffen. Theo wei zu berichten, Blacky habe in Mistwater einen neuen Freund gefunden, den elfjhrigen Ottiwell. Charles, offenbar eiferschtig, nhert sich zornig und provoziert eine Rangelei. Als Kathi Theo verteidigen will, fllt die Maske: Charles grapscht die Studentin an und gibt auf einmal unfltige uerungen von sich. Zwei Freunde treten an seine Seite und reden wirres Zeug. Sie beschimpfen Blacky als Verrter, der seinem Namen keine Ehre mehr mache. Kathi bringt Charles und seine Freunde durch eine Ohrfeige zum Schweigen. Unter wsten Beschimpfungen und Drohungen verlsst sie zusammen mit Theo das Lokal. Kathi geht in ihre Pension und ruft von ihrem Mobiltelefon aus ihren Anrufbeantworter in Hamburg an. Doch es gibt nicht die erhoffte Nachricht von Patrick, sondern nur die von einer Frau Moewig, die einen Termin mit Patrick haben mchte. Am nchsten Morgen besucht Kathi erneut den Vikar Reynolds. Kathi fragt Reynolds jetzt, ob er, wenn er denn schon keinen Patrick kenne, vielleicht wenigstens ber einen gewissen Blacky etwas zu sagen wisse und siehe da! diesmal fllt ihre Anfrage auf fruchtbaren Boden. Nicht, weil der Name Blacky Reynolds mehr sagen wrde, aber Frau Eliot sagt er etwas. Sie erinnert sich nmlich sofort an den jugendlichen Freund des alten Pastors. Und dieser Name, wird Reynolds klar, muss es auch sein, der sich hinter der Abkrzung auf dem Schmierzettel verbirgt! Das kann der Vikar Kathi zwar nicht sagen, weil es unter die Schweigepflicht fllt, aber Kathi merkt, dass Reynolds etwas wei. Sie setzt auf die Devise Vertrauen gegen Vertrauen. Sie wolle wissen, was aus ihrem Freund geworden sei, und Reynolds habe offenbar auch das Gefhl, dass in Mistwater einiges nicht mit rechten Dingen zugehe. Wenn man an einem Strang ziehe, knne man vielleicht gemeinsam davon profitieren: Kathi findet ihren Freund wieder und Reynolds kann das zu Ende bringen, was seinem Vorgnger wegen seines pltzlichen Todes verwehrt blieb. Kathi bittet den Pfarrer gleich noch einmal um Hilfe. In der Gemeindekartei fnden sich doch alle Namen und Adressen von Kirchenmitgliedern. Sie wrde gern wissen, ob es eine Familie mit einem Sohn namens Ottiwell gebe. Der Name ist nicht besonders hufig und mit Frau Eliots Hilfe ist die Familie im Nu gefunden. Bei ihrem Besuch gelingt es Kathi anfangs nicht Ottiwells Vertrauen zu gewinnen. Das ndert sich schlagartig, als sich Kathi als Patricks Freundin vorstellt. Der Junge schwrmt frmlich von Patrick. Kennen gelernt haben sich beide dadurch, wei der Junge zu berichten, dass Patrick ihm einmal geholfen hat, als zwei Jugendliche Geld von ihm erpressen wollten. Sie htten gedroht ihn zu verprgeln, aber Patrick, der die beiden zu kennen schien, hat sie verjagt, so der Junge. Die beiden Jungen htten ihn schikaniert, seit er mit seiner Mutter nach Mistwater gezogen sei. Sie habe sich von seinem Vater scheiden lassen. Auf die Frage, warum so etwas geschehe, warum es so viel Unrecht gebe, wei Kathi keine Antwort, aber der Junge berrascht sie mit seinem wachen Verstand und seinen kritischen Fragen. Er spricht von einer besseren Gerechtigkeit als der, die es auf der Welt gebe. Darber habe er auch mit Patrick viel diskutiert. Ottiwell wei auerdem ein Geheimnis, aber er hat Patrick vesprochen mit niemandem darber zu sprechen. Kathi bringt es nicht fertig den Jungen zum Reden zu bringen. Sie erfhrt nur, dass Patrick in Deutschland eine alte Frau namens Bayer gefunden hat, die der Schlssel zu diesem Geheimnis ist. Kathi erinnert sich an einen Tag, da Patrick einen wichtigen Besuch zu machen behauptet hatte und einfach verschwunden war. Er hatte ihr nur erzhlt, dass er in den Norden Hamburgs reisen wolle. Ottiwell wei auch nicht genau, wohin Patrick gegangen sein knnte, aber er habe davon gesprochen sich irgendwie ntzlich zu machen und ein neues Leben zu fhren. Es habe mit Jesus zu tun gehabt, so Ottiwell. Ein Satz ist dem Jungen besonders im Gedchtnis haften geblieben: Und wenn deine Hnde auch rot von Blut sind, sollen sie doch schneewei werden. Das habe Patrick zu ihm gesagt. Warum er denn so einen Satz gesagt habe, will Kathi wissen, aber da hllt sich der Junge in Schweigen. Dafr erinnert er sich an den Namen Jerusalem. Ja, Patrick hat immer davon gesprochen an einem Ort namens Jerusalem Dienst zu tun. Als Kathi nach Hause gehen will, trifft sie Angela, eine Klassenkameradin von Ottiwell, die gerade auf dem Weg zu ihm ist. Kathi stellt sich kurz vor und entlockt dem Mdchen rasch, dass es ein bisschen in Patrick verliebt ist. Kathi erinnert sich auch daran, das Mdchen schon einmal gesehen zu haben, und zwar als sie zufllig auf die Brandstelle stie. Dann telefoniert Kathi mit der unbekannten Frau Moewig, die auf der Mailbox eine Nachricht hinterlassen hat. Frau Moewig behauptet, Patrick habe mit ihr Kontakt aufgenommen, weil er angeblich etwas ber den Tod ihres vor vielen Jahren erhngt in einem Waldstck in Schleswig-Holstein aufgefundenen Vaters gewusst habe. Kathi lsst sich von der Frau einen Zeitungsausschnitt faxen. Eine Frau Bayer kennt Frau Moewig nicht. Reynolds und Kathi fragen sich, was die beiden Frauen miteinander zu tun haben. Kathi fllt ein, dass Patrick alte Fahrscheine in der Regel auf dem Schreibtisch liegen lsst und nicht wegwirft. Telefonisch bittet sie ihre Vermieterin, auf dem Schreibtisch nachzusehen ob sie ein Nahverkehrszug-Ticket vom Anfang des Monats finden knne. Whrend sie auf den Rckruf ihrer Hamburger Vermieterin wartet, geht Kathi spazieren. Charles kommt auf seinem Motorrad angebraust und belstigt sie frech. Wtend faucht sie ihn an, er und seinesgleichen sollten mal lieber aufhren stndig mit dem Feuer zu spielen. Wie alle wssten, knne man sie dabei ganz schnell die Finger verbrennen und auch mehr... Charles verschlgt es vllig die Sprache ob dieser Anspielung auf den Brandunfall der beiden Cliquenmitglieder Phil und Ernie. Was sie denn damit sagen wolle. Kathi hllt sich in Schweigen, aber als Charles sich entfernt hat, holt sie noch einmal die halb verkohlte Batman-Anstecknadel hervor und spricht leise vor sich hin: eine bessere Gerechtigkeit! Kurz darauf ist die Vermieterin tatschlich fndig geworden. Die Reise, die Patrick Anfang des Monats gemacht hat, fhrte ins schleswig-holsteinische Kaltenkirchen. Weitere Recherchen ergeben, dass dort eine fast neunzig Jahre alte Rentnerin namens Erna Bayer lebt. Kathi ruft sie sofort an. Die alte Dame kann besttigen, dass Patrick sie Anfang Mrz besucht hat. Er habe ihr berichtet, im Rahmen seines Geschichtsstudiums habe er Nachforschungen ber Opfer aus der Nazi-Zeit anstellen mssen. Frau Bayer erzhlt, den Trnen nah, vom Schicksal ihrer Schwester Emmi, die 1936 mit vier Jahren wegen einer geringfgigen geistigen Behinderung von der Familienfrsorge in die Alsterdorfer Anstalten eingewiesen wurde. Kurz vor Kriegsende dann die Nachricht, dass Emmi nach einer lebensgefhrlichen Erkrankung in der Kinderklinik Hamburg-Rothenburgsort gestorben sei. Unter Trnen fgt Frau Bayer hinzu: Ermordet von den Nazis per Giftspritze. Kathi kann sich nun auch die rtselhafte 5. auf dem Papierfetzen des Pastors erklren: Mglicherweise steht sie fr das fnfte Gebot, das hier massiv verletzt wurde. Die Abkrzung Euth. auf dem Schnipsel knnte demnach fr Euthanasie stehen. Doch es bleibt die Frage: Was mag Patrick bewogen haben in der Vergangenheit herumzuwhlen? Frau Bayer liest weitere Details aus dem ihr damals ausgehndigten Dokument vor: Die berweisung von Alsterdorf nach Rothenburgsort und damit Emmis Todesurteil hat ein gewisser Dr. Alexander Fredericks unterzeichnet, Patricks inzwischen verstorbener Grovater. Komischerweise habe Patrick, der davon nicht berrascht schien, jedoch immer nach einem anderen Arzt gefragt, einem Doktor Moewig. Und den kennt auch Frau Bayer nicht. Abends im Pub erfhrt Kathi, dass die beiden Toten aus dem Baumhausbrand sich ein bisschen Geld dazuverdient htten, indem sie Schler erpressten. Jetzt drngt es Kathi noch einmal mit dem kleinen Ottiwell zu sprechen. Ihr Verdacht: Patrick hat um den Jungen zu schtzen vielleicht das Baumhaus in Brand gesteckt und wollte dabei die beiden Getteten vielleicht nur erschrecken. Etwas knnte dann schief gelaufen und Patrick zur Flucht veranlasst haben. Kathi fragt, was Patrick Ottiwells Ansicht nach bewogen habe sich pltzlich ntzlich machen zu wollen. Sei es nicht vielmehr eine Flucht gewesen? Ottiwell erwidert: Patrick habe gesagt: Wenn es Gott gebe, dann drfe man nicht so tun, als sei er ein unbeteiligter Zuschauer unseres Lebens. Ottiwell findet dagegen, dass Gott aber oft so handle, als sei er genau dies. Gott habe nichts getan, als die beiden A---lcher, die ihn immer belstigt haben, seinen besten Freund, den Teddy Balthasar, auseinandergepflckt haben, weil er sie nicht bezahlen wollte. Solche Leute glaubten gar nicht an Gott, sondern machten sich lieber ihre eigene Gerechtigkeit, aber diese Gerechtigkeit tauge nichts! Und deswegen msse eben jeder Mensch seine Gegen-Gerechtigkeit haben. Anscheinend habe aber Gott die beiden beltter jetzt doch bestraft, provoziert Kathi den Jungen. Denn, was er ihr bisher verschwiegen habe, die beiden bsen Jungen seien ja in dem Baumhaus umgekommen. Vielleicht habe es in diesem Fall aber auch eine Art Batman gegeben, der fr Recht und Ordnung gesorgt habe. Damit trifft sie ins Schwarze. Als Ottiwell sich nmlich als groer Fan des Superhelden outet, holt Kathi die Anstecknadel hervor, die sie am Ort des Brandes gefunden hat. Kathi kann sich leicht zusammenreimen, dass das Baumhaus, das abgebrannt ist, sein und Angelas Baumhaus gewesen sein muss. Ottiwell gibt es zu. Er gibt auch zu, dass er mit Patrick ber Phil und Ernie gesprochen hat, die ihn immer bedroht und schikaniert htten. Das nhrt Kathis Verdacht, auch wenn Patrick noch einmal betont, die Sache mit dem Baumhaus sei ein Unfall gewesen. Von Angela erfhrt sie spter, dass Patrick in eine ganz schwere Krise geraten sei, nachdem er wegen einer Prgelei mit Phil und Ernie Streit mit seiner Mutter gehabt hatte. Als Kathi morgens zum Pastorat kommt, sieht sie, dass jemand hssliche Drohparolen an die Fassaden geschmiert hat. Reynolds hat keine Ahnung, wer dahinter stecken knnte. Er und Kathi recherchieren im Internet und erfahren auf den Seiten der Simon-Wiesenthal-Stiftung einiges Neues: Dr. Moewig wurde 1971 in einem Waldgebiet im Segeberger Forst ermordet aufgefunden. Da Moewig als Assistenzarzt im Dritten Reich an Euthanasie-Programmen beteiligt war und mit der Ermordung von Kindern in Hamburg-Rothenburgsort in Verbindung gebracht wurde (das ergaben Ermittlungen nach seinem Tod), lag die Vermutung nahe, Moewig habe sich aus Reue das Leben genommen Informationen, die Frau Moewig aus verstndlichen Grnden fr sich behalten hat. Die polizeilichen Ermittlungen wurden rasch eingestellt. Endlich gibt es eine Verbindung Moewig - Fredericks. Kathi hingegen hat nur ein Ziel: Patrick zu finden. Wie es aussehe, msse sie dafr allerdings nach Jerusalem reisen. Mit Hilfe der Informationen, die Kathi auerdem ber Patricks Plne hat, kann Reynolds das Rtsel jedoch bald lsen. Mglicherweise habe Patrick nicht die Stadt Jerusalem, sondern das Caf Jerusalem gemeint, das in Lancaster als diakonische Anlaufstelle fr Obdachlose betrieben werde. Kathi mche sofort nach Lancaster reisen. Reynolds hlt ein Gesprch mit Dr. Fredericks fr unausweichlich. Fredericks begrt den Pastor hflich, doch kalt. Sie gehen in den Salon, dessen linke Seite komplett mit Bchern in endlosen Regalen voll gestellt ist. Reynolds wirft eher zufllig einen Blick darauf. Er findet Bcher, die blicherweise in rechtsextremen Kreisen kursieren. Beide nehmen Platz. Im Gesprch ber Gott und die Welt prallen Welten aufeinander, denn Fredericks glaubt nicht an Gott. Reynolds sprt eine gewisse Feindseligkeit, die sich noch verstrkt, als er Fragen zum Verbleib von Patrick stellt, Fredericks einzigem Sohn. Als Reynolds dann auch noch den Namen Bayer fallen lsst, verliert sein Gegenber die Geduld: Fredericks hat pltzlich keine Zeit mehr. Mit einer Einladung zum bevorstehenden Oster-Gottesdienst verlsst Reynolds das vornehme Anwesen. Als Reynolds einige Zeit spter zu Hause vom Fahrrad steigen will, strzen sich Schatten aus dem Dunkel auf ihn und schlagen auf ihn ein. Bei dem Lrm wird es hell im Anbau, dem Domizil von Frau Eliot. Mit einem Regenschirm bewaffnet kommt Frau Eliot herbeigerannt und schlgt wild auf die maskierten Angreifer ein, die berrascht die Flucht ergreifen. Der Regenschirm ist blutverschmiert. Auf Frau Eliot gesttzt, gelangt Reynolds in sein Wohnzimmer. Sie verarztet ihn. Dabei kommt es zu folgendem Dialog: Frau Eliot, Sie sind eine sehr mutige Frau. Aber kennen sie nicht das Wort unseres Herrn: Wer dich auf die linke Wange schlgt, dem halte auch die rechte hin? Na, meine Wange wars ja nicht, Herr Pfarrvikar! Ostergottesdienst in der Kirchengemeinde: Reynolds predigt ber Schuld und Shne und den Sieg Christi ber die Mchte der Finsternis. Dabei macht er einige Anspielungen, die bei Fredericks seinem Mienenspiel zufolge einigen Verdruss auslsen. Als der Gottesdienst zu Ende ist, faucht Fredericks ihn am Ausgang an: Lehnen Sie sich nur nicht zu weit aus dem Fenster, Reynolds, sonst sorg' ich dafr, dass Sie strzen! Ich bin schon gestrzt, Herr Dr. Fredericks, sieht man das nicht? Aber ich bin wieder hochgekommen! Sehen Sie, besser knnte man ja die Botschaft von Ostern gar nicht auf den Punkt bringen. berraschend schlgt Fredericks dann ein Gesprch mit dem Vikar vor. Sie verabreden sich fr 14 Uhr. Auch Kathi ist zum Gottesdienst gekommen. Sie berichtet, dass sie sich bisher nicht hat durchringen knnen nach Lancaster zu fahren. Sie hat Angst vor dem Zusammentreffen mit Patrick und den Konsequenzen. Der Vikar ermutigt sie jetzt nicht so kurz vor dem Ziel aufzugeben. Nachmittags betritt Kathi mit gemischten Gefhlen das Caf Jerusalem. berraschend steht sie pltzlich Patrick gegenber, der gerade einem Obdachlosen Tee serviert. Spontan umarmt sie ihn. Doch Patrick reagiert zurckhaltend. Kathi vermutet, das hnge mit der Baumhaus-Geschichte zusammen, an der sich Patrick womglich schuldig fhlt und erklrt, dass sie zu ihm stehen werde, egal, was er angestellt haben mag. Schlielich sei doch Vertrauen die Grundvoraussetzung fr jede Art von Beziehung. Patrick zieht sie also ins Vertrauen und verpflichtet sie gleichzeitig zur Verschwiegenheit: Das Baumhaus habe der elfhrige Ottiwell in Brand gesteckt. Und nur er, Patrick, und jetzt sie, Kathi, kennten die Wahrheit: Ottiwell hat sein eigenes Baumhaus mit Benzin getrnkt, die beiden Mrder seines Teddys Balthasar hereingelockt, ist durch die Dachluke oben hinaus, hat dann, ehe die beiden es bemerkten, unten die Luke geschlossen und dann durch ein kleines Loch ein Streichholz hineingeworfen. Kathi ist sprachlos. Kathi erfhrt auch die Wahrheit ber den Streit mit seinem Vater: Dr. Moewig, ein Kollege von Patricks Grovater, der wie dieser unentdeckt geblieben war, wollte, von Gewissensbissen geplagt, viele Jahre nach dem Krieg auf einmal alles aufdecken und wurde von Dr. Alexander Fredericks (A. F. auf dem Papierfetzen), ermordet. Patricks Grovater kehrte dazu 1971 mit der neuen Identitt als Dr. Fredericks zusammen mit Patricks Vater fr ein paar Tage nach Deutschland zurck, lockte Moewig zu einem vertraulichen Gesprch in ein idyllisches Waldstck, berwltigte ihn mit Hilfe seines Sohnes, der dort auf der Lauer lag, und erhngte ihn. William Fredericks hat sich also als Mittter schuldig gemacht. Patrick hatte schon lange eine Ahnung hinsichtlich der Nazi-Vergangenheit des Grovaters und nicht zuletzt dies war der Grund ausgerechnet in Hamburg ein Geschichtsstudium aufzunehmen. Eine Seminararbeit fhrte dann zu den Alsterdorfer Anstalten und bald hatte er Gewissheit, dass sein Grovater besagter Dr. Friedrichs war, der Kinder in den Tod schickte. Whrend des Weihnachtsurlaubs hatte er dann im unter Verschluss gehaltenen alten Rollschrank seines Grovaters einen Hinweis auf ein Wiedersehen mit Moewig gefunden und seinen Vater, nachdem er durch die Kontaktaufnahme mit Frau Moewig genug wusste, damit konfrontiert. (An die Deutschlandreise von Vater und Grovater erinnerte eine Postkarte, die ebenfalls zu den im Rollschrank gefundenen Dokumenten gehrte.) Als dieser nicht einwilligen wollte, die Sache ans Licht zu bringen oder wenigstens beim Pfarrer zu beichten, entschied Patrick, stellvertretend fr seinen Vater zur Beichte zu gehen. Sein Vater konnte ihn nicht davon abhalten. Was Patrick jedoch erst jetzt erfhrt: Es war noch ein Gesprch zwischen seinem Vater und dem alten Pastor avisiert: kurz vor dessen Todestag. Patrick fllt aus allen Wolken. Sollte der alter Pastor Opfer eines weiteren Mordes geworden sein? Klar ist Patrick schon seit langem, dass es irgendwelche dunklen Verbindungen zwischen seinem Vater und der rechtsextremen Szene rund um Charles gibt, denn zum Schein hatte er sich eine Zeitlang in diese Szene hineinbegeben. So erklren sich die Angriffe auf den Pastor und das beschmierte Pfarrhaus. Da Kathi wei, dass sich Reynolds zu dieser Zeit mit Fredericks treffen wollte, befrchten sie nun einen Anschlag auf das Leben des Vikars und brechen sofort nach Mistwater auf. Parallel zur Aussprache zwischen Patrick und Kathi findet ein Gesprch zwischen Fredericks und Reynolds statt. Der gibt sich zunchst betont freundlich und lsst Reynolds Platz nehmen. Dann serviert er ein Glas Wein. Seine Haushlterin habe heute ihren freien Tag. Reynolds konfrontiert den Doktor schonungslos mit einer Reihe von Vorwrfen. Er spricht ihn auf die merkwrdigen Bcher an, die ihm schon bei seinem letzten Besuch aufgefallen waren. Provokant erklrt Reynolds, wenn sein Gegenber Zeitung gelesen habe, dann wisse er ja, dass das Spiel mit dem Teufel selten gut ausgehe, denn die verstorbenen Jugendlichen hatten ja auch Verbindungen zu der Gruppierung rund um Charles. Dann spricht er ihn auf die vertuschte Verbrecher-Vergangenheit seiner Familie in der Nazi-Zeit an, als sich Dr. Alexander Fredericks, sein Vater, mit unlauteren Gutachten, die unschuldige Kinder in einen gewissenlosen Euthanasie-Tod trieb, bei den Nazis hochdiente. Vorwurf Nummer drei: Gemeinsam mit seinem Vater, Dr. Alexander Fredericks, habe er 1971 den reuigen Dr. Moewig kaltbltig aus dem Weg gerumt, als dieser mit seiner Nazi-Vergangenheit aufrumen wollte und damit den Ruf der Familie Fredericks gefhrdete. Lchelnd streitet Fredericks nichts von allem ab nachdem Reynolds eingewilligt hat, die Ausfhrungen als vertrauliches Beichtgesprch zu behandeln, fr das man ja in unserer Zeit nicht die altmodische Einrichtung eines Beichtstuhls mehr bentige. Reynolds durchschaut sofort, dass sein Gegenber sich durch diesen Schachzug nur gegen polizeiliche Nachforschungen schtzen will, bei denen Reynolds nicht mehr als Zeuge dienen knnte, doch er gibt ihm auch zu vestehen, dass Fredericks ihn missverstehe, wenn er glaube, dass er als Detektiv und nicht als Seelsorger hier sei. Auf das auffllige Todesdatum des Pastors Williamson angesprochen erklrt Fredericks, er wisse zwar, worauf Reynolds hinauswolle, aber er sei auf dem Holzweg: Man knne eine Exhumierung veranlassen und werde nichts finden. Der Pfarrer sei tatschlich eines natrlichen Todes gestorben. Gott selbst scheint Ironie des Schicksals im Gegensatz zu vielen Menschen kein Interesse daran gehabt zu haben, dass diese schlafenden Hunde geweckt wrden. Das eigentlich Erschtternde an dem ganzen Fall, schliet Reynolds, sei, dass ihm, Fredericks, durch seinen eigenen Sohn der Ausweg aus der ganzen Misere eigentlich sperrangelweit offen stehe: der Weg von Bue und Vergebung. Nicht das Theater, das er ihm jetzt vorspiele, sondern eine echte Bue, eine Abkehr von dem Bsen, das sich in seinem und seines Vaters Leben breit gemacht habe. So aber bedrfe es keiner Polizei und keines Richters um Fredericks zu richten. Das Verbrechen berge ja den Keim der Zerstrung und Zersetzung des Lebens in sich und Fredericks habe sich durch seinen glaubenslosen Lebensentwurf selbst auf ewig von Seelenfrieden und gttlichem Segen abgeschottet, die die Grundvoraussetzung fr ein gelingendes Leben seien. Das habe gewiss auch sein Vorgnger ihm vorschlagen wollen. Jesus, so Reynolds, stt nie jemanden hinaus, der zu ihm kommt, auch nicht, wenn seine Hnde von Blut triefen. Denn nur so knne der Teufelskreis des Bsen durchbrochen werden. Fredericks und sein Vater aber htten sich selbst hinausgestoen ins Verderben. Und so habe das Bse immer wieder Bses gezeugt bis hin zum bitteren Ende. Kathi und Patrick kommen schlielich besorgt in Mistwater an, stellen aber erleichtert fest, dass es Reynolds gut geht. Dann suchen sie Ottiwell auf, der weinen muss, weil die Mtter der beiden Getteten mit Bildern in der Zeitung gestanden htten. Kathi und Patrick gehen am Dorfrand spazieren und berdenken ihre Beziehung. Patrick ist entschlossen den mit Gott neu begonnenen Lebensweg konsequent fortzusetzen und mindestens ein Jahr im Caf Jerusalem zu bleiben. Er kann sich selbst im Hinblick auf die Beziehung, die sie bisher miteinander hatten, den Vorwurf nicht ersparen, dass vieles von seiner Seite her egoistisch und unaufrichtig gewesen sei. Er empfinde es heute beispielsweise als verlogen, dass er mit ihr zusammengelebt habe, aber nicht einen Gedanken daran gehabt htte sie zu heiraten. Er sei ihre Beziehung berstrzt und ohne den ntigen Ernst eingegangen und er schulde ihr mehr als das. Irgendwann werde Jesus aus ihm, so hoffe er, einen Menschen gemacht haben, der es verdiene, von ihr geliebt zu werden, und dann werde er sich freuen ihr ganz neu begegnen zu drfen. Kathi bekommt eine Ahnung von dem, was es heit durch den Glauben zu einem anderen Menschen zu werden. Sie muss weinen. Mit einer Umarmung nehmen sie Abschied voneinander. Als Kathi im Flugzeug nach Hamburg sitzt, hat sie zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefhl etwas zu verstehen von dem, was Patrick meinte, als er sprach von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes... ----- Fallender Engel (nach Schillers Trauerspiel Kabale und Liebe) Kurz-Treatment fr einen Spielfilm (90 Min.) (= Anlage 2) Kategorie: Drama/Thriller 2004 by D. Mehrens Anlage 1: bersicht Personen: Fredo Aksan, 27 Jahre, Student, leidenschaftlich, berschwnglich, zuweilen jhzornig, ein echter Draufgnger Erol Aksan, 50 Jahre, sein Vater, reicher, trkischstmmiger Geschftsmann mit Verbindungen zur Unterwelt, neigt wie sein Sohn zu emotionalen Ausbrchen Luisa Mller, 20 Jahre, Studentin der Musikwissenschaften, sehr gottesfrchtig Berthold Mller, 50, Luisas Vater Elisabeth Mller, 45, Luisas Mutter Alessandro Vermino, 30, Erol Aksans rechte Hand Martin Latour, 30, Journalist, Studienfreund von Fredo Miranda Girone, genannt Lady M., 35, einflussreiches Luxus-Callgirl Elvira, 20, ihr Zimmermdchen Emanuel Reich, 22, hoch verschuldeter Studienkollege von Luisa Ort und Zeit der Handlung: eine deutsche Grostadt, Gegenwart Kurzfassung des Inhalts: Fredo, Sohn eines ebenso mchtigen wie kriminellen Unterweltknigs, und Luisa, Musikstudentin, lieben sich. Fredos Vater Erol hat jedoch andere Plne mit seinem Sohn: Er soll dem Edel-Callgirl Lady M., die Beziehungen zu den hchsten Kreisen unterhlt und unsterblich in Fredo verliebt ist, das Ja-Wort geben. Als Fredo gegen seinen Vater aufbegehrt, schmiedet der gemeinsam mit dem gewissenlosen Vermino, der selbst hiner Luisa her ist, einen hinterhltigen Plan, der das Glck der Liebenden zerstrt. Kraftvoll, dynamisch, fesselnd Kabale und Liebe zeigt Schiller at his best und diese temporeiche Neuinszenierung 200 Jahre nach seinem Tod die unverbrauchte Frische des zeitlosen Klassikers. Ein Drehbuch mit dem Potential zum Kassen- und Kultur-Knller! Im Anschluss an das Expos das zweite Bild des Films: Fredo holt Luisa von der Kirche ab um sie zum Essen auszufhren... Im Anhang: Kurzbiografie des Autors und die Erklrung zu den Rechten Bro von Martin Latour Martin legt Fredo eindeutige Beweise vor, die enthllen, dass sein Vater vor einigen Jahren in eine schmutzige Affre verwickelt war, bei der ein einflussreicher Bankier ermordet wurde. Der Bankier wollte offenbar aus einem Schiebergeschft aussteigen und wurde liquidiert. Im Ferrari/auf der Strae Fredo saust im Ferrari durch den Sonntagmorgen-Verkehr, trumt und singt von Luisa darber TITELEI. Eingang vor einer Kirche Luisa kommt aus dem Sonntagsgottesdienst und wird von Fredo strmisch mit Blumen berrascht. Luisas Gefhle sind gemischt: Sie findet, dass er ihr hier nicht auflauern sollte, solange er, ein nicht-praktizierender Moslem, sie und ihre religisen Gefhle nicht ernst nehme. Doch mit seinem Charme und seiner guten Laune gewinnt Fredo rasch Luisas Sympathie und kann sie berreden mit ihm in eine Pizzeria zu gehen, wo man noch nicht mal bezahlen msse, da sein Vater das Restaurant gekauft habe. Luisa, die eigentlich zum Essen bei ihren Eltern erwartet wird, lsst sich berreden. Zu Hause bei Familie Mller Aksans rechte Hand Vermino besucht die Mllers. Ziel des Besuchs ist es, frmlich um die Hand der Tochter anzuhalten, obwohl die noch gar nichts von ihrem Glck wei. Vermino erklrt, er stamme eben aus einer sehr konservativen italienischen Familie, in der Traditionen und Umgangsformen gepflegt wrden. So gelte es zuerst das Einverstndnis der Eltern zu gewinnen und dann das Herz der Angebeteten. Whrend der Vater den Auftritt Verminos fr eine Farce hlt, ist Frau Mller vom Auftreten und den Manieren des jungen Mannes sehr angetan. Luisas aktueller Freund Fredo dagegen sei doch ein Windbeutel und von den Geschften seines Vaters hre man auch nicht nur Gutes. Kurz nach dem Verschwinden Verminos tauchen Luisa und Fredo gemeinsam im Haus der Familie Mller auf. Fredo versichert beide Eltern seiner ernsten Absichten. Der Vater bringt vorsichtig bestimmte Gerchte hinsichtlich der Geschfte seines Vaters zur Sprache, woraufhin sich Fredo mit aller Entschiedenheit von seinem Vater distanziert. Ja, er sei sogar mit einem jungen Journalisten befreundet, der dabei sei, die unlauteren Geschfte des Vaters zu enthllen. In Aksans Villa Aksan unterrichtet Vermino davon, dass er fast am Ziel seiner Trume sei: Wenn es gelnge seinen Sohn Fredo mit Lady M. zusammenzubringen, die ja ganz versessen auf Fredo sei (sie haben einmal auf einem Ball miteinander getanzt), msse er sich um die Protektion seitens einflussreicher Politiker nie wieder Sorgen machen. Doch Vermino warnt: Momentan drohe Gefahr aus einer ganz anderen Richtung. Der Journalist Martin Latour sei nach Verminos Informationen einigen dunklen Machenschaften Aksans von frher auf die Schliche gekommen und drohe alles zu enthllen. Vermino zeigt Bilder, die er heimlich bei der Observation Latours gemacht hat: Sie zeigen den Journalisten im Gesprch mit Leuten, die in die Affre damals verwickelt waren. Aksan reagiert mit einem Wutausbruch. Sein Befehl ist eindeutig: Liquidieren! Vermino gibt zu bedenken, dass der Journalist ein Studienfreund seines Sohnes Fredo sei. Wenn er herausfinde, wer Latour umgebracht habe, knne das fr einige Irritationen sorgen. Doch das bestrkt Aksan eher noch in seinem Entschluss. Als Fredo bei seinem Vater auftaucht, ist die Begrung zunchst noch herzlich, doch dann berrascht Aksan seinen Sohn mit der Ankndigung, er habe ein Rendezvous fr ihn arrangiert: Morgen um acht sei er im Hotel Atlantic der Gastgeber der reizenden Miranda Girone. Fredo reagiert emprt und regt sich ber Mirandas schlechten Ruf auf. Aksan benutzt eine List um zu zeigen, dass sein Sohn ganz andere Probleme als solche der Moral hat. Er teilt ihm mit, dass die Auserwhlte eine ganz andere sei, die Tochter eines Staatssekretrs mit ausgezeichnetem Ruf. Als sich Fredo wieder weigert, ist er durchschaut: Er liebe offensichtlich eine andere, doch er habe sich geflligst den Wnschen und Interessen seines Vaters unterzuordnen. Die beiden scheiden im Streit voneinander. Auf der Strae Missmutig verlsst Fredo am nchsten Morgen im flotten Ferrari das Domizil seines Vaters, als er einen Anruf von Martin bekommt. Dem ist irgendwie unwohl zumute. Vielleicht sei alles nur Einbildung, aber er habe das Gefhl von einem Typen belauert zu werden. Er habe das pockennarbige Gesicht mit einem Muttermal auf der Stirn jetzt schon zum wiederholten Male an verschiedenen Orten gesehen. Fredo stutzt und lsst sich den vermeintlichen Verfolger nher beschreiben. Rasch wird klar, dass es sich um Vermino handelt. Fredo rt Martin eine Telefonzelle aufzusuchen und von dort Luisas Nummer anzurufen, weil Vermino sie vielleicht gerade abhrt. Er selbst sei eben auf dem Weg zu Luisa um mit ihr zu frhstcken. Martin legt auf und besteigt seinen Wagen. Als Martin die Zndung bettigt, explodiert das Auto. Bei den Mllers Fredo trifft bei Luisa ein, die die ganze Situation nicht versteht. Fredo weiht sie in die Plne seines Vaters ein, versichert sie aber seiner bedingungslosen Liebe und Treue. Der Anruf von Martin bleibt aus. Aus dem Radio erfahren die beiden von dem tdlichen Anschlag auf Martin. Gemeinsam fahren sie zur Universitt. Im Hotel Atlantic Beim gemeinsamen Abendessen erklrt Miranda, ganz verfhrerische Dame, Fredo ihre vorbehaltlose Liebe und versucht ihn mit der Aussicht auf Sex wie von einem anderen Stern zu gewinnen. Aber Fredo raubt ihr sofort alle Hoffnung und wirft ihr auerdem ihren kriminellen Vater sowie ihren Lebenswandel vor. Miranda gelingt es jedoch Fredo davon zu berzeugen, dass sie beide gewiss eines gemeinsam haben: Mnner, mit deren Handlungsweise sie ganz und gar nicht einverstanden sind. Wie oft habe sie versucht solche Mnner, wenn sie mit ihr im Bett lagen, von kriminellen Aktionen abzuhalten, wenn sie davon Wind bekommen habe! Und wer knne es ihr bel nehmen, wenn sie auf der Suche nach der wahren Liebe viele Irrwege beschritten habe, die ihr aber um so klarer gemacht htten, was echte Liebe sei und fr wen sie so empfinde... Diesen vllig unerwarteten Zugestndnissen zum Trotz weist Fredo Miranda ab, weil er eine andere liebe. Bei Aksan Vermino muss berichten, dass die belastenden Dokumente nicht aufgetaucht sind, obwohl er die Wohnung des ermordeten Journalisten grndlich durchsucht hat. Der Spitzel in der Zeitungsredaktion habe auch nichts finden knnen. Aksan hofft jetzt wenigstens das Problem mit seinem Sohn lsen zu knnen: Wenn er dieses Mdchen, diese Luisa, wirklich liebe, dann msse man jetzt etwas dagegen unternehmen. Bei Familie Mller Luisa wundert sich ber einen anonymen Brief. Einziger Vermerk: fr meinen Freund Fredo. Gerade will Fredo den Brief ffnen, da dringen Aksan und Vermino in die Wohnung ein um ein fr allemal klar zu machen, dass aus der Liebe zwischen Fredo und Luisa nichts werden knne. Es kommt zum Streit mit dem alten Mller, der, obwohl er Angst hat vor dem zwielichtigen Aksan, diesen des Hauses verweisen will. Als Vermino daraufhin die Pistole zckt und Luisas Vater und Mutter offen bedroht, enthllt Fredo das Geheimnis der Schlssel, die er soeben aus dem Umschlag geholt hat: Die Schlssel gehren zu einem Schliefach. Und in dem mssten sich ja uerst belastende Beweise befinden, dass man seinen Freund Martin deswegen habe umbringen mssen! Werde dem Ehepaar Mller oder Luisa auch nur ein Haar gekrmmt, knne sein Vater sicher sein, so Fredo, dass er die Beweise hchstpersnlich der Polizei aushndigen werde. Kalt lchelnd fragt Aksan, wer denn von Gewalt gegen die Mllers spreche. Es gebe doch noch ganz andere Wege. Er verabschiedet sich und auf einen Wink Aksans hin zwingt Vermino das Ehepaar Mller mit ihnen zu kommen. Luisa und Fredo bleiben hilflos zurck. Fredo bekrftigt noch einmal, dass man sich auf keinen Fall unterkriegen lassen drfe. Ihre Liebe sei ewig und unzerstrbar; wenn sie nur daran festhielten, werde alles gut! Vermino und Aksan gehen im Park der Villa spazieren Der nchste Morgen: Vermino heckt einen neuen Plan aus: Solange die beiden Liebenden sich ihrer Liebe sicher seien, wrden sie zusammenhngen wie Pech und Schwefel. Dagegen sei kein Kraut gewachsen, doch eine List knne sie auseinanderbringen. Man habe schlielich immer noch die Eltern, die sich an einem sicheren Ort befnden, als Druckmittel! Er, Vermino, werde Luisa zwingen einen Anruf mit lauter Liebesschwren bei Emanuel Reich zu ttigen, einem Studienkollegen von Luisa, der Aksan wegen seiner horrenden Spielschulden in einem von Aksans Casinos, vllig ausgeliefert sei. Luisas Anruf, dafr werde er schon sorgen, werde von Reichs Anrufbeantworter aufgezeichnet werden und das Band Fredo auf sicherem Wege zugehen. Nach dem Schock werde es sicher kein Problem mehr sein Fredo zu berzeugen in eine Ehe mit einer Frau einzuwilligen, die ihn wirklich liebe. Am Bahnhof/Auf der Strae Fredo ffnet das Schliefach mit den belastenden Unterlagen und fhrt mit dem Auto in Richtung Stadtausgang davon. Rasch bemerkt er einen Verfolger, kann ihn aber durch einen provozierten Unfall unschdlich machen: Der Mann rast gegen einen Baum. Fredo schleift den verletzten Mann aus dem Auto, erkennt in ihm einen Mitarbeiter seines Vaters und verprgelt ihn mit unntiger Brutalitt. Bei den Mllers/Waldhtte Das Ehepaar Mller ist unversehrt wieder zu Hause eingetroffen und Luisa verstndigt Fredo, der dabei ist, die geheimen Unterlagen in einer Waldhtte zu verstecken, durch einen Anruf auf seinem Mobiltelefon sofort davon. Beide sind voller Zuversicht, dass ihrer Liebe jetzt nichts mehr im Weg stehen knne. Doch kaum hat Luisa aufgelegt, steht Vermino vor ihr. Er bittet sie unter vier Augen mit ihr sprechen zu drfen und macht klar: Fr die Rettung der Eltern erwarte er eine kleine Geflligkeit ihrerseits: In einem vertraulichen Gesprch mit Luisa, in dem er seine Gefhle fr sie nur mit Mhe unterdrcken kann, gelingt es Vermino sie zu berzeugen, dass ihre Eltern erst dann dauerhaft in Sicherheit sein werden, wenn sie die folgende Nummer anrufe und den folgenden Text auf Band spreche: Geliebter, meine Eltern sind wieder frei! Aber da ist noch diese andere Sache, die mir auf der Seele liegt: Wie lange noch soll ich diese Komdie spielen? Wre nur schon alles vorbei! Ich liebe dich, ich brauche dich! Oh, Emanuel, ruf mich zurck, sobald du da bist, ja? Nur mit uerstem Widerwillen gelingt es Luisa den Text berzeugend zu sprechen. Zum Schluss muss sie noch auf die Bibel schwren nie zu verraten, dass sie den Anruf nur unter Druck gettigt hat. Unfallstelle/Villa Aksan Der von Fredo verprgelte Mann meldet sich telefonisch bei Aksan und teilt ihm mit, was passiert sei. Aksan errt, dass sein Sohn auf dem Weg zu der Waldhtte ist, die der Familie gehrt. Er beschliet sofort dorthin zu fahren. Waldhtte Aksan zndet die Waldhtte an. (Fredo ist unterdessen schon wieder mit dem Auto unterwegs.) Bei Emanuel Reich Vermino hrt sich mit sichtlichem Vergngen die Aufnahme an und nimmt das Band an sich. Postamt Fredo gibt umfangreiche Sendungen auf, die er hektisch beschriftet. Villa Aksan Als Fredo nach Hause kommt, wartet Vermino bereits auf ihn: Er spielt ihm hhnisch lchelnd das Band mit Luisas Liebesschwren vor. Auer sich vor Wut schlgt Fredo Vermino nieder und erwrgt ihn fast. Aber Vermino behlt die Nerven: Warum schlage er denn den Postboten fr den Inhalt der Sendung? Wenn er ihm nicht glaube, knne er ja selbst mit den beiden Liebenden sprechen und sich berzeugen, ob etwas dran sei an der Sache. In Lady M. Appartement In ihrer Verzweiflung hat Luisa ihre vermeintliche Nebenbuhlerin aufgesucht und bittet sie Fredo freizugeben. Miranda reagiert zunchst khl und berheblich. Erst als sie sieht, wie echt Luisas Liebe zu Fredo ist und wie erbrmlich ihr Werben um einen Mann, der sie ja doch verschmhen muss, ndert sie ihre Meinung: Sie umarmt Luisa und betrachtet sie als ihre Leidensgenossin. Schlielich seien beide demselben Mann verfallen. Nachdem Luisa gegangen ist, befiehlt sie ihrem Zimmermdchen die Koffer zu packen. Mit dem korrupten Milieu, in dem sie reich geworden ist, will sie nichts mehr zu tun haben: Sie habe eine Zusage von einer amerikanischen Universitt und jetzt halte sie nichts mehr in diesem Lande. Bei Emanuel Reich Gleichzeitig findet eine wenig erbauliche Unterredung zwischen Fredo und Emanuel statt. Nachdem Fredo ihn verprgelt hat, keucht Emanuel, er sei nur das Opfer einer Intrige: Er sei gezwungen worden bei diesem abgekarteten Spiel mitzumachen, weil er Spielschulden habe. Und Luisa sei wohl auch gezwungen worden, erwidert Fredo hhnisch. Darber wisse Emanuel nichts, er vermute aber ja. Fredo verweist indes auf den Zeitpunkt des Anrufs, der digital gespeichert wurde: eine halbe Stunde, nachdem ihre Eltern wohlbehalten nach Hause zurckgekommen seien und kein Mensch mehr etwas als Druckmittel gegen sie in der Hand gehabt habe. In ihrer Freude habe Luisa wohl gleich beide angerufen: erst den alten Liebhaber um der lstigen Pflicht Genge zu tun und dann den neuen! Kurzum, Fredo, in seinem wilden Rausch aus Wut und Eifersucht, glaubt nicht an eine Intrige. bel zugerichtet bleibt sein vermeintlicher Nebenbuhler zurck. Es wird deutlich, dass Fredo jetzt zum uersten fhig ist. Villa Aksan Fredo kramt in der Hausapotheke und nimmt ein geheimnisvolles Flschchen an sich. Bei den Mllers Sein nchster Weg fhrt Fredo zu Luisa. Sie scheint erleichtert ihn zu sehen, doch er reagiert khl, fordert sie auf mit ihr einen Ausflug zu machen. Im Wagen Im Auto spielt er ihr das Band vor und fragt, ob sie das sei, die da spreche. Sie kann es nicht leugnen, windet sich, bringt es aber auch eingedenk ihres Schwures nicht fertig die Wahrheit zu sagen. Fredo gibt in selbstmrderischer Absicht Vollgas und rast mit der konsternierten Luisa ber die Landstrae. Luisa, die ahnt, dass sie dem Tod ins Angesicht blickt, fhlt sich nun an irdische Eide nicht mehr gebunden. Sie erklrt in knappen Worten, wie es zu der Aufnahme kam. Zu spt: Fredo strzt sie beide in einen Abgrund. Er hofft sie in der anderen Welt wiederzutreffen, falls Gott bereit sei ihm seine Snden zu vergeben. Eine Kiesgrube (Unfallort) Die Mllers, Fredos Vater und Vermino kommen zu spt an den Tatort (Fredo hatte seinem Vater auf der Mailbox die Nachricht hinterlassen, wo man seine sterblichen berreste werde finden knnen). Zuvor war Aksan verzweifelt bei Luisas Eltern aufgetaucht. In seinem Gefolge: Vermino, der immer noch hofft Luisa fr sich zu gewinnen, nachdem zwischen ihr und Fredo alles aus ist. Gemeinsam finden Sie nun das Autowrack. Luisa ist tot, Fredo liegt in den letzten Zgen. Die Kraft reicht aber noch aus um dem Vater mitzuteilen, dass die belastenden Dokumente lngst auf dem Weg zu Presse und Staatsanwalt seien. (In der Waldhtte lagen nur Kopien.) Wutentbrannt beschimpft daraufhin Aksan Vermino und beschuldigt ihn der Urheberschaft aller Intrigen. Dieser verwahrt sich dagegen und droht mit der Kronzeugenregelung, die Aksan ein fr allemal das Handwerk legen werde. Ehe die von Vater Mller verstndigte Polizei eintrifft, erschiet Aksan Vermino in einem Wutausbruch. Mit der Waffe in der Hand starrt er fassungslos auf seinen toten Sohn, whrend drauen das Martinshorn lauter wird. Anlage 3: Dialogprobe (aus Szene 2) LUISA: Du solltest lieber selbst mal in einen Gottesdienst kommen anstatt mir hinterher aufzulauern. Wrde dir gut tun. FREDO: Goldstck, du weit doch, ich bin Moslem. Moslems gehren in Moschee, nicht in eure heiligen Kirchen. LUISA: Aber in die Moschee gehst du ja auch nicht. FREDO: Ich und Gott das ist besondere Beziehung, hier (er klopft sich aufs Herz) Gott ist tief hier drin. Und du bist gleich nebenan, ungefhr (er tastet sich mit den Fingern auf seiner Brust nach rechts) hier! LUISA (lchelt): Trotzdem was der Herr Pfarrer heute gepredigt hat, geht alle an. Das wre fr dich auch interessant gewesen. Es ging darum, dass es im Leben jedes Menschen Dmonen gibt, die ihn jagen. In der Bibel gibt es eine Geschichte, wo ein Mann von ganz vielen Dmonen besessen ist und Jesus treibt sie aus und sie fahren in eine Herde von Suen. FREDO: Das ist ganz einfach zu verstehen, Goldstck: Jesus wollte zeigen: Der Typ da, das warne ganz arme Sau war das! LUISA: Ja, aber irgendwo ist jeder Mensch eine arme Sau. Weil sein Dmon ihn drangsaliert und ohne dass er sich dagegen wehren kann, strzt er ihn am Ende ins Unglck. Fr die einen ist es, dass sie zu geldgierig sind... FREDO: Mein Vater... LUISA: ...ein anderer ist stndig hinter Frauen her und kann nie treu sein... FREDO: Kenn ich! Das Problem hatte ich frher auch mal, aber seit ich dich kenne, ist Dmon verschwunden, spurlos! LUISA: Oder jemand leidet an Depressionen, weil er mit irgendwas nicht fertig wird. Und das wird ihm am Ende zum Verhngnis und vielleicht nicht nur ihm... Wusstest du, Fredo, dass der Teufel frher ein Engel war? FREDO: Was, Teufel? Der Sauhund! LUISA: Aber als er mit Gott konkurrieren wollte, hat Gott ihn fallen lassen, ihn aus dem Himmel gestrzt. Und jetzt benutzt er seine Macht und seine Dmonen, damit Menschen wie dir und mir genau das gleiche passiert wie ihm einst. Was glaubst du, Fredo, was ist dein Dmon? FREDO: Das ist ganz klar: Du bist mein Dmon, Goldstck! Mein groes Problem ist, dass ich viel zu verliebt in dich bin und kaum noch einen Schritt ohne dich machen kann. Und wenn ich dich drei Stunden nicht gesehen habe, dann habe ich sie auch, diese... diese Depressionen, klar! Aber dann ist da noch anderer Dmon in mir, der knurrt immer unheimlich manchmal, sag ich dir. Da! Hast du gehrt? (Er zeigt auf seinen Magen.) LUISA: Ach, du nimmst mich nicht ernst, Fredo. Immer musst du alles ins Lcherliche ziehen. FREDO: Nee, ganz im Ernst, Goldstck, da drin ist Dmon, der knurrt wie verrckt. Aber Fredo wei, wie man mit solchen Biestern fertig wird. Dem werd ichs zeigen! Kommst du mit? LUISA: Wohin? FREDO: Knurrenden Dmon austreiben. In der Pizzeria del Angelo. Mssen wir nicht mal bezahlen. Mein Alter liebt die Pizzas dort, deswegen hat er den Laden gekauft! LUISA: Aber ich habe meinen Eltern versprochen, dass ich heute Mittag bei ihnen zum Essen bin. Ich esse ja sonst immer in der Uni-Mensa, nur heute, am Sonntag... FREDO: Luisa, du bist gute Christin, ja? LUISA: Ja, ich versuchs... FREDO: Ich frage dich: Kann gute Christin zusehen, wie jemand von knurrendem Dmon belstigt wird, obwohl es ganz leicht wre, das Vieh loszuwerden? Das mssen deine Eltern doch verstehen, das ist Christenpflicht da zu helfen! (Er zieht sie an sich und ksst sie.) Falling Angels (based on the play Love and Intrigue by F. Schiller) In the tradition of Ten Things I Hate about You and Cruel Intentions another stunning high-speed interpretation of a classic play! Characters: Fredo Aksan, 27, student, choleric and passionately in love with Luisa MILLER Erol Aksan, 50, his father, corrupt entrepreneur Luisa MILLER, 20, student of music, strong believer Burt MILLER, 50, Luisas father Elizabeth MILLER, 45, Luisas mother Alessandro Vermino, 30, Erol Aksans right-hand man, Italian roots Martin Latour, 27, journalist, became Fredos friend during studies Miranda Girone, called Lady M, 35, call-girl having most influential lovers Evita, 20, her chambermaid George Bergman, 22, Luisas student colleague, desperately in debt Time and place: present; a modern western city Plot Outline: Fredo Aksan is the only son of an influential businessman of Turkish origin closely linked to Mafia activities. Being in love with Luisa, a music student who has strong faith in God, Fredo gets in big trouble with his father Erol, who wants him to marry Lady M, a first-class call-girl with many influential clients, and, at the same time, deeply in love with Fredo. In order to force his son to accept the liaison Erol Aksan first threatens to harm Luisas parents. Fredo furiously launches a direct counter-attack by menacing to publish a file on some of his Dads sordid business affairs, which his friend Latour, a journalist, has put together and given to Fredo shortly before his sudden death (evidently caused on Aksans command). After the failure of this first attempt to reach his goals, Aksans right-hand man Vermino, who himself aspires to marry Luisa, forges an intrigue to convince Fredo that Luisa has been unfaithful to him: Vermino has had Luisas parents abducted to a secret place and menaces to do them harm. Thus Luisa accepts to speak words to another lover (her student colleague George) recorded as a mailbox message by Vermino. When Vermino presents this message to Fredo, the latter loses his temper, rushes to Georges place and, in an outrage, almost kills him ignoring Georges explanations that he was forced by gangsters to play his role in the game. Fredos next stop is at Luisas. Claiming to take her out on a short car trip he wantonly causes a suicidal accident killing Luisa, who only in the very last moment can reveal the truth to her lover. Both die. Since Fredo has beforehand sent the evidence concerning his fathers crimes to a newspaper, Erol Aksan, already struck with grief on account of his sons lethal accident, is completely ruined, and with rage shoots Vermino. Scene 2 Parking lot in front of the Aksans villa FREDO JUMPS INTO HIS FERRARI AND DRIVES OFF WITH SQUEAKING TIRES. MUSIC PLAYING FROM HIS CAR RADIO. FREDO: And now, were gonna surprise our most beloved, beautiful, bellissima Luisa. Luisa, Im coming! Im coming to get you out of Gods claws, for even God couldnt hold you if love is as strong as mine is for you. Luisa, Im coming. THE RADIO PLAYS A FAMOUS GOSPEL SONG, FREDO SINGS IT, FOLLOWING THE ORIGINAL LYRICS, BUT ALWAYS REPLACES JESUS BY LUISA. Scene 3 Parking lot of Christ Church FROM THE PARKING LOT, THERE IS A FOOTWALK LEADING, THROUGH A ROW OF TREES, UP TO THE OLD CHURCH BUILDING. FREDO ARRIVES IN HIGH SPEED AND BRAKES VERY SUDDENLY. THEN HE JUMPS OUT OF THE CAR. CHURCH BELLS ARE RINGING. Scene 4 In front of Christ Church LOTS OF PEOPLE COMING OUT OF THE CHURCH. LUISA IS SHAKING HANDS WITH THE PARSON AT THE PORTAL AND ALL OF A SUDDEN DISCOVERS FREDO IN THE CROWD. SHE TRIES TO IGNORE HIM AND WANTS TO CONCENTRATE ON THE PARSON STILL TALKING TO HER, BUT SHE CANNOT HELP GLANCING AT FREDO BRIEFLY. THEN FREDO APPROACHES HER, TAKES HER HAND AND TAKES HER AWAY. FREDO: Excuse me, Reverend, Luisa has a very urgent meeting. She promises to be back next Sunday. FREDO AND LUISA GO DOWN THE CHURCH ALLEY LEADING TO THE PARKING LOT. LUISA: You should rather come to a service yourself instead of kidnapping faithful visitors. Youd profit enormously from Gods word. FREDO: Honey, you know: me Muslim, me cannot go Christian service, me go mosque! LUISA: Are you telling me that you have ever seen the interior of a mosque? FREDO: Well, maybe as a child. I cant remember. Must have been very, I mean, veery young. But, now, you know, me and God, thats a very special kind of relationship. (HE PUTS HIS HAND ON HIS HEART.) Here, God is deep down inside here. And you are his direct neighbour, lets say, about here. (HE POINTS TO A CLOSE-BY PART OF HIS CHEST.) Isnt that great, having God directly in you neighborhood? LUISA (SMILING): However what the Reverend preached today would have been of equal importance to you. His sermon was about the demons inside. Every man, he said, has got demons that haunt him. In the Bible, there is the story of a man who is possessed by a legion of demons and the Lord Jesus all chases them away and they move into a herd of pigs. FREDO: Thats easy to understand, honey, Jesus wanted to show that that guy was a really poor pig. LUISA: Yes, but somehow, were all such a poor pig. Every man is a poor pig because of the demon that vexes him and without his being able to do anything against it he will ruin him at last. Some may be too greedy and thats the demon causing them trouble FREDO: Daddy LUISA: another one cannot keep his eyes form any girls bosom, when he passes her FREDO: I know that, I know that kind of problem. I suffered from that, too. But since I met you, I really dont know how, but this demon disappeared, no trace, really! LUISA: Or someone suffers from depressions because there is something in his past he cannot get rid of, and at last it destroys him, and not only him Did you, as a Muslim, know that the devil was an angel, before? FREDO: What? That sucker! He shall go to hell! LUISA: Thats where he went. God let him fall out of the heavens and now, he uses his power and his demons so that humans like you and me experience the same downfall as he once did. Fredo, what do you think is a demon? FREDO: There is no doubt about that: you are my demon, honey, cos I am haunted by you and there is no step I can go without you. And not having seen you for more than two hours makes me crazy and I also start suffering from these these depressions you just mentioned. Its a horror! And, man, then there is that other species of demon thats really up to killing me sometimes. And he makes this very strange, very scary noise. I tell ya, thats spooky, girl! (Suddenly, he looks very bewildered.) Listen! Have you heard that? (HE POINTS AT HIS STOMACH.) There! Again! LUISA: You do not take me seriously, Fredo, you always have to turn everything into ridicule. FREDO: No, I am serious, honey, really! There inside is a demon and it roars like crazy. But, man, Fredo knows how to deal with these beasts! I will give it to him, I will! You wanna come with me? LUISA: Where? FREDO: Exorcise roaring demon! In the Pizzeria del Angelo. We even do not need to pay anything. My Daddy bought the whole thing because he loved the pizzas over there so much! LUISA: But I promised my parents that I would come for lunch today. You know that I do not see them regularly any more during the week. Only on Sunday FREDO: Luisa, you are a good Christian, arent you? LUISA: Well, I try FREDO: I honestly ask you: Can a good Christian stand close to someone being vexed by a demon and do nothing although it would be extraordinarily easy for her to cast that beast out? I am sure your parents will understand that its your duty to help in such a situation! (HE DRAWS HER NEAR AND KISSES HER.) Scene 5 Millers living room MR. AND MRS.MILLER ARE SITTING IN THE LIVING-ROOM WITH VERMINO, WHO IS SMOKING A SMALL CIGAR. MILLER: Well, Mr. VERMINO: Vermino, sir. MILLER: Well, Mr. Vermino, let me repeat to check whether I understood it all well. You have come here to ask my daughters hand, but she doesnt even know? VERMINO: I beg you to understand that I come from a very traditional family. In my little hometown in Italy, it is still the habit to ask the parents permission before you undertake further steps Mrs. MILLER: But does she love you? As far as I know she is still dating this young VERMINO (INTERRUPTING): Love, dear Mrs. Miller, to my mind, is like a flower: In spring, its still a green, immature bud you wouldnt even bother to look at, but you give it some time, water it regularly and let the nice, warm spring sun shine upon it and it will become a beautiful blossom MILLER: But right now, the flower doesnt even have a stem, right? VERMINO: Well, at least there is fertile ground it can ideally grow in, sir! You ought to be informed that I am not a poor man, sir, and, due to my position within Greyshell Inc. can grant your daughter a highly recommendable standard of commodities. I think we should just give it a try. Mrs. MILLER: But she has no idea? VERMINO: Not yet, Mrs. Miller, not yet! But your permission and, above all, your precious support in this matter granted, I will not hesitate one second MILLER (ABRUPTLY): I have to confess, Mr. Vermino, that a lover who needs the help of the chosen girls parents to assure his loves devotion does not inspire me with the least amount of trust. VERMINO: Well, I deign to suppose that the name of Mr. Erol Aksan, whom I have the honor to serve as personal advisor, might then inspire you with a little more trust MILLER: All I know about Mr. Aksan rather tends to enforce the bad impression I have been getting since you entered my house. Wasnt there a very sordid affair, some years ago, of political corruption and Mr. Aksans name closely linked to it? And havent there ever since remained some ineffaceable stains on his vest? VERMINO: At any rate it is true that Mr. Aksan is a very influential personality and that it is worth having him on ones side and not against oneself. MILLER: Are you threatening me, Mr. Vermino? VERMINO: No way, Mr. Miller. I just wanted to make sure you know exactly whom you have in front of yourself. MILLER: Well, I think I know this now, Mr. Vermino, and I tend to say good-bye after we Mrs. MILLER: I think it could be reasonable just to let Mr. Vermino MILLER (VIOLENTLY TO HIS WIFE): Cut it down, Liz! And you Mr. Vermino better take your leave the sooner the better. VERMINO IS GETTING UP AND GOES TO THE DOOR. MR. MILLER FOLLOWS HIM. MRS. MILLER, REMAINING SEATED, TURNS TO THEM. VERMINO: I think I dont have to add anything, anyway. Just think things over in tranquility. Farewell, Mr. Miller (BOWS) Mrs. Miller ----- Das Baumhaus Expos fr einen Spielfilm Kategorie: Sozialdrama/Krimi von Didier Personen Felix Meiner, 12 Jahre, Schler Annett Meiner, 34 Jahre, Journalistin, seine Mutter Detlev Greve, 38 Jahre, ihr Kollege Angelika Hbner, 13 Jahre, Schlerin Rdiger Pauli, 15 Jahre, Schler Jrgen Scheidt, 15 Jahre, Schler Ort und Zeit der Handlung: Anfang der neunziger Jahre in einer greren ostdeutschen Stadt (z. B. Chemnitz). Handlung im Abriss: Der zwlfjhrige Felix kommt nach dem Umzug seiner Mutter an eine neue Schule und hat Schwierigkeiten sich an die vernderte Situation zu gewhnen. Zwei ltere Schler erpressen und schikanieren Felix. Einziger Halt sind seine Mitschlerin Angelika und ein zufllig gefundenes Baumhaus. Als Felix durch verschiedene Faktoren in eine Krise gert, als deren Hauptursache er die beiden feindlichen Mitschler sieht, lockt er diese in sein Baumhaus und zndet es an. Die Jungen verbrennen. Angelika und Detlev, ein Freund seiner Mutter, finden die Wahrheit heraus und schweigen. 1 Felix ist zwlf Jahre alt und erlebt gerade die schwerste Zeit seines Lebens. Nach der Scheidung seiner Eltern lebt er bei seiner Mutter, die nach Ostdeutschland gezogen ist. Sie hat einen Freund, der sie nicht gut behandelt und den er hasst. Die meiste Zeit muss sich Felix alleine durchschlagen, da seine Mutter als freie Mitarbeiterin bei einer TV-Produktionsfirma arbeitet und stndig berstunden machen muss. In der neuen Klasse hat er es schwer sich zu behaupten. Besonders zu schaffen machen ihm zwei Jungen, Jrgen und Rdiger, die ihn als Neuen an der Schule stndig drangsalieren und schikanieren. Ausgerechnet ein Mdchen, die aufgeweckte und kluge Angelika, ist die einzige gleichaltrige Person, mit der Felix sich anfreunden kann abgesehen von seinem Teddy Balthasar, den Felix fr nichts in der Welt hergeben wrde. Nachdem er von den beiden Jungen eines Tages brutal unter Druck gesetzt worden ist, weil er das Passiergeld nicht zahlen will, erwischt ihn Angelika weinend. Er versucht es zu verbergen, was ihm aber nicht gelingt. Durch dieses Ereignis kommen sie sich nher. Felix erfhrt, dass auch Angelikas Eltern sich trennen wollen. Nach anfnglicher Scheu gelingt es Felix mit Angelika ber dieses Thema zu reden. 2 Auf der Flucht vor Jrgen und Rdiger, die ihm nach der Schule auflauerten, entdeckt Felix eines Tages ein verlassenes Baumhaus. Er schaut es sich an und beschliet einzuziehen. Felix schpft wieder Lebensmut. Hier hat er einen Zufluchtsort, ein Refugium, in dem ihn niemand strt. Nach und nach richtet er sich ein. Vorbild fr die Einrichtung ist die Zentrale der drei ??? aus der gleichnamigen Jugendbuchreihe. Er schleppt Bcher, ein Radio, eine Snackbar und Funkgerte in sein neues Domizil. Das andere Funkgert bekommt Angelika und manchmal funkt er sie von seinem Baumhaus an. 3 Detlev, ein junger Redakteur, der sich um Felix attraktive Mutter bemht, wird eines Tages von ihr zum Kinderbetreuer gemacht. Detlev hatte angeboten, mit Annett, Felix Mutter, und ihrem Sohn ins Kino zu gehen. Da sie aber einen Arzttermin hat, bittet sie ihn mit Felix ins Kino zu gehen. Felix freundet sich mit dem humorvollen jungen Mann an und fragt ihn sogar direkt, ob er an seiner Mutter interessiert sei. Detlev weicht aus und versucht seinerseits etwas ber Felix herauszubekommen. Detlevs einfhlsames und verstndnisvolles Wesen imponiert Felix. Er denkt gar nicht mehr daran, dass es ja eigentlich seine Mutter war, der Detlevs Aufmerksamkeit galt. Das Kind und der erwachsene Mann freunden sich an. Er bittet Detlev sogar indirekt um Rat, wie er sich aggressiven Mitschlern gegenber verhalten solle. Detlev rt, ohne die konkrete Situation zu kennen, sich zu wehren. Manchmal knne es auch richtig sein sich zu prgeln. Am Abend funkt Felix Angelika von seinem Baumhaus aus an. Doch er bekommt keine Reaktion. Spter funkt ihn eine total aufgelste Angelika an. Ihre Mutter hat sich nach einem Streit mit ihrem Vater betrunken und das Mdchen geschlagen. 4 In der Schule berichtet Angelika ihrem Freund von den traurigen Ereignissen des letzten Abends. Als es nach Schulschluss wieder zu einem Streit mit Jrgen und Rdiger kommt, ist Angelika dabei. Felix will, dass sie weitergeht, weil er vor ihr keine Schwche zeigen will, doch statt dessen beschimpft sie Jrgen und Rdiger als Feiglinge. Daraufhin fallen die beiden ber Angelika her und verletzen sie im Gesicht mit einem Messer. Da fllt Felix die beiden von hinten an und wird schlimm verprgelt. Noch viel schlimmer allerdings ist, dass die Schler Felix hei geliebten Teddy Balthasar in seiner Schultasche ausfindig machen und vor den entsetzten Augen des Jungen verbrennen. Gemeinsam gehen Angelika und Felix spter zum Baumhaus. Angelika ist der erste Mensch, den Felix in sein Geheimnis einweiht. Voller Zorn schwrt Felix Rache. Das Mdchen versucht ihn zu beruhigen. In der Abgeschiedenheit des Baumhauses kommt es schlielich auf Angelikas Initiative zu Zrtlichkeiten zwischen den beiden. Felix fhlt sich dabei jedoch berrumpelt und sehr unsicher. Er verlsst in Panik das Baumhaus und geht wortlos nach Hause. 5 Zu Hause gibt es rger mit der Mutter, die Probleme mit ihrem Ex-Freund hat. Sie sieht Felix Verletzungen und versteht nur, dass er sich geprgelt hat. Sie bestraft ihren Sohn mit Stubenarrest. Felix droht damit, zu seinem Vater zu ziehen. Detlev kommt um Annett zu einer Verabredung abzuholen. Da er sich nur wenig fr Felix interessiert, fhlt dieser sich verraten. Felix ruft seinen Vater an. Doch der wimmelt ihn ab. Allein in seinem Baumhaus schwrt Felix Rache all sein Hass konzentriert sich auf Rdiger und Jrgen. Er will die beiden Jungen zerstren. 6 In der Schule geht Felix Angelika aus dem Weg. Jrgen und Rdiger verspricht er, dass er ihnen Geld geben wird. Er habe nmlich einen Schatz in seinem Baumhaus. Am Sonnabend Abend sollten sie an einer verabredeten Stelle auf ihn warten. Dann werde er ihnen das Geld geben. Sie sollten niemandem davon erzhlen. Am Abend kommt Angelika zum Baumhaus. Felix lsst sie herein. Aber die Zrtlichkeiten vom Vortag stehen wie eine Mauer zwischen ihnen. In der Hoffnung, Felix damit aus der Reserve zu locken, fngt Angelika dann auch noch ein ungeschicktes Gesprch ber sexuelle Dinge an. Felix geht in die Luft und wirft Angelika hinaus. Allein nhrt er wieder Rachegedanken. Die Tatsache, dass sich die ganze Welt gegen ihn verschworen zu haben scheint, bestrkt ihn. 7 Am Sonnabend kommt Detlev zum Mittag. Whrend Annett noch dabei ist sich zurechtzumachen, fhren Detlev und Felix ein Gesprch in der Kche. Detlev versucht den Eindruck zu erwecken, auch an Felix interessiert zu sein. Als Annett auftaucht und ihr Gesprch unterbricht, emprt sich Felix wtend. Obwohl eigentlich geplant war, dass sie den Nachmittag zu dritt verbringen wrden, schaltet Felix jetzt auf Stur. Er wolle lieber alleine zu Haus bleiben und ihnen nicht den Spa verderben; er stre ja doch nur. Am Nachmittag kauft Felix auf einer Autobahn-Tankstelle, die er von hinten mit dem Fahrrad erreicht, einen Kanister mit Benzin und trnkt sein ganzes Baumhaus damit. Seine Utensilien hat er vorher entfernt. Abends kommt er heim zum Zeitpunkt der Verabredung mit Jrgen und Rdiger und ertappt seine Mutter beim Liebesspiel mit Detlev. Er verlsst ungesehen das Haus. Jrgen und Rdiger warten bereits ungeduldig am Treffpunkt. Felix lockt sie in eine tdliche Falle: Unter dem Vorwand, dass er in seinem Baumhaus Geld versteckt hat, ganz viel Geld sogar, das er ihnen geben will, wenn sie ihn ein fr allemal in Ruhe lassen, fhrt er sie in sein Baumhaus, veschwindet durch die Dachluke, die er mit einem Schloss verriegelt, und setzt mit einem Streichholz das Baumhaus in Brand. Den Einstieg unten verbarrikadiert er mit einem dicken Balken. Die beiden Jungen haben keine Chance. Zu Hause schleicht sich Felix an seiner Mutter und ihrem Liebhaber vorbei in sein Zimmer. 8 Am nchsten Morgen erzhlt Annett ihrem Sohn von dem furchtbaren Unglck. Kurz darauf erscheint die Polizei. Sie hat herausgefunden, dass Felix mit den beiden toten Jungen bekannt war. Felix spielt seine Rolle als Unschuldsengel perfekt. Dann bemerkt er, dass er eine Anstecknadel vom Krimiclub der drei ??? im Baumhaus vergessen haben muss. Er frchtet, dass sie ein Beweismittel sein knnte. Am Tatort trifft er Detlev, der fr das Regionalfernsehen in der Nacht einen Bericht gemacht hat und jetzt einen Nachbericht machen will. Felix soll an einem Interview mitwirken. Sein reserviertes Verhalten lsst Detlev Verdacht schpfen. In einem Versteck wartet der Junge, bis Detlev und der Kameramann verschwunden sind. Die Brosche findet er nicht. Am Abend schauen Felix und seine Mutter gemeinsam fern. Es wird von dem Verdacht berichtet, dass die Jungen Opfer eines Mordes geworden sein knnten, da ein Schloss gefunden wurde, das geschlossen war. Auerdem gebe es Hinweise auf Benzin. Detlev entwickelt im Fernsehen die These, dass die Jungen Benzin in der Htte gehortet haben knnten um selbst etwas in Brand zu stecken und dann beim Rauchen Opfer ihrer mangelnden Vorsicht geworden seien. (Zigaretten hatte Felix zur Tarnung im Baumhaus zurckgelassen.) 9 Am Montag gibt es in der Schule eine Ansprache des Schulleiters anlsslich des Todes von Jrgen und Rdiger. berall herrscht groe Betroffenheit. Als die Presse Felix erneut um ein Interview bittet, sagt Felix unvorsichtigerweise, die beiden seien A...lcher gewesen. Einem Gesprch mit Angelika geht Felix konsequent aus dem Weg. Nachmittags kommt erneut die Polizei. Sie verhrt Felix, weil sie sein Verhalten verdchtig findet. Beweise gibt es jedoch nicht. Annett besttigt, dass Felix zur Zeit des Brandes wegen Stubenarrest zu Hause gewesen sei. (Felix hatte mit einer abgeschlossenen Zimmertr den Eindruck erweckt sich beleidigt eingeschlossen zu haben.) 10 Am Abend funkt Angelika Felix an und bittet mit Nachdruck um ein Treffen. Felix schleicht sich aus dem Haus und trifft sich am Ort des Brandes mit ihr. Angelika spricht offen aus, dass sie glaubt, Felix habe die beiden in eine hllische Falle gelockt. Er leugnet und geht weg. 11 Felix geht mit zur Beerdigung der beiden Jungen und muss mit ansehen, wie ihre Mtter unter dem Verlust leiden. Polizei und Medien auch der Pfarrer sprechen inzwischen von einem tragischen Unfall. Nach einem unerfreulichen Telefongesprch, das seine Mutter in Felix Beisein gefhrt hat, erfhrt Felix, dass es mit Detlev aus sei und sie sich mit Martin, dem verhassten Ex-Freund, vershnt hat. Allein in seinem Zimmer weint Felix. 12 Ein paar Tage spter: Felix bekommt Post. Ein anonymer Absender hat ihm seine halb verkohlte ???-Anstecknadel geschickt und bittet ihn um ein Treffen an einem neutralen Ort. Felix verdchtigt Angelika und fhrt zu ihr. Er stellt sie zur Rede. Doch sie hat die Brosche nicht geschickt. Endlich kann sich Felix jedoch nun jemandem anvertrauen. Er berichtet Angelika von den unermesslichen Seelenqualen, die er seit dem Tod der beiden Jungen auszustehen hat, obwohl er immer noch der Meinung ist, dass sie den Tod verdient htten. Er fhle sich vllig zerrisen zwischen Scham, Schuld und Wut. 13 Der Absender des Ansteckers ist Detlev. Felix trifft sich in einem Restaurant mit ihm. Detlev entschuldigt sich dafr, dass er Felix das Gefhl gegeben habe, er sei ihm nicht wichtig gewesen, sondern nur seine Mutter. Er habe etwas Schlimmes getan, sagt ihm Detlev. Er sei aber nicht hier als sein Richter und schon gar nicht als sein Henker. Denn sein Verhalten, so Detlev, ihm gegenber und auch seiner Mutter gegenber sei auch nicht moralisch einwandfrei gewesen. Zu einwandfreiem Verhalten seien Menschen letztlich gar nicht fhig. Das lerne auch Felix wohl gerade. Er habe etwas Bses getan und sei vielleicht selbst sein gesamtes weiteres Leben lang am meisten damit bestraft. Detlev werde das Geheimnis fr sich behalten und es Felix eigener Verantwortung berlassen, wie er damit umgehen wolle. 14 Felix geht abends allein zurck auf den Platz des Geschehens und verflucht eine Welt, in der mglich war, was geschehen ist. Mit Trnen in den Augen bekennt Felix, dass ihm seine Tat nicht mal Leid tut. Ihm tun die weinenden Mtter der beiden Leid, und dass er sich deswegen schuldig fhlt, tut ihm Leid und dass er sein Baumhaus nicht mehr hat, dass die beiden es ihm genommen haben, auch; aber wenn er die beiden wieder lebendig machen knnte, er wrde es nicht tun. Und dafr hasst er die Welt. 15 Zehn Jahre spter: Felix kehrt als Erwachsener an den Tatort zurck. Er bilanziert noch einmal nchtern, was geschehen ist. Die Sache ist vergessen worden und kein Hahn hat mehr danach gekrht. Nur die Stimme seines Gewissens ist ihm geblieben. Sie mahnt und ruft und diese Stimme wird er nicht los. Das ist, Detlev hatte es prognostiziert, der Preis, den er zahlen muss aber das Geheimnis wird er fr sich behalten. Und Angelika, die er besuchen wird sie sind kein Paar geworden wird auch weiter schweigen. Wem wrde es schlielich ntzen, die Wahrheit ans Licht zu bringen?

Kostenlose Webseite erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!